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Marcel Bezençon oder die Geburt des Eurovision Song Contest

Wie der Schweizer Europa mit Musik zusammenbrachte

eurovision song contest
Bild: Eurovision.de/Wikicommons (Hans van Dijk / Anefo)

In weniger als einem Monat findet der ESC 2021 statt – bereits zum 65. Mal. Höchste Zeit also, sich an die Anfänge zurückzubesinnen. Als Gründervater des Eurovision Song Contest gilt heute der Schweizer Fernsehpionier Marcel Bezençon.

Die Erfolgsgeschichte des Musikwettbewerbs beginnt im einem kleinen Städtchen Orbe in der Westschweiz, wo Marcel Bezençon aufwächst. Nach einem Studium in Kunstgeschichte und Literatur arbeitete er als Kunst -und Theaterkritiker bevor es ihn zum Radio zog. 11 Jahre lang war Bezençon Direktor des Senders Radio Suisse Romande.

Als sich in den 50er Jahren die Transistorradios durchzusetzen begannen, wechselte Bezençon als Generaldirektor zur Schweizerische Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG). Es war eine Zeit des Umbruchs: Mit den Transistorradios wurde das Radio ortsunabhängig und das Fernsehen setzte sich langsam durch. Unter der Leitung von Marcel Bezençon führte die SRG 1953 einen offiziellen Fernsehbetrieb ein und sendete an fünf Abenden der Woche ein einstündiges Programm.

Marcel Bezençon wurde 1954 Vorsitzender der Programmkommission der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und war damit verantwortlich für die Gründung des Programmnetzwerks Eurovision. Mit diesem Netzwerk kommen wir dem Eurovision Song Contest schon etwas näher. Ziel der Eurovision war der Austausch von Hörfunk- und Fernsehprogrammen mit den acht Gründungsländern.


Bei einer Konferenz des Eurovision 1955 schlug er vor, einen Musikwettbewerb ähnlich wie das Sanremo-Festival in Italien einzuführen. Nur Monate später beschloss die Generalversammlung der EBU die Veranstaltung eines «Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne», ein Wettbewerb, der später als Eurovision Song Contest bekannt wird.

Die erste ESC-Gewinnerin war Lys Assia für die Schweiz.

Bereits 1956 fand der ESC damit zum ersten Mal statt. Unter der Leitung von Marcel Bezençon war damit das SRF der erste Sender, der den Eurovision Song Contest hostete. Gastgeberland war natürlich die Schweiz, Austragungsort Lugano. Was für ein Meilenstein die erste Ausgabe des ESC war, wird einem erst bewusst, wenn man bedenkt, dass es zu der Zeit in Lugano noch keine Fernseher gab. Die erste Gewinnerin des ESC war Lys Assia mit «Refrain» für die Schweiz.

Und obwohl das Fernsehen noch eine sehr teure Angelegenheit war, übertrugen sieben verschiedene Sender die Übertragung live und weitere dreizehn mit Verzögerung. Noch heute wird dem Gründervater jedes Jahr während des Eurovision Song Contests gedenkt. Der Marcel-Bezençon-Preis wird seit 2002 für das beste Lied, die beste Performance und die beste Komposition verliehen. 2019 bekam ihn z.B. Mahmood aus Italien für «Soldi» als beste Komposition.


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Nachdem der ESC letztes Jahr ausfiel, wurde das Konzept des Musikgrossereignisses überdacht und Corona-tauglich gemacht ( MANNSCHAFT berichtete). Auch 2021 ist Rotterdam der Austragungsort. Für Deutschland tritt Jendrik Sigwart mit «I Don’t Feel Hate» an (MANNSCHAFT berichtete). Nachdem bekannt wurde, dass die Songs von 2020 dieses Jahr nicht antreten dürfen, entschied sich die Schweiz, ihren Star Gjon’s Tears mit einem anderen Song starten zu lassen. «Tous l’universe» steht beim inoffiziellen Ranking von esc-kompakt.de zur Zeit auf dem ersten Platz fürs zweite Halbfinale.


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