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Coming-out im Job – entweder im ersten Jahr oder gar nicht

Interessante neue Erkenntnisse der Boston Consulting Group

Coming-out
Symbolbild: Alex Kotliarskyi/Unsplash

Wenn es darum geht, ein integratives Arbeitsumfeld zu schaffen, ist Zeit ein entscheidender Faktor. Das zeigt eine neue Studie der Boston Consulting Group (BCG) zum Thema Coming-out am Arbeitsplatz. Befragt wurden u.a. Beschäftigte in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Das erste Jahr der Beschäftigung ist für LGBTIQ-Mitarbeitende offenbar von entscheidender Bedeutung, denn die meisten Arbeitnehmer*innen outen sich entweder während die ersten 12 Monate im Job – oder nahezu gar nicht. Das geht aus dem Out@Work Barometer hervor, einer globalen Umfrage der BCG unter rund 8.800 Personen in 19 Ländern.

Bild: BCG (zvg)

Für Unternehmen bringt das Schaffen einer Umgebung, in der sich die Mitarbeiter*innen wohl fühlen, erhebliche Vorteile mit sich. Die BCG-Umfrage ergab, dass LGBTIQ-Mitarbeiter*innen sich bei der Arbeit wohler fühlen, wenn sie sie selbst sind und enge Freundschaften im Büro aufbauen. Eine integrative Arbeitskultur sei oft mit einer geringeren Mitarbeiterfluktuation verbunden und mit erfolgreicherer Teamarbeit. Unternehmen könnten also dazu beitragen, dass sich die Mitarbeitenden wohl fühlen und als ihr authentisches Selbst vom ersten Tag an arbeiten. Der Schlüssel liege darin, Vielfalt, Gerechtigkeit und Inklusion zu fördern

Um die Erfahrungen von LGBTIQ am Arbeitsplatz zu verstehen, wurden weltweit über 8.800 Personen befragt. Die Stichprobe sei jedoch nicht repräsentativ für die Gesamtbevölkerung bzw. alle Branchen; denn sie es war eher auf Mitarbeiter*innen ausgerichtet, die über ein relativ hohes Bildungsniveau verfügen.


Die Befragten tendierten dazu, für Unternehmen zu arbeiten, die relativ fortschrittliche LGBTIQ-Richtlinien und -Programme hatten. In der Umfrage wurden auch trans und nicht-binäre Mitarbeiter*innen berücksichtigt.

Bild: BCG (zvg)

In allen in der Umfrage einbezogenen Ländern waren LGBTIQ am ehesten vor Freund*innen out (durchschnittlich 92 % in allen Ländern), bei ihren Familie immerhin noch zu 82 %. Es folgen Kolleg*innen (76 %) und Kund*innen (45 %). Dieser letzte Bereich war in der Umfrage durchweg am niedrigsten.

In Dänemark gaben beispielsweise 95 % der Befragten an, mit Freund*innen out zu sein, 88 % in der Familie und 80 % unter Kolleg*innen, aber nur 38 % an Kund*innen. Anders in Australien, den Niederlande und die USA: Hier gaben 65 % bis 75 % der Befragten an, auch im Kundenkontakt out zu sein. Dies sagten in Indien und China wiederum nur 16 % bis 22 % der Befragten.


Die Umfrage mache deutlich, dass ein Coming-out kein singuläres Ereignis, sondern eine definierte Reise sei. Immerhin ein Viertel derer, die sich selbst als überwiegend out bezeichneten, gab an, bei der Arbeit gelegentlich zu lügen, Details auszulassen oder die Beantwortung von Fragen zu . vermeiden, wenn es um die sexuelle oder geschlechliche Identität ging.

Bild: BCG (zvg)

Für die meisten LGBTIQ-Personen sei das erste Jahr im neuen Job entscheidend auf dem Weg zum Coming-out. In allen untersuchten Ländern gaben durchschnittlich 70 % der LGBTIQ-Befragten an, dass sie sich entweder während des Einstellungsverfahrens oder innerhalb der ersten zwölf Monate nach Arbeitsantritt geoutet haben. Nur 10 % outeten sich nach dem ersten Jahr, die restlichen 20 % gar nicht.

Das Coming-out bei der Arbeit kann erhebliche Herausforderungen mit sich bringen. Durchschnitt in allen 19 Ländern glauben 53 % der LGBTIQ-Personen, die an ihrem Arbeitsplatz ganz oder teilweise out sind, dass dies beruflich ein neutraler Faktor sei. 24 % sehen im Out-sein einen Vorteil. Wiederum 23 % betrachten das Coming-out am Arbeitsplatz als Nachteil. Viele Queers fürchten, dass das Coming-out am Arbeitsplatz ein potenzielles Risiko für ihre Karriere darstelle.

Auch hier gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Ländern. So glaubt die Hälfte der LGBTIQ-Beschäftigten in Australien, die teils oder vollständig out sind, es sei ein Vorteil bei der Arbeit; aber in Ländern wie Brasilien, China, Indien und Mexiko sinkt diese Zahl auf nur noch 9 bis 19 %. In Mexiko sind es demgegenüber gar 40% der LGBTIQ Mitarbeitenten, die das Coming-out bei der Arbeit als Nachteil in ihrer Karriere sehen.

Befragt wurden Mitarbeitende in Australien, Österreich, Belgien, Brasilien, Kanada, China, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Indien, Mexiko, Niederlande, Norwegen, Südafrika, Spanien, Schweden, Schweiz, Grossbritannien und USA. Es gab auch eine Kontrollgruppe von Nicht-LGBTIQ-Personen.

Insgesamt identifizieren sich 61 % der Teilnehmer*innen als LGBTIQ, als Frauen (36 %) und als trans oder nicht geschlechtskonform (8%). 88% der Befragten sind im Alter von 18 bis 44 Jahren, etwa zwei Drittel (68 %) arbeiten derzeit mehr oder weniger in Vollzeit.



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