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Wie queer ist … Dolly Parton?

«Ich denke, wir sollten einander alle mit Respekt behandeln», findet die US-Schwulenikone

Dolly Parton
Dolly Parton bei einem Auftritt in Köln (Foto: Henning Kaiser/dpa)

Country ist nicht unbedingt das queerste Musikgenre, doch das heisst natürlich nicht, dass die Queen of Country nicht auch eine der grössten Schwulenikonen der Welt sein kann. Wie könnte es auch anders sein, schliesslich hat die Dame dem Vernehmen nach zwei ihrer grössten Hits – «Jolene» und «I Will Always Love You» – sogar an ein und demselben Tag geschrieben. Doch es gibt auch noch andere Gründe, die Dolly Parton zu einer absoluten LGBTIQ-Verbündeten machen.

#1 Verfechterin der Ehe für alle
Schon 2009 sprach sich Dolly Parton (75) in Interviews dafür aus, dass Schwulen und Lesben das Heiraten erlaubt sein sollte. Als vor ein paar Jahren die queere Community in Australien um dieses Recht kämpfte, sagte sie in einem Fernsehinterview: «Warum sollten sie nicht genau so unglücklich sein dürfen wie wir Heteros in unseren Ehe? Aber im Ernst: Liebe ist Liebe, das kann keiner kontrollieren, und deswegen sollte auch jeder heiraten dürfen.»

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#2 Vorreiterin
Daraus dass Parton ein grosses Herz für Queers hat, macht sie nicht erst seit ein paar Jahren keinen Hehl mehr. Bereits auf ihrem Album «Eagle When She Flies» von 1991 findet sich im Song «Family» folgende Textpassage: «Some are preachers/ Some are gay/ some are addicts, drunks, and strays/ But not a one is turned away when it’s family».

#3 Herzgeschichten
In ihrer achteiligen Netflix-Serie «Dolly Partons Herzgeschichten», die 2019 Premiere feiert, ist eine Episode der Liebegeschichte eines schwulen Paares (gespielt u.a. vom schwulen Broadway-Star Andy Mientus) gewidmet. Angeblich verliessen einige Zuschauer bei einem Screening in Partons Vergnügungspark Dollywood empört den Saal. Doch für die Country-Diva aus Tennessee war es eine Selbstverständlichkeit, auch von queerer Liebe zu erzählen: «Ich wollte alles abdecken, was zum Thema Familie gehört. Und fast jeder hat doch irgendwelche homosexuellen Familienmitglieder!»


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#4 Die Chefin mischt sich ein
Apropos Dollywood: Als 2011 eine Besucherin des Parks von einem Angestellten aufgefordert wurde, ihr T-Shirt mit einem Statement für die Ehe für alle auf links zu drehen, nahm sich Parton selbst der Sache an. Mit einem öffentlichen Statement entschuldigte sie sich für den Fehler und beteuerte lautstark erneut, dass sie aus vollstem Herzen die LGBTIQ-Community unterstützt und in Dollywood Familien aller Art willkommen sind.

#5 Genderneutrale Toiletten
Anders als womöglich Teile ihrer oft eher konservativen Fangemeinde hat Parton keinerlei Interesse daran, trans Menschen dazu zu nötigen, öffentliche Toiletten zu benutzen, die nicht ihrer Genderidentität entsprechen. «Ich denke wir sollten einander alle mit Respekt behandeln und hoffe, dass jede*r von uns die Chance bekommt, zu sein wer er oder sie ist», sagte sie dazu in einem Interview. «Und wenn ich pinkeln muss, dann tue ich es dort, wo ich eben muss.»

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#6 Transamerica
Das bewegende Drama «Transamerica» (das heute von einigen kritisch gesehen wird, weil mit Felicity Huffman eine cis Schauspielerin die Hauptrolle spielt) unterstützte Parton 2005 auf ganz besondere Weise. Eigens für den Film schrieb sie den Song «Travelin’ Thru» – und wurde dafür zum zweiten Mal für den Oscar nominiert. Gewonnen hat sie den Preis nie, anders als den Grammy: den Musikpreis bekam sie bislang elfmal – und ist nach Beyoncé die weibliche Künstlerin mit den meisten Nominierungen.


#7 Drag-Fan
Dass Parton (die US-Präsident Trump zweimal einen Korb für die Medal of Freedom gab – MANNSCHAFT berichtete) mit ihrem unverwechselbaren Stil – platinblonde Haare, viel Makeup und üppiges Dekolleté, dazu enge Kleider und hohe Absätze – ein perfektes Vorbild für Drag Queens ist, versteht sich von selbst. Sie selbst weiss das durchaus zu schätzen – und hat, so verriet sie es in der US-Sendung «Good Morning America», auch schon mal selbst mit einigen der Queens konkurriert. Bei einer Halloween-Party am Santa Monica Boulevard nahm sie an einem Wettbewerb für Dolly-Parton-Lookalikes teil. Gewonnen allerdings hat sie nicht.

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#8 Gerüchteküche
Wie es sich für gestandene Promis gehört, kam auch in der Karriere von Dolly Parton schon öfter das Gerücht auf, sie könne selbst homosexuell sein. Grund dafür ist nicht nur, dass ihr Ehemann Carl Dean (ein Bauunternehmer, mit dem sie bereits seit 1966 verheiratet ist) in der Öffentlichkeit eher selten zu sehen ist. Sondern auch, dass sie und Judy Ogle, ihre beste Freundin seit Kindheitstagen, bis heute unzertrennlich sind. «Die Leute tratschen einfach gerne und haben wohl keine Ahnung, wie eng eine Freundschaft unter Frauen sein kann», sagt Parton in Interviews zu der Sache. «Aber glauben Sie mir: wäre ich lesbisch, wäre ich die erste, die ihr Coming-out feiert.»

#9 Freundschaften & Wegbegleiter*innen
Queere Menschen gibt es in Partons Umfeld schon immer viele. Lily Tomlin gehört (genau wie Jane Fonda) seit den Dreharbeiten zum Film «9 to 5 – Warum eigentlich bringen wir den Chef nicht um?» zu ihren Freundinnen, weswegen Parton auch einen Gastauftritt in einer letzten Folgen der Serie «Grace & Frankie» haben wird. Ihre Patentochter ist niemand anderes als Miley Cyrus. Und für den Film «Joyful Noise» stand sie zusammen mit Queen Latifah vor der Kamera. Auch mit der Auswahl ihrer Duett-Partner*innen beweist sie immer wieder ihr Gespür für queere Sensibilitäten: Mit Cher ist Parton schon ebenso aufgetreten wie mit Miss Piggy.

#10 Der Impfstoff
Man darf wohl behaupten: Dolly Parton ist nicht nur eine Verbündete der LGBTIQ-Community, sondern der gesamten Menschheit. Mit Ausbruch der Corona-Pandemie nämlich spendete sie dem Vanderbilt University Medical Center in Tennessee 1 Million Dollar. Auch dank ihrer Spende gelang schliesslich die Entwicklung des Moderna-Impfstoffs, mit dem heute nicht nur Parton selbst geimpft ist.


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