Queere Momente bei den Oscars: Viel Popkultur und ein schwuler Kuss
Auch wenn die Nominierten in diesem Jahr weniger queer geprägt waren, setzte die Oscar-Verleihung selbst mehrere deutliche Akzente. Von humorvollen Auftritten über sichtbare Solidarität bis hin zu einem überraschenden Kuss bot der Abend einige bemerkenswerte Momente.
Bei den Oscars setzte sich «One Battle After Another» gegen «Blood & Sinners» durch und gewann den Hauptpreis des Abends (MANNSCHAFT berichtete). Weitere Auszeichnungen gingen unter anderem an «Frankenstein», «Kpop Demon Hunters» sowie an Amy Madigan und Jessie Buckley. Obwohl die LGBTIQ-Vertretung unter den Filmen in diesem Jahr eher gering war, gab es aus queerer Sicht einige erinnerungswürdige Momente.
#Conan O'Brien in Drag Moderator Conan O’Brien führte auch dieses Jahr durch den Abend und setzte auf eine Mischung aus Humor und ungewöhnlichen Einlagen. Gleich zu Beginn sorgte er mit einem skurrilen Auftritt in Drag als «Aunt Gladys» für Aufmerksamkeit. Die Rolle wurde später auch ausgezeichnet: Amy Madigan erhielt für ihre Darstellung den Oscar als beste Nebendarstellerin – ihre erste Auszeichnung nach jahrzehntelanger Karriere.
#Gedenken an Rob und Michelle Reiner Ein emotionaler Moment des Abends war die Würdigung von Rob Reiner und seiner Frau Michelle. In der «In Memoriam»-Sektion wurde nicht nur ihr künstlerisches Schaffen hervorgehoben, sondern auch ihr Engagement für gesellschaftliche Themen, insbesondere für die Ehe für alle in den USA (MANNSCHAFT berichtete).
#Barbra Streisand gedenkt Robert Redford Einen emotionalen Schlusspunkt der «In Memoriam»-Sequenz setzte Barbra Streisand. Sie würdigte ihren langjährigen Weggefährten Robert Redford, mit dem sie in «The Way We Were» vor der Kamera stand. In ihrer Rede erinnerte sie auch daran, dass Redford sie stets «Babs» nannte – eine Bezeichnung, mit der sie selbst nie ganz einverstanden war. Neben persönlichen Anekdoten wurde es auch musikalisch: Streisand stimmte einige Zeilen aus dem bekannten Titelsong des Films an und sorgte damit für einen stimmungsvollen Abschluss der Ehrung.
#Jane Lynch als nervige Werbefigur Ein besonders gelungener Comedy-Moment des Abends drehte sich um die angekündigte Zukunft der Oscar-Verleihung. Ab 2029 soll die Show exklusiv auf Youtube gestreamt werden – ein Wechsel, den Moderator Conan O’Brien und das Autorenteam direkt aufgriffen. In einem Sketch, der typische Werbeunterbrechungen auf der Plattform parodierte, hatte Jane Lynch («Glee») einen überraschenden Auftritt. Zunächst erschien sie in einer überdrehten Werbung für eine taktische Taschenlampe, bevor sie wenig später erneut eingeblendet wurde, diesmal als Anwältin, die zu einer Sammelklage gegen genau dieses Produkt aufrief.
#Performance von «I Lied To You» Musikalisch setzte der Film «Blood & Sinners» ein Highlight: Die Live-Performance des Songs «I Lied To You» brachte mehrere Gäste auf die Bühne, darunter auch die offen lesbische Sängerin Brittany Howard. Die Darbietung gehört zu einem der stärksten Momente des Abends.
#Der Teufel trägt Prada Für zusätzliche queere Popkultur sorgte die gemeinsamen Laudationes von Anna Wintour und Anne Hathaway, die klar an «Der Teufel trägt Prada» angelehnt war. Als Hathaway Wintour auf der Bühne fragte, wie ihr ihr Look gefalle, reagierte diese demonstrativ kühl und ging ohne Antwort direkt zu den Nominierten über. Für einen weiteren Lacher sorgte der Moment, in dem Wintour Hathaway in der zweiten Laudatio mit «Emily» statt mit «Andrea» ansprach – eine bekannte Anspielung auf den inzwischen über 20 Jahre alten Film. Die Einlage war natürlich ein augenzwinkernder Verweis auf die im Mai startende Fortsetzung «Der Teufel trägt Prada 2» (MANNSCHAFT berichtete).
#Ewan McGregor und Nicole Kidman Der Abend bot zudem ein weiteres Revival eines über 20 Jahre alten Films, der in der queeren Community Kultstatus geniesst. Zum Abschluss standen Nicole Kidman und Ewan McGregor auf der Bühne und überreichten den Oscar für den besten Film.
#Tanga von Channing Tatum Auch die Laudatio von Robert Downey Jr. und Chris Evans spielte auf einen queeren Kultfilm an. Im Fokus stand ein glitzerndes Kostümstück aus «Magic Mike», das Channing Tatum im Film trägt und auf der Bühne überreicht wurde. Für einen zusätzlichen Lacher sorgte Tatum selbst, der sich aus dem Publikum zu Wort meldete und rief, dass er den Tanga gerne wieder zurück hätte.
#Zu guter Letzt: Der schwule Kuss Für den wohl schönsten queeren Moment sorgte die Auszeichnung für den besten Schnitt an Andy Jurgensen für «One Battle After Another». Nachdem sein Name aufgerufen wurde, küsste er seinen Partner im Publikum. Die Szene wurde von den Kameras eingefangen und entwickelte sich zu einem der meistdiskutierten Augenblicke des Abends. Auch wenn der Moment im politisch konservativen Amerika für vereinzelte Kontroversen sorgte, wurde er innerhalb der queeren Community als wichtiges Zeichen der Sichtbarkeit gefeiert – gerade an einem Abend, an dem queere Repräsentation unter den Filmen selbst nur wenig präsent war.
#Bonus: Glitzer auf dem roten Teppich Queere Popkultur durfte natürlich auch auf dem roten Teppich nicht fehlen. Unter anderem sorgten Connor Storrie und Hudson Williams für Aufmerksamkeit, ebenso wie das Paar Sarah Paulson und Holland Taylor. Auch Colman Domingo bestätigte einmal mehr seinen Ruf als stilprägende Persönlichkeit des Abends.
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