Greg Slade: Coming-out bei den Australian Open
Der Paralympics-Silbermedaillengewinner zwischen Spitzensport und Sichtbarkeit
In Melbourne laufen derzeit die Australian Open. Für den britischen Rollstuhltennisspieler Greg Slade ist es ein besonderes Turnier.
Stress und Druck begleiteten Greg Slade auf dem Weg zu den Paralympics in Paris 2024. Doch der Tennisspieler hielt stand – und wurde mit der Silbermedaille belohnt.
An der Seite von Andy Lapthorne erreichte Slade im Quad-Doppel das Siegerpodest. Für den damals 22-Jährigen war es ein «mind-blowing»-Moment, ausgerechnet auf der Anlage von Roland Garros eine Paralympics-Medaille zu gewinnen, erzählte er später.
Im vergangenen Sommer machte Slade auch in Wimbledon auf sich aufmerksam. Seit mehreren Monaten ist er in den Top 10 der Einzel-Weltrangliste klassiert – und reist nun zu den Australian Open.
Es ist ein besonderes Turnier für ihn. Denn erstmals tritt Slade bei einem Grand Slam als offen schwuler Mann an.
Er habe im vergangenen Jahr eine innere Ruhe gefunden und spüre, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für sein Coming-out gekommen sei, sagt er zum Nachrichtenportal Outsports. «Ich spiele inzwischen regelmässig Grand Slams, und meine Sexualität ist auf der Tour kein Geheimnis mehr», so Slade weiter.
«So wie sich der Sport entwickelt, möchte ich helfen, die gute Arbeit fortzusetzen – mit Sichtbarkeit auf höchstem Niveau. Und ich möchte einfach ich selbst sein.»
In einem Instagram-Post kündigte Slade an, künftig enger mit Pride in Tennis zusammenzuarbeiten, dem britischen LGBTIQ-Netzwerk im Tennissport. Mut gemacht habe ihm unter anderem das Coming-out des Brasilianers Joao Lucas Reis sowie zuletzt der emotionale Instagram-Beitrag des jungen Schweizer Spielers Mika Brunold, der darin über sein Schwulsein und «die Angst, nicht akzeptiert zu werden», schrieb (MANNSCHAFT berichtete).
Auch Slade kennt diese Unsicherheiten. «Als Mensch mit einer Behinderung aufzuwachsen – und dann auch noch als schwuler Mann – ist nicht einfach», sagt er. Gleichzeitig habe er nie an der Liebe und Unterstützung seiner Familie und Freunde gezweifelt. «Ich hatte das Glück einer stabilen und liebevollen Kindheit.»
Dass er heute zur Weltspitze im Rollstuhltennis gehört, überrascht Slade selbst noch immer. In der Schule war er der einzige Schüler seines Jahrgangs mit einer körperlichen Behinderung – Slade hat eine Zerebralparese – und spielte zeitweise ernsthaft mit dem Gedanken, statt Tennis Radsport zu betreiben.
«Ich galt nie als besonders sportlich», sagt er zu Outsports. «Kombiniert mit meiner Sexualität war ich damals niemand, der das Bedürfnis hatte, offen und stolz zu sein. Es ging mehr darum, durchzukommen und alles zu bewältigen.»
Sein Talent zeigte sich erst als Teenager. Zunächst spielte er mit der Familie auf den Beinen stehend Tennis, ehe er Rollstuhltrainings entdeckte. Innerhalb von 18 Monaten gewann er seinen ersten Junioren-Nationaltitel. Mit 17 folgte die internationale Juniorenselektion, 2021 dann das Debüt im britischen Nationalteam im Quad-Bereich. Im selben Jahr holte er seine ersten ITF-Titel (International Tennis Federation) im Einzel und Doppel.
Heute blickt er auf insgesamt acht ITF-Einzeltitel und 18 Doppelsiege zurück – mehrere davon gemeinsam mit Andy Lapthorne, einer Legende des Rollstuhltennis. In Paris traten sie ein letztes Mal gemeinsam an: Es waren Lapthornes vierte und letzte Paralympics.
«Diese Silbermedaille ist definitiv mein bisher grösster Erfolg», so Slade. «Aber ich habe inzwischen drei der vier Grand Slams gespielt, inklusive eines Doppelfinals in Wimbledon. Ich hoffe, dass ich diesen Schwung ins neue Jahr mitnehmen kann.»
Die Sichtbarkeit von queeren Personen im Parasport wächst – bleibt aber begrenzt. Outsports zählte bei den Paralympics in Paris mindestens 44 offen queere Athlet*innen im Team LGBTIQ, nach 36 in Tokio drei Jahre zuvor.
Auffällig niedrig ist dabei weiterhin der Anteil von schwulen und bisexuellen Männern.
Slade wünscht sich, dass sich dies in Zukunft ändert: «Ich hoffe, dass künftig mehr Spieler frei sprechen und sie selbst sein können.»
Und wie sieht es mit der Liebe aus, wurde er von Outsports gefragt: «Irgendwann!» antwortet er lachend. «Im Moment hat das nicht die höchste Priorität. Ich bin beschäftigt! Natürlich ist es schwierig, das mit Tennis zu vereinbaren. Aber ja – was sein wird, wird sein.»
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