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Queerer Frontalangriff mit Maren Kroymann in der ARD

Noch immer wagen zu wenige Schauspieler*innen das Coming-out, findet die 71-Jährige

Maren Kroymann
Foto: ARD/Screenshot

Die Schauspielerin und Kabarettistin Maren Kroymann wünscht sich in ihrer Branche einen offeneren Umgang mit Homosexualität. Das macht sie zu einer Kernaussage der neuen Folge ihrer ARD-Sendung «Kroymann», die am Donnerstag zu sehen ist.

Noch immer würden viele Künstler*innen aus ihrer queeren Identität ein Geheimnis machen, so Maren Kroymann zur Deutschen Presse-Agentur. «Es gibt da eine grosse Angst, zu sehr mit dem Thema assoziiert zu werden.»

Als klares Bekenntnis zum Queersein sind deshalb in der neuen Ausgabe ihrer Satireshow «Kroymann» am Donnerstagabend um 23.35 Uhr im Ersten mit Ausnahme von Annette Frier erstmals ausschliesslich queere Schauspieler*innen wie Gustav Peter Wöhler und Georg Uecker als Gäste engagiert. In der Mediathek steht die Sendung schon.


Einer der Kollegen in der Sendung ist der Kölner Schauspieler Klaus Nierhoff. «Es hat natürlich Riesenspass gemacht und ich empfinde es als grosse Ehre, mit Maren arbeiten zu dürfen und in ihrer tollen Sendung zu sein. Maren Kroymann ist ein grosses Vorbild für mich beim Kampf für die Gleichberechtigung unserer Lebensweisen», erklärte er gegenüber MANNSCHAFT.

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Höhepunkt der Show ist ein gemeinsames Musikvideo, das sich auf ironisch-witzige Art mit dem Queersein beschäftigt. Kurzsichtigkeit wird hier als Metapher für Queerness verwendet.

Die Queer Media Society, ein Netzwerk queerer Medienschaffender, steht klar hinter Kroymanns Botschaft. «Die QMS hat Marens Sendung natürlich sehr gerne unterstützt – von Cast-Empfehlungen queerer Schauspielender aus unserem Netzwerk für die ganze Sendung bis zum Aufruf, sich mit einem Selfie-Video am «Kurzsichtig»-Clip zu beteiligen», erklärt QMS-Gründer Kai S. Pieck gegenüber MANNSCHAFT. «Die Möglichkeit, einerseits offen queere Schauspielende auch Heteros spielen zu lassen und anderseits im Musikvideo das Thema Coming-out augenzwinkernd anzugehen und gleichzeitig queeren Kolleg*innen die Möglichkeit zu geben, sich öffentlich zu solidarisieren, war einfach grossartig.»


Kroymanns eigenes Coming-out im Magazin Stern liegt mittlerweile 27 Jahre zurück. «Damals dachte ich, dass sich da jetzt sehr schnell sehr viel tun wird, aber wenn ich heute zurückblicke, stelle ich fest, dass das nicht geschehen ist. Es ist immer noch ein Riesenschritt. Ich finde es erstaunlich, dass in so langer Zeit so wenig passiert ist.» An ihr selbst klebe das Etikett «lesbisch», als ob es etwas völlig Exotisches wäre. «Noch 20 Jahre nach meinem Coming-out wurde ich in Talkshows vorgestellt als die Schauspielerin, die sich als lesbisch geoutet hat. Da hab ich gedacht: Leute, können wir mal über meine Arbeit sprechen?»

Viele Schauspielerinnen und Schauspieler befürchteten nach wie vor, für bestimmte Rollen nicht mehr gecastet zu werden, wenn ihre sexuelle Orientierung öffentlich bekannt würde. Inzwischen halte sie das nicht mehr für begründet, sagte Kroymann, die immer wieder mit wichtigen Preisen geehrt wird wie im vergangenen Jahr mit der Carl-Zuckmayer-Medaille (MANNSCHAFT berichtete) und die kürzlich mit sehr deutlichen Worten die Homophobie der AfD beklagte (MANNSCHAFT berichtete).

Selbst bei ihr hätten damals die Angebote nur kurzfristig nachgelassen, und heute sei die Gesellschaft viel weiter. In bestimmten Bereichen gebe es aber noch Vorbehalte. «In Unterhaltungssendungen darf der schrille Part gerne mal von einer queeren Person übernommen werden. Aber wenn es darum geht, wer Hamlet spielt, wer Faust oder Richard III., dann ist da immer noch eine gewisse Zurückhaltung, denn hier geht um das, was dem Bildungsbürgertum wirklich wichtig ist. Im Kulturfeuilleton kommen wir noch immer kaum oder gar nicht vor.»

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Auch in der Presse werde immer noch erstmal automatisch vorausgesetzt, dass man heterosexuell sei. «Man ist heterosexuell, es sei denn, man outet sich. Das ist die Regel. Und das ist ziemlich repressiv, finde ich. Deshalb muss man etwas sagen. Damit die Verlogenheit aufhört.»

Die Gesetzgebung in Deutschland sei inzwischen sehr liberal: «Wir dürfen heiraten, wir dürfen Kinder adoptieren. Manchmal kommt es mir so vor, als ob die Gesetze fortschrittlicher sind als wir selbst. Mein Appell ist darum: Lasst es uns leben, lasst es uns zeigen, lasst es uns sagen! Wenn alle dabei mitmachen, dann ist bald nichts mehr dabei.» (mit dpa)


Alexander Osang

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