Charles III. soll sich entschuldigen für LGBTIQ-feindliche Gesetze
Es geht um das Erbe der Kolonialzeit
Am Montag ist Commonwealth-Tag: Aus diesem Anlass plant die Peter Tatchell Foundation eine Protestaktion: Der britische König wird aufgefordert, die Folgen der Anti-LGBTIQ-Gesetze aus der Zeit des Britischen Empires anzuerkennen.
Am Commonwealth Day steht König Charles III. als Oberhaupt des Staatenbundes im Fokus.
Er sei «zutiefst besorgt über die anhaltende Kriminalisierung von LGBTIQ-Personen in 29 Commonwealth-Ländern», so der LGBTIQ-Aktivist Peter Tatchell in einem Brief an den König. Dort seien noch immer Gesetze in Kraft, die Intimität zwischen gleichgeschlechtlichen Partner*innen unter Strafe stellen. In fast allen Fällen lassen sich diese Gesetze direkt auf Bestimmungen zurückführen, eingeführt während der britischen Kolonialherrschaft, einschliesslich Variationen von Abschnitt 377 des indischen Strafgesetzbuchs und daraus abgeleiteter früherer Gesetze aus dem englischen Buggery Act von 1533.
Diese homophoben Gesetze wurden als Teil des imperialen Rechtssystems in ganz Afrika, der Karibik, Asien und im Pazifik erlassen. «Sie wurden im Namen Ihrer Vorgängermonarchen verhängt», so Tatchell an die Adresse des Königs Charles III.
50 Aktivist*innen, etwa aus Uganda, Bangladesch und anderen Commonwealth-Staaten, versammeln sich am Montag, um darauf hinzuweisen, dass in 29 Commonwealth-Ländern gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin unter Strafe stehen. Die LGBTIQ-Aktivist*innen aus Commonwealth-Ländern, in denen Homosexualität noch immer strafbar ist, marschieren anschliessend zum Buckingham Palace, um dem König ein formelles Schreiben zu überreichen. Darin fordern sie ihn als Oberhaupt des Commonwealth auf, sich für Grossbritanniens historische Rolle bei der Verbreitung dieser Gesetze zu entschuldigen und den Schaden anzuerkennen, den sie weiterhin anrichten.
Peter Tatchell, Direktor der Peter Tatchell Foundation, erklärt: «Die Kriminalisierung von LGBTIQ-Personen in weiten Teilen des Commonwealth wurde durch die britische Kolonialherrschaft und im Namen der jeweiligen Monarchen eingeführt. Diese Gesetze wurden aus Westminster exportiert und in die Strafgesetzbücher Afrikas, Asiens, der Karibik und des Pazifiks aufgenommen.
Eine Entschuldigung des Königs würde die Souveränität der Commonwealth-Staaten nicht beeinträchtigen. Sie würde die historische Wahrheit anerkennen und mit den Menschenrechtsprinzipien der Commonwealth-Charta im Einklang stehen. Entkriminalisierung ist keine westliche Einmischung – Kriminalisierung war es», sagte Tatchell.
Abbey Kiwanuka, ugandische LGBTIQ-Aktivistin von Out and Proud African LGBTI, erklärt: «In Uganda und anderswo behaupten Politiker oft, Anti-Homosexuellen-Gesetze würden ‚afrikanische Werte‘ verteidigen. Doch diese Gesetze wurden von den britischen Kolonialbehörden eingeführt. Sie sind keine einheimischen Traditionen – sie sind ein Produkt der Kolonialzeit.»
Nach homofeindlichem Spruch: Jung-Fussballer Jack Fletcher gesperrt. Auch eine Geldstrafe muss der Brite zahlen (MANNSCHAFT berichtete).