Premiere: Jugendsender Fritz vom RBB gendert künftig
Auf MANNSCHAFT.com kann man schon hören, wie das klingt
Ab 1. September will die Nachrichtenredaktion von Fritz durchgehend das Gendersternchen mitsprechen. Der RBB-Jugendsender ist damit der erste im ARD-Verbund, der diese Sprechweise übernimmt.
Fritz, der Jugendsender des RBB, startet als erster Radiosender im ARD-Verbund in seinen Nachrichtensendungen eine durchgehend gegenderte Sprechweise. Nach mehreren Tests habe sich die Redaktion darauf verständigt, vom 1. September an das hochgestellte Gendersternchen zu sprechen.
Bei Fritz arbeiten junge Radiomacher*innen zwischen Mitte 20 und Anfang 30. Die Redaktion ist divers aufgestellt, sagt Karen Schmied gegenüber MANNSCHAFT; sie ist seit 2012 Programmchefin. Es gebe im Team viele queere Kolleg*innen, und nicht nur von diesen sei der Wunsch nach mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache gekommen. Der Kreis der Initiator*innen sei ganz gemischt.
Natürlich musste das mit der Intendanz abgesprochen werden. Aber sowohl Intendantin Patricia Schlesinger wie auch Programmchef Jan Schulte-Kellinghaus habe man schnell auf seiner Seite gehabt.
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«Jugendliche machten sich intensiv Gedanken darüber, wie sie die verschiedenen Geschlechter in der Sprache fair berücksichtigen können», sagt Schmied. Zudem wolle die Redaktion damit ein Zeichen für die Vielfalt der Lebenskonzepte heute setzen.
«Im Frühjahr haben wir mehrere Dummys produziert», sagt Schmied gegenüber MANNSCHAFT. «Wir haben dann entschieden, dass wir nicht mehr als zwei oder dreimal im Satz gendern – das klingt sonst komisch.» Alternativ würden die Sprecher*innen darum auf geschlechtsneutrale Worte wie Studierende oder Teilnehmende zurückgreifen oder den Satz ganz umformulieren.
Dieser Dummy, den Fritz MANNSCHAFT freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, entstand im April:
https://mannschaft.com/bimber/wp-content/uploads/2020/08/Fritz-Nachrichten-Gender-Dummy-V2-April-2020.mp3
Man wollte noch den Sommer abwarten und nun im September mit dem Gendern starten. Obwohl es noch gar nicht losgegangen ist, sind die Reaktionen jetzt schon heftig: Vor allem die User*innen bei Facebook machten Stimmung gegen die Neuerung; bei Instagram ist die Stimmung 50:50, sagt Schmied.
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Grundsätzlich polarisiere das Thema sehr, sagt Schmied: «Es gibt offenbar nur extreme Hater*innen und jene, die den Schritt total gut finden.» Und noch etwas: «Alle Nachrichtenredakteur*innen freuen sich da total drauf.» Die Moderator*innen dürfen übrigens jetzt schon gendern, wenn sie es wollen. Das sei ihnen freigestellt.
Die Redaktion selbst will nach ein paar Monaten die Rückmeldungen auswerten und darüber beraten, wie es mit dem Gendern weitergehen soll. Ergebnisoffen, wie Schmied sagt. Es könne durchaus sein, dass man nach der Bilanz wieder mit dem Gendern aufhört.
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