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Cara Delevingne: «Weinstein forderte mich auf, eine Frau zu küssen»

Lange wurde geschwiegen – und nun wird abgerechnet. Gestern Donnerstag postete Topmodel und Schauspielerin Cara Delevingne einen längeren Text auf Instagram, in dem sie ihre unangenehme Begegnung mit dem Hollywoodproduzenten Harvey Weinstein schildert.

Weinstein fragte Delevingne nach ihrer Sexualität
Zu Beginn ihrer Schauspielkarriere vor einigen Jahren erhielt die Britin einen Anruf von Weinstein persönlich, der sie über ihre Sexualität ausfragte. «Er sagte, wenn ich mich als lesbisch outen würde oder mich entscheide, in der Öffentlichkeit mit einer Frau aufzutreten, würde ich nie eine Rolle als heterosexuelle Frau bekommen oder als Schauspielerin in Hollywood Karriere machen», erklärte Delevingne.

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When I first started to work as an actress, i was working on a film and I received a call from‎ Harvey Weinstein asking if I had slept with any of the women I was seen out with in the media. It was a very odd and uncomfortable call….i answered none of his questions and hurried off the phone but before I hung up, he said to me that If I was gay or decided to be with a woman especially in public that I’d never get the role of a straight woman or make it as an actress in Hollywood. A year or two later, I went to a meeting with him in the lobby of a hotel with a director about an upcoming film. The director left the meeting and Harvey asked me to stay and chat with him. As soon as we were alone he began to brag about all the actresses he had slept with and how he had made their careers and spoke about other inappropriate things of a sexual nature. He then invited me to his room. I quickly declined and asked his assistant if my car was outside. She said it wasn’t and wouldn’t be for a bit and I should go to his room. At that moment I felt very powerless and scared but didn’t want to act that way hoping that I was wrong about the situation. When I arrived I was relieved to find another woman in his room and thought immediately I was safe. He asked us to kiss and she began some sort of advances upon his direction. I swiftly got up and asked him if he knew that I could sing. And I began to sing….i thought it would make the situation better….more professional….like an audition….i was so nervous. After singing I said again that I had to leave. He walked me to the door and stood in front of it and tried to kiss me on the lips. I stopped him and managed to get out of the room. I still got the part for the film and always thought that he gave it to me because of what happened. Since then I felt awful that I did the movie. I felt like I didn’t deserve the part. I was so hesitant about speaking out….I didn’t want to hurt his family. I felt guilty as if I did something wrong. I was also terrified that this sort of thing had happened to so many women I know but no one had said anything because of fear.

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Sexuelle Belästigung und zum Kuss gezwungen
Einige Jahre später trafen sich Delevingne und Weinstein im Rahmen eines neuen Filmprojektes mit dem Regisseur des Films. Nachdem dieser gegangen sei, prahlte Weinstein damit, dass er bereits mit vielen Schauspielerinnen geschlafen und ihnen so zu einer Karriere verholfen habe. Danach lud er das Topmodel ein, mit auf sein Hotelzimmer zu kommen. Zunächst lehnte sie die Einladung ab. Da ihr Wagen aber noch nicht vorgefahren sei, ging sie dennoch mit aufs Zimmer. Dort befand sich eine andere Frau. Der Produzent habe die beiden aufgefordert, sich zu küssen.

Delevingne erklärte, sie habe der Forderung mittels einer Gesangseinlage aus dem Weg gehen wollen. Danach habe sie darauf bestanden zu gehen. «Er brachte mich zur Tür und stellte sich davor – er versuchte, mich auf den Mund zu küssen», schrieb die 25-Jährige, «ich wendete mich von ihm ab und schaffte es, das Zimmer zu verlassen».

Nach dem Vorfall erhielt Delevingne dennoch die Rolle in dem Film «Tulpenfieber». In ihrem Post erklärte sie, dass sie sich furchtbar gefühlt habe, die Rolle zu spielen. Bislang habe sie sich nicht über den Vorfall geäussert, weil sie Weinsteins Familie nicht verletzen wollte und sich auf eine Art und Weise «schuldig» gefühlt habe: «Als ob ich etwas falsch gemacht hätte».

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Opfer melden sich zu Wort
Anscheinend war das belästigende Verhalten des 65-Jährigen in Hollywood schon seit längerer Zeit bekannt. Frühere Kolleg_innen und Mitarbeitende in Weinsteins Unternehmen seien Zeugen seiner sexuellen Annäherungsversuche gewesen oder hätten davon gewusst.

Nicht nur Cara Delevingne musste unangenehme Situationen mit dem Filmproduzenten erleben. Auch weitere Schauspielerinnen wie Asia Argento, Angelina Jolie, Gwyneth Paltrow und Léa Seydoux erheben nun Vorwürfe gegen Weinstein wegen sexueller Belästigung.

Cara Delevingne ruft alle Opfer auf, ihr Schweigen zu brechen.

«Das ist das Widerlichste daran. Es ist unglaublich, dass Weinstein sich jahrzehntelang so verhalten hat und trotzdem seine Karriere behielt (…) In jeder Branche und insbesondere in Hollywood missbrauchen Männer ihre Macht und kommen damit ungeschoren davon», äusserte sich Cara Delevingne.

Wenn das Karma zuschlägt
Viele Hollywoodstars zeigen sich bezüglich Weinsteins Verhalten entsetzt. Leonardo DiCaprio sowie Matt Damon und Schauspielkollege Ben Affleck wenden sich nun vom Filmproduzenten ab. Auch Weinsteins Frau Georgina Chapman hat sich mittlerweile laut Welt.de von ihm getrennt. Zudem wurde er am Wochenende von seinem eigenen Filmstudio entlassen.

Harvey-Weinstein
Nach den Anklageerhebungen verlor Harvey Weinstein Kunden, Frau und Job.

Die Vorwürfe gegen Harvey Weinstein werden nun für Strafverfolger erneut zum Thema. Der New Yorker Staatsanwalt Cyrus Vance gerät unter Druck, da sein Büro den Produzenten nach Ermittlungen vor einigen Jahren nicht angeklagt hatte. Damals hatte Vance die Polizei beschuldigt, nicht genügend stichfeste Beweise geliefert zu haben. Gemäss Bild.de ist noch unklar, ob im Rahmen der neuen Vorwürfe die Ermittlungen gegen Weinstein wieder aufgenommen werden.

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