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Bundespräsident Steinmeier dankt LSVD für Engagement

Dass die deutsche Gesellschaft heute reifer und aufgeklärter dastehe, sei vor allem Generationen von LGBTIQ-Aktivist*innen zu verdanken

Steinmeier
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Foto: Bundesregierung/Steffen Kugler)

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den LSVD-Bundesvorstand am Freitag im Schloss Bellevue empfangen. Grund: Das 30. Jubiläum des Lesben- und Schwulenverbands in Deutschland. Der ursprüngliche Termin sollte im April und zudem grösser, mit 200 Gästen stattfinden, wurde aber wegen der Corona-Pandemie verschoben. Hier dokumentieren wir Steinmeiers Worte.

«Herzlich willkommen, liebe Gäste! Schwule und Lesben im Schloss Bellevue, Gespräche über die Erfahrungen von queeren, von bi-, trans- und intersexuellen Menschen beim Bundespräsidenten – noch vor wenigen Jahrzehnten wäre wohl so mancher Sittenwächter rot angelaufen und die Meldung hätte einen handfesten Skandal ausgelöst.

MANNSCHAFT sucht die Queeros 2020

Heute ist es umgekehrt: Ein Skandal liegt dann vor, wenn Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität verächtlich gemacht oder benachteiligt werden. Was für eine zivilisatorische Wendung! Welch ein Fortschritt! Ich habe es in meiner Rede im Tiergarten am 3. Juni 2018 gesagt, und ich sage es noch einmal: Die Würde der LSBTI-Community, die Würde jedes einzelnen Menschen, steht selbstverständlich unter dem Schutz unseres Staates – und sie ist so selbstverständlich unantastbar, wie sie es schon immer hätte sein sollen (MANNSCHAFT berichete).

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Dass unsere Gesellschaft heute reifer und aufgeklärter dasteht, ist auch ein Verdienst von Politik und Parteien. Vor allem aber haben wir diesen Erfolg Generationen von Aktivistinnen und Aktivisten zu verdanken. Von Karl Heinrich Ulrichs über Johanna Elberskirchen und Magnus Hirschfeld bis zu Stonewall und der immer grösser gewordenen globalen Bewegung der letzten fünfzig Jahre: Zehntausende mutige Menschen haben sich gewehrt, sind auf die Strasse gegangen, haben viel riskiert, um für sich und nachfolgende Generationen das Recht auf Liebe zu erkämpfen.

«Alle Menschen dürfen so sein, wie sie sind»

Deshalb freue ich mich, heute dem Lesben- und Schwulenverband in Deutschland ganz herzlich zu seinem 30. Jubiläum zu gratulieren. Ihr Verband hat viel dazu beigetragen, dass unsere Gesellschaft bunter und toleranter geworden ist. Und der LSVD kämpft weiter gegen so manche immer noch bestehende Ungerechtigkeiten. Von der Abschaffung des Strafrechtsparagraphen 175 (MANNSCHAFT berichtete) über die Ehe für alle (MANNSCHAFT berichtete) bis zur Reform des Transsexuellenrechts und der Debatte um die explizite Erweiterung unseres verfassungsrechtlichen Diskriminierungsverbots um das Merkmal der sexuellen Identität (MANNSCHAFT berichtete) – der LSVD war und ist immer an vorderster Front dabei.

Nach wie vor müssen viele Schwule, Lesben, bi-, trans- und intersexuelle Menschen in unserem Land Nachteile erleiden, werden ihre Menschenrechte verletzt – im Alltagsleben, am Arbeitsplatz, durch nicht gerechtfertigte medizinische Behandlungen. An vielen Orten weltweit, auch in Europa, werden anders liebende Menschen immer noch verfolgt und herabgewürdigt. Autoritäres Denken, Populismus und Fundamentalismus schüren neuen Hass und neue Gewalt gegenüber der LSBTI-Community.

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Die Mitglieder und Unterstützer des LSVD gehören oft zu den ersten in Deutschland, die ihre Stimme gegen Diskriminierung und Verfolgung erheben – ob hierzulande, bei unseren Nachbarn oder auf anderen Kontinenten. Für all dieses bürgerschaftliche, meist ehrenamtliche Engagement möchte ich Ihnen hier und allen aktiven und ehemaligen Engagierten ganz herzlich danken.

Noch einmal: Herzlich willkommen! Ich bin mir sicher, Sie haben eine Menge Themen mitgebracht. Ich freue mich auf unser Gespräch!»

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