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Bulgarien: LGBTIQ-Community im Würgegriff rechtsradikaler Mobs

Grosse Sorge um geplante Sofia Pride vom 12. Juni

Sofia Pride
(Symbolbild: Unsplash)

Seit Mai mehren sich in Bulgarien homophobe Angriffe auf LGBTIQ-Veranstaltungen. Es ist zu befürchten, dass die rechtsradikalen Gruppierungen als Nächstes die Sofia Pride, den Höhepunkt der Pride-Veranstaltungen, ins Visier nehmen.

Die Pride-Saison in Bulgarien verläuft alles andere als friedlich: Immer wieder greifen gewalttätige rechtsradikale Mobs LGBTIQ-Veranstaltungen im ganzen Land an. Umso grösser ist nun die Angst vor Attacken auf die Sofia Pride vom 12. Juni. Sie soll schliesslich der Höhepunkt der diesjährigen Feierlichkeiten sein.

«Stoppt den LGBT-Virus»
Ein Politiker im Sofioter Stadtrat bezeichnete am 20. Mai die Sofia Pride hingegen als «eine Manifestation psychischer Störungen in einer Gruppe». Nur fünf Tage zuvor attackierten Neonazis die erste Pride-Veranstaltung in Burgas, der viertgrössten Stadt Bulgariens.

Der homophobe Mob von rund 300 Personen warf Eier, Steine und Rauchbomben auf die 40 Teilnehmer*innen. Auch eine Regenbogenflagge wurde verbrannt. Zu den Organisator*innen dieses Angriffs zählt die pro-russische Partei Vazrajdane.


Am 26. Mai fand in Sofia eine Diskussion über ein Kinderbuch statt. Darin geht es um eine gleichgeschlechtliche Liebesgeschichte, die in einer Märchenwelt spielt. Mitglieder der Bulgarischen Nationalen Union störten die Veranstaltung und verunstalteten die Fenster des Treffpunktes mit Aufklebern. Darauf stand «Stoppt den LGBT-Virus».

Wahlen als Grund?
Am selben Ort versuchten am 31. Mai etwa 30 Personen die Vorführung eines Filmes über eine lesbische Liebe zu verhindern. Gemäss Balkan Insight besteht bei ihnen eine Verbindung zum berüchtigten Lukow-Marsch, an dem jeweils auch Neonazis aus Deutschland teilnehmen.

LGBTIQ-Aktivist Ivan Dimov von der Single Step Foundation sieht in den bevorstehenden Wahlen vom Juli den Grund für die zahlreichen Angriffe. Sämtliche rechtsradikale Parteien könnten nämlich laut einer Umfrage vom April die Vier-Prozent-Hürde und damit den Einzug ins Parlament verpassen.


Mit den Angriffen wollen diese Parteien für mehr Aufmerksamkeit sorgen, denkt Dimov. Laut dessen Beschreibung sind die Angreifer*innen schwarz bekleidet und maskiert. Er vermutet, dass die meisten von ihnen noch nicht mal 18 Jahre alt seien.

Homophobe Flugblätter
Als am 27. Mai in Plovdiv, der zweitgrössten bulgarischen Stadt, ein queeres Buch vorgestellt wurde, passierte es wieder: Ein gewaltbereiter Mob störte die Veranstaltung. Die lokale Presse bezeichnete die Gruppe als «Fussballhooligans», die eine Sicherheitsabsperrung durchbrechen konnten.

Zwischen dem 31. Mai und dem 3. Juni wurden mehrere Gemeindezentren, Veranstaltungsorte und Pride-Plakatwände mit Aufklebern, Eiern und Schaum beschmutzt. Homophobe und transphobe Flugblätter wurden verteilt. Dies schreibt die globale LGBTIQ-Organisation All Out auf ihrer Website.

Sofia-Pride: Petition gestartet
Gerade im Hinblick auf die Sofia Pride ist mit neuen Angriffen zu rechnen. Die Community bekomme immer mehr Angst, an öffentlichen Versammlungen teilzunehmen, schreibt All Out. Die Organisation startete deshalb eine Petition. Sie ist an den Innenminister Bulgariens gerichtet.

«Wir fordern, dass Sie Sicherheit und Unterstützung für Pride-Veranstaltungen und Demonstrationen in allen bulgarischen Städten garantieren. Wir fordern, dass angemessene Polizeikräfte zum Schutz der LGBT*-Community während Pride-Veranstaltungen bereitgestellt werden», heisst es im Petitionstext.

«Und wir fordern, dass das Innenministerium jegliche Gewalttaten, insbesondere durch Mitglieder der Regierung und anderer Behörden, öffentlich verurteilt und dass diese Taten ordnungsgemäss und zeitnah strafrechtlich verfolgt werden.»

Im aktuellen europaweiten ILGA-Ranking belegt Bulgarien nur den 37. Platz. Unseren Beitrag über die neuste «Rainbow Map» findest du hier.



Shlomo Amar

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