Kristen Stewart wehrt sich in Regie-Debüt gegen Erwartungen

«The Chronology of Water» erzählt von Missbrauchserfahrungen und Selbstzerstörung

Kristen Stewart (links) als Regisseurin am Set mit Darstellerin Imogen Poots.
Kristen Stewart am Set (Bild: Andrejs Strokins)

Der Hollywood-Star wechselt hinter die Kamera: Stewarts Debüt «The Chronology of Water» erzählt von einer bisexuellen Schwimmerin. Ein ungewöhnliches Drama über Gewalt, Absturz und Schreiben als Ausweg.

Nach Jahren vor der Kamera – von «Twilight» bis zu Arthouse-Erfolgen - hat sich die bisexuelle Hollywood-Schauspielerin Kristen Stewart erstmals als Regisseurin versucht. Die 35-Jährige hat den Roman «The Chronology of Water» verfilmt, eine Geschichte, in der es um Missbrauchserfahrungen, Selbstzerstörung, aber auch die Befreiung einer Frau geht.

Grundlage sind die Memoiren von Lidia Yuknavitch. Die heute 62-jährige US-Amerikanerin schreibt in ihrem Buch so direkt wie poetisch über ihr Leben als angehende Leistungsschwimmerin, die in einen Strudel aus Gewalt und zerstörerischem Verhalten gerät und Rettung in der Kunst findet.

Ein Protest gegen Erwartungen Stewart ist bekannt dafür, sich Erwartungen aus Hollywood zu widersetzen. Auf dem roten Teppich in Cannes - wo nun auch ihr Debütfilm Premiere feierte - zog sie einmal ihre unbequemen hohen Schuhe aus. Ein kleiner Verstoss gegen den besonders strengen Dresscode des Festivals. Immer wieder kritisiert sie männliches Dominanzverhalten in der Branche.

Dazu passt, dass sich auch ihr Film einfachen Sehgewohnheiten widersetzt. Stewart hat mehrmals darüber gesprochen, wie schwer es gewesen sei, Finanzierung für «The Chronology of Water» zu erhalten, und dass es jahrelang gedauert habe. Letztlich drehte das Team hauptsächlich in Lettland.

Das macht den Debütfilm aus Im Zentrum steht die Kindheit und Jugend von Yuknavitch in einem von Gewalt geprägten Elternhaus. Der Vater missbraucht sie über Jahre, die alkoholkranke Mutter schweigt. Lidia flüchtet ins Schwimmen, doch ihr Leben ist von innerer Zerrissenheit, Alkohol- und Drogenexzessen geprägt. Erst über das Schreiben findet sie allmählich einen Weg, ihre Erfahrungen zu verarbeiten.

Man bekommt als Zuschauer*in eine Ahnung, warum Stewart Schwierigkeiten hatte, den Film zu finanzieren. Er ist - analog zum Buch - mehr Bilderrausch als chronologische Geschichte. Wer eine klassische Dramaturgie erwartet, dürfte irritiert sein. Dialoge treten zurück, stattdessen dominieren assoziative Montagen, Körperbilder und eine nervöse, mitunter überwältigende Klang- und Bildgestaltung.

Die Erinnerungen der Autorin sind als Voice-over über die lichtdurchtränkten, analogen 16-mm-Bilder gelegt. Sie werden von Hauptdarstellerin Imogen Poots im Flüsterton vorgetragen.

Auf eine Art ist es bewundernswert, dass Stewart ihren Film nicht aufgegeben hat. Doch wirklich überzeugend ist das Ergebnis nicht. Am Ende fehlt eine kohärente Geschichte. So wirkt «The Chronology of Water» eher wie ein vielversprechender, überlanger Trailer, der Bild an Bild aneinanderreiht und Erwartungen weckt, die letztlich nicht eingelöst werden.

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