HAIR am Theater St. Gallen: Revolte, Rausch und Realität

KTSG - Musical HAIR
(Bild: Edyta Dufaj)

Blumen im Haar, freie Liebe, psychedelische Sounds – oder doch mehr?

Mit HAIR bringt Konzert und Theater St. Gallen ein Musical auf die Bühne, das weit mehr ist als Hippie-Romantik. Zwischen Protest, Pop und persönlicher Zerreissprobe erzählt es von einer Generation, die gegen Krieg und Konventionen aufbegehrt und dabei an ihre Grenzen stösst.

New York, Ende der 1960er. Eine Gruppe junger Menschen – der «Tribe» – lebt zwischen Drogenrausch, Musik und politischer Aufbruchsstimmung. Sie träumen von einer Welt ohne Krieg, ohne Rassismus, ohne starre Rollenbilder. Im Zentrum steht Claude: sensibel, suchend, hin- und hergerissen zwischen Zugehörigkeit und Verantwortung.

Als der Einberufungsbefehl für den Vietnamkrieg eintrifft, wird aus idealistischer Rebellion existenzielle Realität. Was bedeutet Freiheit, wenn der Staat über dein Leben entscheidet? Was wiegt schwerer: Solidarität mit deinen Freund*innen oder Loyalität zur Familie?

HAIR erzählt diesen Konflikt nicht als lineare Heldengeschichte, sondern als emotionales Mosaik aus Songs, Szenen und kollektiver Energie. Die Musik treibt die Handlung voran, die Gruppe steht im Mittelpunkt und nimmt das Publikum mit auf eine Reise in eine Welt zwischen Euphorie und Ernüchterung.

KTSG - HAIR 2
(Bild: Edyta Dufaj)

Die Inszenierung in St. Gallen setzt nicht auf Retro-Kitsch, sondern auf Wucht. Die Live-Band ist sichtbar und präsent – roh, direkt, mit Rock-, Soul- und Psychedelic-Vibes. Klassiker wie Aquarius, I Got Life oder Let the Sunshine In entfalten live eine Energie, die weit über Nostalgie hinausgeht.

Regisseur Krystian Lada rückt die Figuren stärker ins Zentrum: Claude als innerlich Zerrissener, Berger als anarchischer Gegenpol, Sheila als politische und emotionale Stimme des Tribes. Videoelemente öffnen zusätzliche Ebenen – Erinnerungen, Visionen, innere Bilder. So entsteht kein blosses Flower-Power-Spektakel, sondern ein vielschichtiges Musiktheater.

Im Überblick

HAIR wurde 1967 in New York uraufgeführt und gilt als erstes grosses Rockmusical der Theatergeschichte. Geschrieben von Gerome Ragni und James Rado, mit Musik von Galt MacDermot, wurde es zur künstlerischen Stimme der Hippie-Generation – mitten im Vietnamkrieg, im Klima von Bürgerrechtsbewegung und sexueller Befreiung. Songs wie Aquarius oder Let the Sunshine In wurden weltweite Hits und machten das Stück zu einem kulturellen Meilenstein.

Premiere: 28. Februar 2026

Vorstellungen: März bis Juni 2026 (diverse Termine)

Sprache: Songs Englisch, Dialoge Deutsch Regie: Krystian Lada Musikalische Leitung: Tobias Cosler Dauer: ca. 2½ Stunden (inkl. Pause)

Tickets & alle Termine:

👉 https://www.konzertundtheater.ch/programm/a-z/hair/

Was HAIR bis heute so kraftvoll macht, ist die Gleichzeitigkeit von grosser Weltpolitik und intimen Entscheidungen. Krieg, Diskriminierung, gesellschaftliche Normen, all das wirkt ins Private hinein: in Freundschaften, in Liebesbeziehungen, in Selbstbilder. Gerade deshalb fühlt sich das Stück nicht historisch, sondern gegenwärtig an.

Wenn gesellschaftliche Spannungen wieder zunehmen, wenn Fragen nach Zugehörigkeit und Verantwortung lauter werden, dann klingt ein Musical wie HAIR plötzlich erstaunlich aktuell.

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