«Maskulin, aber auch verspielt» – Ist der Moustache jetzt angesagt oder nicht?
Für Pedro Pascal offenbar nicht
Was blieb von der Oscar-Verleihung hängen? Von den etlichen queeren Momenten würden viele wohl sagen: Leonardo DiCaprio hat jetzt einen Schnauzer. Warum Bartwuchs im Jahr 2026 ein emotionales und gar nicht mal so einfaches Thema ist.
Von Gregor Tholl, dpa
Bei den Oscars war der Schnauzer von Leonardo DiCaprio einer der Hingucker des Abends. Bärte, auch nicht vorhandene wie aktuell etwa bei LGBTIQ-Ally Pedro Pascal, sind schnell ein Gesprächsthema. Nicht nur in Hollywood, sondern global. Der langjährige Moustache-Träger Pascal überraschte bei den Oscars mit nacktem Gesicht, blank rasiert, für manche kaum wiederzuerkennen. Zeit für ein paar grundsätzliche Bart-Fragen.
Egal ob voll, schmal oder abrasiert: Gesichtsbehaarung fällt sofort ins Auge. Viele Männer benutzen ihren Bartwuchs als Statement. Bei den Oscars, einer der weltweit meistbeachteten Veranstaltungen des Jahres, werden Trends und Statements besonders sichtbar. Nach der Gala berichteten viele über DiCaprios Schnauzbart, im Internet wurde Pascals Schnauzer hinterhergetrauert.
Auch andere Bart-Statements waren zu sehen: Timothée Chalamet trug seinen dezenten Schnurrbart (Milchbart statt fetter Balken), ebenso Michael B. Jordan. Manche sprechen hier auch vom Anchor-Bart, weil zum Oberlippenbart noch Haare am Kinn hinzukommen, die an die Form eines Ankers erinnern.
Daddy-Typ und Hollywood-Star Ethan Hawke (war für eine schwule Rolle Oscar-nominiert – MANNSCHAFT berichtete) tritt jetzt meist mit einem Henriquatre auf (Rund-um-den-Mund-Bart), Ewan McGregor mit gestutztem Vollbart.
Die Bartmode ist offensichtlich sehr in Bewegung und wenig eindeutig. Auch Harry Styles, der vergangenes Wochenende bei «Saturday Night Live» einen Mann küsste (MANNSCHAFT berichtete), trägt mal mehr, mal weniger Haare im Gesicht. Der Style ist bei vielen Männern also, den Style zumindest im Gesicht alle paar Tage oder Wochen zu ändern. Das wird als eine Form der Freiheit wahrgenommen.
Ist die Bartmode noch ein Zeichen der Zeit? Bis vor ein paar Jahren hätten einem Kulturwissenschaftler wahrscheinlich noch anhand angeblicher Barttrends den Zeitgeist erklären wollen. Der lange angesagte Vollbart galt als Zeichen dafür, dass vor allem Großstadtmänner besonders unweiblich wirken wollten, aber dadurch, dass ihr Hipster-Bart gepflegt war, sich sozusagen als gezähmte wilde Kerle offenbarten.
Die New York Times erklärte dagegen mal den Schnurrbart als «maskulin, aber auch verspielt – in einer Welt, die es ohnehin mag, mit Gender-Styles zu spielen». Gender meint im Unterschied zum biologischen Geschlecht die soziokulturelle Geschlechterrolle.
Ist der Oberlippenbart jetzt wieder angesagt oder nicht? Glaubt man Medien und Social Media, dann ist es seit etwa drei bis vier Jahren wieder extrem angesagt, sich einen Oberlippenbart oder auch Oberlippenflaum stehenzulassen. Auch neue Popstars fielen in diesem Zeitraum damit auf, etwa der amerikanische Popsänger Benson Boone.
In jüngeren Generationen gilt der sogenannte Schnurri keineswegs als cringe oder irgendwie belastet mit Fantasien wie «Tragen doch nur Pornostars» oder «Zeichnet windige Typen aus». Der Schnauzbart gilt als sexy – egal, ob man Männer oder Frauen, Heteros oder Homos fragt. Beliebt ist auch der Stubble Moustache (Stoppelbart), der Dreitagebart mit Schnauzer.
Ist der Schnauzbart besonders jugendlich? Mode-Trends gehen zumeist von jungen Leuten aus. Junge Kerle lassen sich oft als Erstes einen Oberlippenbart stehen, weil das der erste Bartwuchs ist, den man bekommt. Dann geht es meist am Kinn weiter. Wenn ältere Männer jugendlich wirken wollen, lassen sie sich manchmal genau so eine Art Bart stehen, um jünger zu wirken oder vom Bart her mit Jugend assoziiert zu werden. Den Schnauzer oder Schnäuzer bloss als Teil des 80er-Jahre-Comebacks zu deuten, dürfte also zu kurz greifen.
Wann hatte der fette Schnäuzer seine Hoch-Zeit? In den 80ern war der Chevron-Bart (ein breiter Streifen, der die gesamte Oberlippe bedeckt und zum Mund hin abgewinkelt ist) en vogue – und ein Inbegriff von (chauvinistischer) Männlichkeit: Man denke an «Magnum»-Serienstar Tom Selleck, Queen-Frontmann Freddie Mercury oder Hollywood-Star Burt Reynolds.
Ist so ein Bart nicht schnell auch uncool? Nicht jeder Mann mit Bart sieht damit gleich stylish aus. Zum Stil-Haben gehört mehr als ein paar Haare im Gesicht zu tragen. Ein Schnauzbart kann sehr verschieden wirken: vom sympathischen DJ Purple Disco Machine über die beliebte Daddy-hafte Serienfigur «Ted Lasso» (Jason Sudeikis) bis zum durchtriebenen Drogenbaron Pablo Escobar.
Lächerlich statt lässig auszusehen, ist eine weit verbreitete Angst im Kontext vom Schnauzer, der verächtlich auch Rotzbremse, Pornobalken oder Schenkelbürste genannt wird.
Timothée Chalamet wurde etwa schon bei den Golden Globe Awards 2025 wegen seines Schnurrbärtchens verspottet. Moderatorin Nikki Glaser sagte damals: «Du hast die schönsten Wimpern - auf deiner Oberlippe.»
US-Medien berichten über brisante Hinweise aus Geheimdienstkreisen: Der neue iranische Oberste Führer Mojtaba Khamenei könnte homosexuell sein. Die Information gilt als politisch hoch explosiv (MANNSCHAFT berichtete).