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Regenbogenratgeber in der Kritik

Mit dem neuen Ratgeber möchte der Dachverband Regenbogenfamilien «sein gesammeltes Fach- und Erfahrungswissen weitergeben». Er greift gemäss eigenen Angaben gängige Mythen und Vorurteile gegenüber Regenbogenfamilien und LGBT-Personen mit Kinderwunsch auf und liefert Argumente, um diese abzubauen. Mit welchen Schwierigkeiten LGBT-Personen bei der Familiengründung konfrontiert werden und welche Möglichkeiten ihnen offenstehen, erläutert der zweite Teil des Ratgebers. Der dritte Teil widmet sich den Herausforderungen im Familien- und Schulalltag von Regenbogenfamilien und liefert praktische Tipps im Umgang damit.

Die Regenbogenorganisation konnte den Ratgeber dank finanzieller Unterstützung von Pro Familia Schweiz, dem nationalen Dachverband der Familienorganisationen, umsetzen.

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Doch der neue Ratgeber stösst innerhalb der Community auch auf Kritik. swissgaydad, ein Netzwerk schwuler Männer mit Kinderwunsch oder mit Kindern, findet den Ratgeber nicht objektiv. Das Netzwerk hat sich vor einigen Jahren als Ergänzung zum Dachverband Regenbogenfamilie gebildet, weil sich schwule Männer und ihre Anliegen in Sachen Kinderwunsch vom Dachverband Regenbogenfamilien zuwenig repräsentiert fühlten.

Kritik am Ratgeber
swissgaydad Initiant, Micha Bollag, stört sich an einzelnen Punktes der Online-Publikation: «Der Ratgeber stellt unter anderem sieben verschiedene Formen vor, wie eine Familie gegründet werden kann. In den Kapiteln Adoption, aus heterosexuellen Bezügen, Samenspende, Pflegeelternschaft, Transeltern & Eizellenspende wird von ‚Tipps‘ gesprochen und einzig beim Kapitel Leihmutterschaft spricht der Dachverband von ‚Kritischen Punkten‘. Diese Tatsache ist stossend und tendenziös.»

Er stört sich daran, dass weder bei der Samenspende, Eizellenspende noch bei anderen Kapiteln kritische Punkte angesprochen werden – «das sagt viel über die Haltung vom Dachverband Regenbogenfamilie gegenüber Leihmutterschaft aus.».

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Leihmutterschaft als Streitthema
Das Thema Leihmutterschaft ist für schwule Männer häufig die bevorzugte Möglichkeit, ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Doch stehen genau diesem Weg Frauenorganisationen kritisch gegenüber. So sprach sich bisher auch die Schweizerische Lesbenorganisation LOS gegen eine Leihmutterschaft aus. Anders als zum Beispiel der Schweizer Dachverband der Schwulen, Pink Cross, der ethische Rahmenbedingungen fordert und in seinem Positionspapier schreibt: «Das Argument der Degradierung und Kommerzialisierung überzeugen daher nicht als prinzipielle Einwände, sondern erst mit ethischen Richtlinien werden vertretbare Rahmendbedingungen für eine Leihmutterschaft geschaffen.».

Dem Dachverband Regenbogenfamilien werden seitens der schwulen Community immer wieder eine zu starke lesbische Perspektive vorgeworfen. Auch im Vorstand des Verbandes findet sich von sieben Mitgliedern nur ein Mann. Auf Facebook und via E-Mails äussern sich schwule Männer mit Kinderwunsch immer wieder missverstanden oder schlecht beraten.

Umfrage zuwenig LGBT?
Der Dachverband führte 2017 eine nationale Umfrage durch, die sie nun auch als Basis für ihren Ratgeber einfliessen lässt. Auch hier findet Micha Bollag von swissgaydad, dass die schwulen Väter zuwenig einbezogen wurden: «Grundsätzlich wird im Ratgeber von LGBTIQ*-Personen gesprochen. Bei den Umfragen dominiert der Anteil Lesben. Unter dem Strich sehe ich nirgends Tipps oder Hinweise, die direkt auf Schwule abzielen. Es ist ein biologischer Fakt, dass es für Lesben einiges einfacher ist, sich den Kinderwunsch zu erfüllen, diese Tatsache oder explizit die Schwierigkeit für Schwule mit Kinderwunsch, sehe ich nirgends erwähnt.»

Das Thema Leihmutterschaft sei vor allem für Schwule ein wichtiges Thema. «Das Bedürfnis von vielen Schwulen weltweit, den Kinderwunsch durch Leihmutterschaft zu erfüllen, wird nicht erwähnt.» so Bollag. Niemand der Teilnehmenden an der Umfrage hat angegeben, eine Eizellenspende durchgeführt zu haben. «Es ist somit klar, dass keine schwulen Männer mit Kinderwunsch durch Leihmutterschaft befragt wurden.»

Auf Anfrage der Mannschaft äussert sich Maria von Känel, Geschäfleiterin des Dachverband der Regenbogenfamilien nur kurz: «Sehr gerne beantworten wir Fragen, die sich mit den vielfältigen Themen des gesamten Ratgebers auseinandersetzen. Die Fokussierung auf potentiell polarisierende, einzelne Formen der Familiengründung erscheint uns jedoch nicht zielführend.». Die politischen Position des Verbandes in Sachen Leihmutterschaft, die konkrete Unterstützung der Mitglieder und Ratsuchenden oder die Frage nach der Zusammenarbeit mit anderen Familienorganisationen wie swissgaydad wollte die Geschäftsleiterin nicht beantworten.

Falk Richter

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