Homofreundlicher Generalvikar legt Ämter nieder, wechselt Kirche
#OutInChurch erwartet mehr Engagement von deutschen Bischöfen
Andreas Sturm, Generalvikar des Bistums Speyer, hat seine Ämter niedergelegt und tritt als Priester in die Altkatholische Kirche über. Sturm scheide «aus persönlichen Gründen» aus dem Dienst, soll er dem Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann mitgeteilt haben.
Wiesemann habe den Rücktritt laut Agentur epd «mit grossem Bedauern» angenommen und Sturm von allen priesterlichen Aufgaben entbunden. Sturm stellte sich mit der Segnung homosexueller Paare einst gegen den Vatikan, der solcherlei Gottesdienste verboten hatte (MANNSCHAFT berichtete). Zudem sprach er sich für ein Ende des Zölibats für katholische Priester aus.
Zum Ausscheiden des Generalvikars aus seinem Amt erklärt die Initiative #OutInChurch: «Das Ausscheiden von Andreas Sturm aus seinem Amt macht uns traurig. Es wirft viele Fragen auf, manche von uns lässt es auch ratlos zurück.» Der frühere Generalvikar von Speyer hatte sich als einer der ersten Vertreter einer Diözesanleitung deutlich positiv zu #OutInChurch geäussert.
«Wir sahen in ihm einen aufrichtigen Hoffnungsträger und einen wichtigen Verbündeten, der sich unter den Generalvikaren nicht nur für die Änderung des diskriminierenden Dienstrechts eingesetzt hat, sondern der erkannte, dass es grundlegende Reformen in der katholischen Kirche braucht», erklärt Pfarrer Bernd Mönkebüscher aus Hamm.
Burkhard Hose, Hochschulseelsorger in Würzburg erklärt: «Dass ein Amtsträger mit Einfluss keine Hoffnung mehr in die Reformfähigkeit der Kirche setzt und auch für den Synodalen Weg wenig Chancen auf Erfolg sieht, ist mehr als ein Alarmsignal, das nicht überhört werden darf.»
Es erschrecke zudem, wie am gleichen Tag des Rücktritts von Sturm das System durch die Präsentation eines neuen Generalvikars völlig veränderungsfrei weiter funktioniert.
Dass dieser Schritt eines Generalvikars solche Aufmerksamkeit erfährt, sei verständlich. Zugleich weise man darauf hin, dass viele tausende Katholik*innen, seien es ehrenamtlich engagierte, wie hauptberuflich tätige Personen, diesen Schritt bereits vor Andreas Sturm gegangen seien. Ebenso viele Katholik*innen spielten mit diesem Gedanken, heisst es in einer Pressemitteilung am Montag.
#OutInChurch betont, man erwarte von den Verantwortlichen im Synodalen Weg und insbesondere von den Deutschen Bischöfen, dass sie sich deutlicher und persönlicher als bisher für den Reformweg einsetzen.
«Wir haben grossen Respekt vor dem Schritt, den Andreas Sturm gegangen ist. Er hat sich für die Wahrhaftigkeit entschieden. Das verbindet ihn auch weiterhin mit vielen von uns, die mit der Aktion #OutInChurch auf ihre Weise den Weg des aufrechten Gangs für sich gewählt haben.»
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