Zürich

Rob Halford von Judas Priest: «Es ist unglaublich wichtig zu träumen»

Der Frontsänger outete sich 1998 auf MTV

Judas Preist: «Invincible Shield»-Tour
Rob Halford (Mitte) bezeichnet Judas-Priest-Konzerte als Ort des Eskapismus. (Bild: Judas Priest, Andrew McGovern)

Mit nur einem Coversong auf Tiktok kann man heute Millionen Follower*innen einsammeln. Judas-Priest-Sänger Rob Halford, ein alter Hase im Musikgeschäft, sagt trotzdem: Junge Musiker*innen haben es heute schwerer.

Früher, als es noch kein Social Media gab, mussten sich Musiker und Bands ihre Fanbase oft jahrelang mühsam erarbeiten. Rob Halford, Sänger der Heavy-Metal-Pioniere von Judas Priest, glaubt trotzdem, dass Nachwuchsmusiker*innen heute die schwierigeren Hürden überwinden müssen.

Bei der Berlinale, wo dieses Jahr ein Dokumentarfilm über seine Band («The Ballad of Judas Priest») Premiere feierte, sagte Halford der Deutschen Presse-Agentur: «Manche Dinge - Plattenverträge oder genug Geld aufzutreiben, um Benzin in den Van zu füllen - haben sich eigentlich nicht geändert. Aber ich glaube, die Chancen sind heute flüchtiger als damals, als wir angefangen haben.» Früher habe man als Nachwuchsmusiker mehr Zeit gehabt, erinnert sich der 74-Jährige, dessen Heavy-Metal-Band nach jahrelangen Startschwierigkeiten inzwischen seit rund 50 Jahren im Geschäft ist.

Ruhig an den grossen Wacken-Auftritt glauben «Man musste damals nicht sofort von A nach B kommen. Man wurde aufgebaut. Die Labels haben dich entwickelt. Heute heisst es: Wenn du die Zahlen nicht bringst, danke und auf Wiedersehen – und zwar so zügig, dass die Tür dich bitte beim Rausgehen nicht am Hintern trifft!»

Trotzdem rät der Metal-Veteran jungen Musikern heute, nicht zu kleine Brötchen zu backen, sondern ruhig ehrgeizige Träume zu haben: «Es ist unglaublich wichtig zu träumen. Und zum Beispiel daran zu glauben, einmal Wacken headlinen zu können. Das Grösste als Musiker ist doch, wenn deine Kunst möglichst viele Menschen erreicht.»

Er kenne selbst viele Musiker*innen, die gerade in Garagen spielen und auf den Plattenvertrag oder den großen Festivalauftritt hoffen würden.

«Das ist dieser unkontrollierbare Drang als Musiker. Man kann ihn nicht abschalten. Dieses Verlangen, dieser Hunger nach Erfolg - das hält die Motivation und den Traum am Leben.»

Und wie sieht der Musikveteran die Social-Media-Welt von heute?

«Die Art und Weise, wie Menschen Kunst konsumieren, wie sie Musik konsumieren – das hat sich stark verändert. Ich bin sehr dankbar, dass die Metal-Welt davon ein Stück weit entfernt ist».

Allerdings kommentiert Rob Halford durchaus die aktuellen digitalen Debatten. Zum Beispiel sieht er mögliche Social-Media-Verbote für Jugendliche eher zwiespältig. Da werde vielleicht auch manche Begründung vorgeschoben, wie es einst auch beim Heavy Metal passiert sei.

«Ich erinnere mich, dass Kritiker des Heavy Metals früher scheinbar aus Elternsicht dachten: ,Wir tun das für die Kinder.' Aber eigentlich taten sie es für sich selbst. Aber nur weil man etwas nicht versteht, sollte man es nicht unterdrücken.»

Warnung vor Zensur Halford, der mit Judas Priest im Sommer auch wieder Tourkonzerte u.a. in Deutschland plant, findet es entscheidend, Jugendlichen ihren Freiraum zu geben. «Menschen Chancen zu verweigern, insbesondere in ihren prägenden Jahren, halte ich nicht für richtig. Kinder sollten die Möglichkeit haben, zu wachsen. Natürlich braucht es auch Unterstützung und Sicherheitsregeln. Aber es ist dabei ein sehr, sehr schmaler Grat, nicht bei Zensur zu landen.»

Die Metal-Band feierte zuletzt das 35-jährige Jubiläum ihres wegweisenden Albums «Painkiller» und spielte letzten Sommer auch in Zürich.

Der offen schwule Frontsänger Rob Halford betonte gegenüber MANNSCHAFT im März 2024, wie wichtig es sei, bei jedem Album ein frisches Statement zu setzen: «Es geht um Kraft, Leidenschaft und Verlässlichkeit – darum, seinen Platz im Metal immer wieder neu zu definieren.»

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