Zwischen Nähe und Neuanfang
Zwei starke Stücke am Luzerner Theater erzählen von Begehren, Rückzug und dem Mut, das eigene Leben neu zu denken.
Theater ist dann spannend, wenn es uns etwas angeht. Wenn Figuren Dinge durchspielen, die wir selbst kennen: zu laut, zu nah, zu angepasst, zu lange ausgehalten. Mit Resonanzen und Auf allen vieren zeigt das Luzerner Theater zwei Produktionen, die genau hier ansetzen – bei Intimität, Identität und dem Wunsch, anders zu leben.
Resonanzen In Resonanzen zieht sich Jonathan in seine eigenen vier Wände zurück, die Welt draussen wird ihm zu viel. Doch ausgerechnet in seinem Rückzugsort dringen Geräusche von oben durch die Decke: Claire, die neue Nachbarin, High Heels, Stimmen, Leben. Gleichzeitig taucht Wes wieder auf – eine frühere intime Begegnung steht unausgesprochen im Raum.
Was als Alltagsbeobachtung beginnt, wird zu einem fein gezeichneten Kammerspiel über Nähe und Überforderung. Wer darf wem nahekommen? Wie viel Echtheit halten wir aus? Und was passiert, wenn alte Sehnsüchte wieder anklopfen?
Gerade hier steckt viel Wiedererkennbares: das vorsichtige Abtasten von Intimität, das Navigieren zwischen Rückzug und Sichtbarkeit, das Echo – oder Ausbleiben davon – auf das eigene Begehren. Resonanzen bleibt nah an seinen Figuren und erzählt ohne Pathos, aber mit grosser emotionaler Genauigkeit.
Auf allen vieren Mit Auf allen vieren bringt das Luzerner Theater die Schweizer Erstaufführung des Romans von Miranda July auf die Bühne. July ist bekannt für ihre eigenwilligen, feministischen und oft queeren Perspektiven auf Beziehungen, Körper und Begehren. Auch in diesem Stoff geht es um eine Frau, die in der Lebensmitte spürt: So wie bisher will sie nicht weitermachen.
Was folgt, ist kein klassisches Ausbruchsszenario, sondern eine tastende, manchmal unbequeme Neuverhandlung von Lust, Identität und Partnerschaft. Weibliches Begehren wird hier nicht gefällig erzählt, sondern als Kraft, die bestehende Ordnungen ins Wanken bringt. Intimität wird zur Frage: Wem gehöre ich und wem möchte ich gehören?
Genau hier liegt die Stärke des Stücks: Begehren wird nicht normiert, Lebensentwürfe werden nicht bewertet. Stattdessen entsteht Raum für Ambivalenz, Selbstermächtigung und die Möglichkeit, noch einmal neu zu beginnen.
Luzerner Theater – Jetzt Tickets sichern Hast du Lust auf einen Abend, der anders ist als Kino oder Streaming? Dann komm ins Luzerner Theater. Schnapp dir ein Date, deine Freund*innen oder gönn dir einfach Zeit für dich. Hier erlebst du Geschichten live, spürst die Energie im Raum und bist mittendrin statt nur dabei!
- Resonanzen 15. März - 20. Juni 2026 (7 Spieldaten) Tickets ab CHF 25
- Auf allen vieren Schweizer Erstaufführung am 1. April 2026 1. April - 18. Juni 2026 (10 Spieldaten) Tickets ab CHF 25
Zwei Perspektiven, eine Gegenwart Beide Produktionen verhandeln Nähe – körperlich, emotional, gesellschaftlich. Sie erzählen von Menschen, die aus gewohnten Bahnen ausbrechen oder sich zumindest fragen, ob sie das sollten. Das macht sie anschlussfähig für alle, die selbst schon einmal gespürt haben, dass da mehr geht.
Wer Lust auf einen Theaterabend hat, der nicht belehrt, sondern berührt, findet hier zwei sehr unterschiedliche, aber komplementäre Perspektiven. Und vielleicht auch den Mut, die eigene Geschichte ein kleines Stück weiterzudenken.
Und das ist längst nicht alles: Das Luzerner Theater bietet über die ganze Spielzeit hinweg Schauspiel, Musiktheater und Tanz – von zeitgenössischen Stoffen bis zu neu interpretierten Klassikern. Wer einmal reinschaut, merkt schnell: Hier gibt es noch viel mehr zu entdecken. Ein Blick in den aktuellen Spielplan lohnt sich.
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