Kinostart «Plainclothes»: Wenn sich schwule Männer verstecken müssen

Neuer Film mit Russell Tovey

«Plainclothes»
«Plainclothes» ist in ausgewählten Kinos in Deutschland und der Schweiz zu sehen. (Bild: Cinemien)

Filme und Serien über ungeoutete Männer scheinen eine Art Comeback zu feiern. Die Chemie zwischen Russell Tovey und Tom Blyth ist die grosse Stärke von «Plainclothes».

Nach langen Jahren des Fortschritts ist in der LGBTIQ-Community seit geraumer Zeit, dass wieder ein spürbar schärferer Wind weht, was gesellschaftliche Akzeptanz und juristische Gleichstellung angeht. Vielleicht auch deswegen verschiebt sich aktuell die Themensetzung in queeren Geschichten auf Leinwand und Bildschirm wieder. Statt erbaulich von Selbstbestimmung und Selbstverständlichkeit zu erzählen, geht es wieder häufiger – und wohlgemerkt in sehr unterschiedlichen Tonfällen – um Menschen, die ihre sexuelle Identität verstecken, heimlich ausleben oder unterdrücken, sei es in Serien wie «Boots» und «Heated Rivalry» (startet bald bei uns) oder nun auch dem Film «Plainclothes».

Lucas Brennan (Tom Blyth) ist ein solcher Mann, der es absolut verinnerlicht hat, seine wahren Gefühle und Begierden ja nicht nach aussen zu zeigen. Mitte der 90er-Jahre lebt er als Sohn einer typischen Arbeiterklasse-Familie in Syracuse im Bundesstaat New York, arbeitet wie schon der Opa als Polizist und ist scheinbar glücklich mit Freundin Emily (Amy Forsyth) liiert. Doch dann sorgt ein Undercover-Einsatz dafür, dass die auch gegenüber sich selbst sorgsam aufgebaute Fassade einer heterosexuellen «Normalität» zusehends zum Einsturz kommt.

In einem Einkaufszentrum soll Lucas in Zivil nach Sex suchende Männer dazu bringen, ihm auf die Toilette zu folgen, wo sie verhaftet werden sollen, sobald sie buchstäblich die Hosen fallen lassen. Um die Legalität dieser Einsätze zu wahren, darf Lucas mit den Zielpersonen nicht sprechen, sie nicht anfassen und ihnen nicht in die Klo-Kabinen folgen. Als er auf diesem Weg allerdings auf den etwas älteren Andrew Waters (Russell Tovey) trifft, bricht Lucas nicht nur diese Regeln, sondern verhindert auch dessen Verhaftung. Nachdem Andrew ihm seine Nummer zusteckt, nimmt Lucas schliesslich Kontakt auf zu dem Mann, den er nicht aus dem Kopf bekommt. Doch der entpuppt sich als verheirateter Familienvater.

Ungeoutete Männer, die nur bei anonymen Begegnungen auf öffentlichen Toiletten ihr wahres Ich zeigen können und dabei stets das Risiko einer Festnahme eingehen, wirken als Thema für einen Film auf den ersten Blick fast aus der Zeit gefallen. Doch der Stoff des Debütfilms von Carmen Emmi hat traurige Aktualität: Allein am Bahnhof Penn Station in New York City wurden 2025 bei gezielten Polizei-Aktionen bereits über 200 cruisende Männer verhaftet.

Tom Blyth (links) und Russell Tovey im neuen Film «Plainclothes».
Lucas (links, Tom Blyth) kriegt Andrew (Russell Tovey) nicht aus dem Kopf. (Bild: Sundance/Ethan Palmer)

Frisch und neu ist die ohne Frage eindringliche Geschichte von Selbsthass und dem Ringen mit einem homophoben Umfeld (sowohl in der Familie wie auch im Job), die «Plainclothes» erzählt, trotzdem nicht unbedingt. Vielleicht auch deswegen trägt Emmi in der Inszenierung und visuellen Gestaltung dick auf. Atemlose Schnitt und Zeitsprünge, Heimvideo- und Wackel-Optik oder eine auf Irritation setzende Tonspur – all das ist nicht nur Ausdruck von Lucas‘ innerer Beklemmung und Unruhe, sondern auch Ablenkung von einer mangelnden Fokussierung im Drehbuch. Dabei hätten die Chemie zwischen den Hauptdarstellern und vor allem Tovey nuanciertes, aber intensives Spiel mehr Ruhe gut vertragen können.

In der Schweiz ist «Plainclothes» am 27. und 28. Januar im Rahmen des Uncut Kinos in Bern zu sehen. In Deutschland zeigt der Verleih Cinemien den Film in ausgewählten Kinos in Aachen, Berlin, Leipzig und München.

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