Niemand ist perfekt: Queere Familienkomödie «So haben wir dich nicht erzogen»

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Szene aus der Komödie: «So haben wir dich nicht erzogen» (Bild: BR/ORF/Cult Film GmbH/Stefanie K)

Eine junge Frau hat zwei Mütter - und sich nun in einen jungen Mann verliebt. Das stellt die ganze Regenbogenfamilie vor allerlei Herausforderungen - in einer Komödie im Ersten.

Von Klaus Braeuer, dpa

Wie das Leben so spielt: die Tochter von zwei lesbischen Müttern will ihren neuen Freund daheim in einer Wiener Villa vorstellen. Darum geht es in der TV-Komödie «So haben wir dich nicht erzogen».

Gleich zu Beginn wird klar: Es geht hier stets um den weiblichen Blick. Da sitzt nämlich Balbina (Brigitte Hobmeier) an ihrem neuen Bibelprojekt, in dem es um eine Göttin und weibliche Propheten geht, während ihre Lebensgefährtin Inka (Gerti Drassl) von der Küche aus ein paar Ratschläge dazu parat hat – kürzer und verständlicher soll’s bittschön sein.

Derweil ist beider Tochter Hedwig (Alina Schaller) bereits im Anmarsch, gemeinsam mit ihrem ersten festen Freund Andreas (Julian Pichler) – die beiden wollen heiraten. Entsprechend grosse Augen gibt’s dann zur Begrüssung.

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Szene aus der Komödie «So haben wir dich nicht erzogen» (Bild: BR/ORF/Cult Film GmbH/Stefanie K)

Spontan gesellen sich dann auch noch der beste Freund der Familie dazu, Pfarrer Edgar (Thomas Mraz), und wenig später die Eltern von Andreas – so entsteht gleich ein ziemliches Durcheinander.

Hinter dem Rücken der anderen klagen die beiden Mütter ihrer Tochter jeweils ihr Leid, wie schwer sie es doch mit der Partnerin haben. Balbina hat ein Alkoholproblem, raucht heimlich und sieht sich als grosse Schriftstellerin, während Inka ihren Job als Theaterschauspielerin aufgegeben, Hedwig geboren hat und sich stets um ihr Haus und den Garten gekümmert hat. Ausserdem ist sie nicht die Einzige, die seit Jahren ein Geheimnis hütet.

Zwei Männer haben diese unterhaltsame Komödie inszeniert: Regisseur Michael Kreihsl (67, «Die Wunderübung») und Autor Uli Brée (62, «Makellos»). Sie packen allerhand Themen in ihren Film wie Geschlechtergerechtigkeit, traditionelle Weltbilder und überholte Wertvorstellungen.

Auch in dieser Familie ist niemand perfekt und durchgängig tolerant oder konsequent, vielmehr sind alle Figuren mit der neuen Situation ziemlich überfordert - was sie umso sympathischer macht. Der Film ist gespickt mit heiteren und überraschenden Momenten und mit hübscher Musik (Andreas Radovan) unterlegt.

Die beiden Hauptdarstellerinnen agieren grossartig: Brigitte Hobmeier (49, «Oktoberfest 1905») und Gerti Drassl (47, «Vorstadtweiber») zünden – auch wegen der fabelhaften Dialoge – ein wahres Feuerwerk an Schauspielkunst ab, dass es eine wahre Freude ist, dem zuzuschauen.

Hier ist nichts belehrend vorgebracht, sondern eher verständnisvoll – gerne auch lustvoll streitend, aber nicht verletzend. Und natürlich spielen auch viele Emotionen eine grosse Rolle, sowohl gelebte als auch verloren geglaubte. Bis hin zu der Erkenntnis, dass es ganz ohne Männer eben doch nicht geht.

«So haben wir dich nicht erzogen»: steht schon in der ARD-Mediathek; linear am Mittwoch (18.3.) um 20.15 Uhr im Ersten.

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