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«Guardians of the Galaxy»: Marvel stoppt bisexuellen Star-Lord

Kurz nach dem Coming-out ist schon wieder Schluss mit Peter Quill als Teil der LGBTIQ-Community. Hat Chris Pratt etwas damit zu tun?

Guardians of the Glaxy
Chris Pratt als Star-Lord in der Kinoversion von «Guardians of the Galaxy» 2014 (Foto: Marvel)

Die «Guardians of the Galaxy»-Comicbücher gibt es schon seit 1969 in verschiedenen Serien, sie spielen im 31. Jahrhundert und zeigen eine bunt gemischte Truppe, die que(e)r durchs Universum fliegt.

Seit 2014 tun sie das auch im Kino mit Chris Pratt in der zentralen Rolle des Peter Quill, der als Kind von ausserirdischen Schmugglern von der Erde entführt wurde und nun in fernen Galaxien als Abenteurer unterwegs ist.

Ende 2020 machte die aktuelle Comicserie Schlagzeilen, als von den Machern Al Ewing, Juann Cabal, Federico Blee und Cory Petit bestätigt wurde, dass sie die Figur des Peter Quill alias Star-Lord «neu definieren» wollten und er jetzt sowohl bisexuell als auch polyamourös sei. Mehrere Medien hiessen die Figur daraufhin offiziell willkommen in der LGBTIQ-Community.

Dreierbeziehung mit Aradia und Mors
Nachdem er in der vorherigen Serie scheinbar ums Leben gekommen war, trafen Leser*innen Quill nun wieder in einer neuen Dimension des Weltalls namens Morinus. Dort freundet er sich mit einem Paar an, das Aradia und Mors heisst. Die beiden laden Quill ein, Teil ihrer Beziehung zu werden – als «Throuple». (MANNSCHAFT berichtete über ein Männer-Throuple, das zu dritt Eltern wurde.)


Obwohl Quill diese Idee anfangs ablehnt, lässt er sich schliesslich doch darauf ein. Worauf eine sehr sinnliche Poolszene bei Neonlicht folgt.

Die Poolszene mit Peter Quill, Aradia und Mors in der neuen «Guardians of the Galaxy» Comicserie (Foto: Marvel)

Quill war damit neben Deadpool, Hulking, Iceman, America Chavez, Angela, Daken, Destroyer, Northstar, Valkyrie u.v.a. ein*e weiterer*e LGBTIQ-Marvel-Superheld*in.

Damals wurde sofort spekuliert, ob der Filmdarsteller von Star-Lord, Hollywoodschauspieler Chris Pratt, künftig eine offiziell bisexuelle Figur spielen würde. Das schien fraglich, weil Pratt Anhänger der homophoben «Hillsong Church» in den USA ist (MANNSCHAFT berichtete).


«Das Ende! Danke für alles»
Trotz all dieser Entwicklungen – flankiert von immer lauter werdenden Forderungen nach mehr LGBTIQ-Repräsentation im Superhelder*innen-Universum – gab das Portal Comicbook.com jetzt bekannt, dass die 18. Ausgabe von «Guardians» das Finale der Serie sein werde. «Das Ende! Danke für alles – wir sehen uns in Gosnell», soll es demnach auf der letzten Seite des Comics heissen. Gosnell ist eines der Universen bei Marvel.

Wird damit wirklich eine der beliebtesten und erfolgreichsten Marvel-Serien beendet? Laut Medienberichten seien Fans «geschockt». Viele wüssten laut Gay Times gar nicht, dass es schon früher Überlegungen gab, Star-Lord Teil der LGBTIQ-Community zu machen. Der Künstler und Figurendesigner Kris Anka habe schon 2017 von Plänen für die Serie «Star Lord: Grounded» gesprochen, der Figur einem «Boyfriend» zu geben. Doch dazu kam es nicht, weil auch diese Serie abgesetzt wurde – nach nur sechs Ausgaben.

«Wäre die Serie weitergegangen, hätten wir eine Figur entwickelt, in die sich Peter verliebt hätte», schrieb Anka in einem Tweet, der seither gelöscht wurde, den Gay Times zitiert.

Wolverine und Hercules als haarige Lederschwule
Was man allerdings nicht vergessen sollte ist, dass sogenannte «Alternativwelten» im Mainstream-Comic schon lange ein beliebtes Mittel sind, um populäre Charaktere «mal anders» zu zeigen. Alan Scott zum Beispiel, einer der frühen irdischen «Green Lantern», wurde 2012 im alternativen Universum von «Earth 2» von DC kurzerhand eine schwule Identität verpasst. Ohne dass das die Hauptgeschichte von «Green Lantern» queer gemacht hätte.

In einem Alternativuniversum von «Xtreme X-Men» waren auch Wolverine und Halbgott Hercules ein Paar und wurden «als bärtige, haarige Lederkerle mit Fetisch-Ambitionen» dargestellt, wie es in einer Wandbeschriftung der Ausstellung «SuperQueeroes – Unsere LGBTI*-Coming-Held_innen» 2016 im Schwulen Museum hiess.

Wolverine
Wolverine und Hercules «Xtreme X-Men» (Foto: Marvel)

In der Ausstellung wurde auch darauf verwiesen, dass viele Comic-Fans sich gegenüber Versuchen, mehr sexuelle Diversität ins Superheld*innen-Business zu bringen, extrem abweisen verhalten. Inwiefern das bei «Guardians of the Galaxy» nun eine Rolle beim unverhofften Ende der aktuellen Serie gespielt hat, ist nicht bekannt.

Es wäre nicht überraschend, wenn Peter Quill/Star-Lord in einer neuen Serie in einem neuen Universum wieder auftaucht. Und dann hetero ist. Chris Pratt würde das vermutlich freuen.

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Im Juni 2021 hatte Pratt bekannt gegeben, dass er einen dritten «Guardians»-Film drehen werde. Laut Heroic Hollywood sei der im Mai 2023 im Kino zu erwarten.



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