Nach Coming-out angefeindet: JEVP-Co-Präsidentin Lea Blattner tritt zurück

Lea Blattner lesbisch
Lea Blattner (Bild: Instagram/Lea Blattner)

Die EVP-Politikerin Lea Blattner hat sich 2025 als lesbisch geoutet und wird seither massiv angefeindet. Es habe Morddrohungen gegeben, selbst aus der eigenen Partei. Nun gibt die 32-Jährige ihr Amt als Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz ab.

Im Frühling 2025 outete sich Lea Blatter mit den Worten: «Ich bin Christin. Ich bin Politikerin. Ich bin lesbisch. Und ich bin genau richtig, so wie ich bin.» Kein Jahr später tritt sie von ihren Ämtern in der JEVP und EVP zurück, wie die Politikerin in den Sozialen Medien erklärt. Sie danke der Partei «für die mehrheitlich sehr schöne und wertvolle Zeit» und alles, was sie lernen durfte.

Sie schrieb am Dienstag bei Instagram, sie habe allerdings auch viel Hass und Ablehnung erlebt, erhielt sogar Morddrohungen, offenbar aus der eigenen Partei.

Die Lesbenorganisation Los schrieb in einem Kommentar: «Dein Einsatz verdient Unterstützung und Schutz - dass du beides von deiner Partei nicht bekommen hast, ist erschütternd.»

Die EVP Schweiz hat den Rücktritt von Blattner aus dem Parteivorstand der EVP Schweiz, aus dem Co-Präsidium der Jungen EVP Schweiz und aus dem Kantonalvorstand der EVP Baselland «mit Bedauern» zur Kenntnis genommen und teilt in einer Pressemitteilung mit:

«Lea Blattner hatte dem Parteivorstand diesen Entscheid im Oktober 2025 angekündigt und mit verletzenden Reaktionen auf ihr Coming-Out im April 2025 begründet. Das Ausmass und die Heftigkeit waren der Parteileitung zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt. Die Parteileitung der EVP Schweiz drückt Lea Blattner ihr tiefes Mitgefühl für diese belastende Situation aus. Die EVP wird die Situation aufarbeiten mit dem Ziel, künftig sicherzustellen, dass sich alle Mitglieder in der EVP respektiert und sicher fühlen können.

Als Partei, die der Nächstenliebe verpflichtet ist, verurteilt die EVP jede Art von Hass und persönlichen Anfeindungen. Persönliche, politische oder theologische Meinungsverschiedenheiten dürfen nicht zu Ausgrenzung, Anfeindungen oder gar Drohungen führen. Die EVP Schweiz wird in Absprache mit Lea Blattner Nachrichten, welche sie in ihrer Person angreifen, überprüfen und bei allfälliger Parteimitgliedschaft der Absendenden notwendige Schritte einleiten, um sicherzustellen, dass der Umgang in der EVP weiterhin von Respekt und Nächstenliebe geprägt ist.

Seit kurzem hat die Parteileitung von einem Brief Kenntnis, den Lea Blattner anonym erreichte und unter mutmasslicher Gewaltandrohung ihren Austritt aus der Partei forderte. Der Verfasser oder die Verfasserin behauptet darin, EVP-Mitglied zu sein. Die EVP Schweiz verurteilt diesen Brief aufs schärfste. Drohungen gegen Politikerinnen und Politiker sind zutiefst antidemokratisch und eine ernstzunehmende Straftat. Die Äusserungen dieses Briefes widersprechen fundamental den Werten der EVP.

Sollte sich herausstellen, dass es sich bei der anonymen Person tatsächlich um ein EVP-Mitglied handelt, wird die Parteileitung der EVP Schweiz die entsprechende Sektion auffordern, ein Ausschlussverfahren gegen dieses Mitglied einzuleiten. Die EVP Schweiz unterstützt Lea Blattner bei rechtlichen Schritten im Zusammenhang mit dieser Situation.»

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