Verlobte als Konkurentinnen: «Auf dem Eis ist sie meine Gegnerin»
Schwedin Anna Kjellbin und Finnin Ronja Savolainen spielen in Kanada für gegnerische Eishockeyteams. Bei den Olympischen Winterspielen werden sie auch gegeneinander antreten.
Anna Kjellbin und Ronja Savolainen sind Profi-Eishockeyspielerinnen. Sie sind verlobt und seit Jahren ein Paar. Auf dem Eis zählt für beide jedoch nur der Sport. Kjellbin spielt in der Professional Women’s Hockey League (PWHL) für die Toronto Sceptres. Savolainen steht bei den Ottawa Charge unter Vertrag.
Wenn sie gegeneinander spielen, blenden sie ihre Beziehung aus. Savolainen sagte 2024 über Duelle mit ihrer Verlobten: «Es ist mir egal, wer vor mir steht … wenn sie es ist, werde ich sie checken.» Und weiter: «Wenn man spielt, dann spielt man einfach. Man denkt nicht wirklich darüber nach, wer da ist. Danach ist man wieder befreundet. Auf dem Eis ist sie meine Gegnerin. So läuft das.»
Die beiden Frauen lernten sich in der schwedischen Frauenliga kennen. Eishockey brachte sie zusammen. Fünf Jahre lang waren sie ein Paar, bevor sie 2024 ihre Verlobung bekannt gaben. Savolainen sagt, Kjellbin habe sie ermutigt, öffentlich als Vorbild für Menschen mit ADHS aufzutreten.
Auch international stehen sie sich gegenüber. Bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Mailand spielt Savolainen für Finnland, Kjellbin für Schweden. In der Vorrunde treffen die Teams nicht aufeinander. Ein Duell wäre erst in der Medaillenrunde möglich. Savolainen bringt Olympia-Erfahrung mit. Sie gewann 2022 mit Finnland Bronze. Für Kjellbin ist es die erste Olympia-Teilnahme. Savolainen sagte dazu selbstbewusst: «Ich bin normalerweise diejenige, die als Siegerin nach Hause geht.»
Romantik spielt in Mailand keine Rolle. Beide sehen die Spiele als Arbeitsreise. Auf dem Eis gehe es um Leistung und Konkurrenz. Auf eine Schlägerei zwischen den beiden angesprochen, sagte Savolainen: «Nein, ich glaube nicht, dass es jemals zu so einer Art von Kampf kommen wird. Aber es ist mir egal, wen ich checke, ich checke einfach.»
Die PWHL gilt als besonders sichtbar für queere Athletinnen. Laut Berichten von Outsports gibt es dort derzeit rund 30 offen queere Spielerinnen, darunter auch Kjellbin und Savolainen. Dass Paare für verschiedene Teams und Nationen antreten, ist im Frauen-Eishockey nichts Ungewöhnliches. Trotzdem zieht die Geschichte der beiden besondere Aufmerksamkeit auf sich. Liebe und Konkurrenz liegen bei ihnen nah beieinander.
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