Auf der Suche nach echter Nähe? Stopp mit Dauer-Dating!

Wie die heutige Online-Partnersuche Beziehungen verhindert

Symbolbild
Symbolbild (Bild: Cookie Studio, Adobe Stock)

Mehr Auswahl bringt nicht mehr Beziehung – im Gegenteil, sagt ein Psychologe und schlägt sieben konkrete Schritte gegen das digitale Dauer-Dating vor.

Wer heute nach einer Partnerschaft sucht, landet oft bei Dating-Apps – und bleibt trotzdem allein.

Für den Psychologen Guido F. Gebauer liegt das Problem im System: Online-Dating verleite zu Oberflächlichkeit, ständiger Bewertung und Bindungslosigkeit. In einem neuen Modell schlägt er einen radikal anderen Weg vor.

Seine Erkenntnisse stammen aus 19 Jahren Erfahrung mit der psychologisch ausgerichteten Plattform Gleichklang.de sowie zahlreichen Gesprächen mit Nutzer*innen.

In seinem Buch «A Perfect Match» plädiert Gebauer für einen «bewussten Ausstieg aus dem Schleifenmodus des ständigen Vergleichens».

«Beziehungen entstehen nicht durch Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit, sondern durch Innehalten und Verbindlichkeit.»

Guido F. Gebauer

«Beziehungen entstehen nicht durch Schnelllebigkeit und Oberflächlichkeit, sondern durch Innehalten, Verbindlichkeit und Konzentration auf eine einzige Person.» Was Gebauer beschreibt, ist ein digitales Paradox: Noch nie gab es so viele Möglichkeiten, mit potenziellen Partner*innen in Kontakt zu treten – und gleichzeitig so viele Menschen, die trotz Beziehungswunsch dauerhaft allein bleiben.

Wer zu viel wählt, findet weniger Die Logik «mehr Auswahl = mehr Chancen» führe in die Irre, sagt Gebauer. Wer unentwegt durch Profile scrollt, trainiere sein Gehirn auf Vergleichen, nicht auf Verbinden. Dadurch erscheinen selbst passende Kontakte schnell als «nicht gut genug». Echte Nähe könne so gar nicht erst entstehen.

Die Folge: Viele verlieren sich im oberflächlichen Austausch, ohne je zu einer echten Begegnung zu kommen. Dabei wäre gerade der Ausstieg aus dieser Dynamik der Schlüssel zu mehr Beziehung.

Sieben Schritte gegen die Dating-Müdigkeit Gebauer empfiehlt ein alternatives Vorgehen – gegen den Strich, aber mit Wirkung. Seine sieben Schritte zur erfolgreichen Partnersuche lauten:

  1. Nur 1–3 Profile pro Tag ansehen. Oder noch seltener – um Reizüberflutung zu vermeiden.
  2. Bei Offenheit jedes passende Profil anschreiben. Nicht auf den Wow-Effekt warten, sondern Kontakt suchen.
  3. Bei Antwort: keine neuen Kontakte starten. Fokus statt Parallel-Dating.
  4. Schnell raus aus der App. Telefonieren, Video-Call, persönliches Treffen.
  5. Mehrere reale Treffen ermöglichen. Anziehung kann wachsen.
  6. Solange ein Kontakt besteht: App-Pause. Weiterdaten untergräbt Bindung.
  7. Bei Beziehungsbeginn: Dating beenden. Wer weiter sucht, riskiert das Scheitern.

Disziplin statt Dauerwahl Was auf den ersten Blick wie ein Rückschritt wirkt, beschreibt in Wahrheit einen bewussten Gegenentwurf zum schnellen Konsum im digitalen Raum. «Die höchste Zahl an Kontaktmöglichkeiten hat nicht zu mehr, sondern zu weniger Beziehung geführt», sagt Gebauer.

Wer echte Nähe aufbauen will, müsse sich entscheiden – für eine Person, für Konzentration, für Klarheit. Seine Beratungserfahrung zeigt: Gerade Menschen, die jahrelang ohne Erfolg gesucht haben, finden mit diesem Ansatz überraschend schnell eine stabile Partnerschaft.

Verbindlichkeit statt Vergleich Die Plattform Gleichklang richtet sich gezielt an Menschen mit sozial-ökologischer Haltung oder seltenen Merkmalen – darunter auch viele LGBTIQ-Personen. Die Teilnahme ist kostenpflichtig, um ernsthafte Absichten zu sichern. Mit rund 20 000 Mitgliedern setzt Gleichklang auf Qualität statt Masse.

In der Schweiz und Deutschland gab es zuletzt immer wieder Überfälle in Verbindung mit schwulen Dating-Apps. Täter nutzen sie, um queere Männer zu überfallen und auszurauben. So kannst du dich besser schützen (MANNSCHAFT-Story).

Das könnte dich auch interessieren

Kommentare