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«Fussballer sind extrem vorsichtig» – Doch kein Gruppen-Coming-out?

Der Initiator spricht von «einem riesigen Versteckspiel»

LGBTIQ News
Symbolbild: iStockphoto

Noch immer hatte kein aktiver Fussballprofi in Deutschland, Österreich oder der Schweiz sein Coming-out. Ex-Fussballer Marcus Urban wollte das ändern. Aber daraus wird nun offenbar nichts.

Marcus Urban vom Verein für Vielfalt in Sport und Gesellschaft hat die Erwartungen an das angekündigte Gruppen-Coming-out nächste Woche gedämpft. «Aktive Profifussballer halten sich noch zurück», so der schwule Ex-Jugendnationalspieler der DDR im Interview mit dem Stern. Die Kommunikation zur Vorbereitung laufe über Kontaktleute: «Die Spieler sind extrem vorsichtig. Keiner traut sich aus der Deckung.»


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Viele Spieler hätten «den Glaubenssatz verinnerlicht, dass sie nach einem Coming-out in Ungnade fallen würden in der Branche», erklärt Urban und spricht von einem «riesigen Versteckspiel». Die schwulen Profis führten ein Doppelleben. «Manche haben Scheinfreundinnen und treffen sich nur im Geheimen mit anderen Männern».

Kritik an der frühen Bekanntgabe der Aktion übte Stefan Mielchen vom Hamburger CSD-Verein. In einem Kommentar auf dem MANNSCHAFT-Account bei Facebook schrieb er: «Dass Marcus Urban diese Aktion bereits vor Monaten angekündigt hat, ist vollkommen unverständlich. Er hat damit eine öffentliche bzw. mediale Erwartungshaltung erzeugt, die Betroffene, die bei diesem hochsensiblen Thema ohnehin schon stark unter Druck stehen, mit Sicherheit nicht darin bestärkt, an die Öffentlichkeit zu gehen. Ganz im Gegenteil. Dieses Vorgehen war unprofessionell und unseriös. Wie man als ‹Diversity-Berater› so unsensibel agieren kann, ist mir absolut schleierhaft.»

Fussball
Marcus Urban (Bild: Jens Kalaene/dpa)

Eigentlich hatte Urban ein grosses Coming-out im Profifussball angekündigt (MANNSCHAFT berichtete) Es sollte am 17. Mai, dem IDABOBIT, stattfinden. «Es wollen sich Personen outen aus Österreich, Deutschland und England», sagte der 53-Jährige noch vor einigen Wochen.

Der 17. Mai sollte demnach das erste Angebot von vielen sein, sich öffentlich und in einer Gruppe zu outen. Danach soll es jeweils am 17. eines Monats möglich sein. Das Angebot gelte für Sportler*innen und Vereinsfunktionäre, egal welches Geschlecht sie hätten.

«Es ist überhaupt kein Thema mehr, ob man homo- oder heterosexuell ist. Aber im Fussball hat sich das eben noch verhärtet. Das ist so geblieben.» Allerdings sei es am Bröckeln. Offenbar nur nicht genug für ein grosses Coming-out mehrerer Spieler.

Doch immerhin: Am Mittwoch outete sich Dirk Elbrächter, der Leiter des Content Management bei der TSG Hoffenheim. Er wolle sein wahres Ich nicht länger verbergen, erklärte er.

Thomas Hitzls­perger hat das Coming-out erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere gewagt. «Üble Kommen­tare in der Kabine haben mich ab­geschreckt», sagt er heute (MANNSCHAFT berichtete).

Ein Film von Taika Waititi widmet sich der Fussball-Nationalmannschaft von Amerikanisch-Samoa – in deren Zentrum Jaiyah Saelua steht, die erste trans Person, die je an einem Qualifikationsspiel teilgenommen hat (MANNSCHAFT berichtete).


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