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Oscar-Nominierungen 2022 – erfreulich queer!

The Power of the Dog
Benedict Cumberbatch als Phil Burbank (Foto: Kirsty Griffin/Netflix/dpa)

Bis zum 27. März dauert es noch, bis die Oscars verliehen werden. Doch blickt man auf die gerade bekannt gegebenen Nominierungen, lässt sich bereits jetzt sagen: die 94. Verleihung der Academy Awards – die in diesem Jahr unter dem Motto «Movie Lovers Unite» steht – wird erfreulich queer werden.

Mit 12 und damit den meisten Nominierungen als Favorit ins Rennen geht der Film «The Power of the Dog» (zu sehen bei Netflix) von Jane Campion, die als erste Frau überhaupt zum zweiten Mal in der Regie-Kategorie nominiert ist. In dem eindrucksvollen Film spielt Benedict Cumberbatch einen Rancher, der seine Homosexualität auf in jeder Hinsicht brutale Weise unterdrückt, aber eine eigenwillig-undurchschaubare Beziehung zum Sohn (gespielt von Kodi Smit-McPhee) seiner neuen Schwägerin entwickelt. Beide Schauspieler sind, genau wie Kirsten Dunst und ihre Film- und echter Ehemann Jesse Plemons, ebenfalls Oscar-Anwärter. Und natürlich geht der Film, der auf dem gleichnamigen Roman des schwulen Schriftstellers Thomas Savage basiert und mit Iain Canning («The King’s Speech») auch einen schwulen Produzenten hat, auch in der Hauptkategorie ins Rennen. Dort konkurriert er unter anderem mit dem Science Fiction-Epos « Dune», Kenneth Branaghs autobiografischem «Belfast» und Steven Spielbergs Remake von «West Side Story» (inkl. trans Figur).

In den Schauspielkategorien sind mit Kristen Stewart für ihre Rolle als Lady Di in «Spencer» und Ariana DeBose als Anita in «West Side Story» gleich zwei offen queere Schauspielerinnen nominiert. Bislang war in der Oscar-Geschichte nie mehr als eine queere Person in den vier Kategorien nominiert worden. Sollte eine der beiden gewinnen, wäre es das erste Mal, dass eine geoutete Person einen Schauspiel-Oscar bekommt. Wobei sich gegen diese Behauptung – je nach Auslegung – auch Einspruch erheben liesse. John Gielgud (Oscar 1981 für «Arthur») etwa hatte zwar seine Homosexualität nie öffentlich thematisiert, war aber bereits in den 1950ern beim Cruising in London verhaftet worden. Linda Hunt (Oscar 1983 für «Ein Jahr in der Hölle») ist bereits seit den 1970ern mit ihrer heutigen Ehefrau liiert. Und Angelina Jolie (Oscar 1999 für «Durchgeknallt») hatte durchaus damals schon erwähnt, dass sie auch mal Sex mit Frauen hatte.

Ein Fall für die Oscar-Geschichtsbücher ist allerdings auch der dänische Film «Flee» von Jonas Poher Rasmussen, der von der Fluchtgeschichte eines jungen schwulen Afghanen handelt. Der Regisseur erzählt die wahre Geschichte seines guten Freundes Amin Nawabi (ein Pseudonym), der kurz davor steht, seinen Lebensgefährten in Dänemark zu heiraten, sowohl als animierten Dokumentarfilm. So gelang« Flee» das Kunststück gleich in drei Kategorien auf einmal nominiert zu werden: Bester internationaler Film, Bester Animationsfilm und Bester Dokumentarfilm.


Überhaupt stellt das nicht-englischsprachige Kino in diesem Jahr bei den Oscar-Nominierungen eindrucksvoll seine Stärke unter Beweis. Der schwule japanische Regisseur Ryusuke Hamaguchi – der aktuell auch in der Wettbewerbs-Jury der Berlinale sitzt – ist mit seiner Murakemi-Verfilmung «Drive My Car» (derzeit in den deutschen und Schweizer Kinos) nicht nur als Bester internationaler Film nominiert, sondern auch als Bester Film, für die Beste Regie sowie das Beste adaptierte Drehbuch. Und Pedro Almodóvars «Parallele Mütter – Madres Paralelas» (in der Schweiz bereits im Kino, in Deutschland ab dem 10.3.) ist zweimal vertreten: die Filmmusik von Alberto Iglesias darf sich ebenso Chancen ausrechnen wie Penélope Cruz für ihre Hauptrolle als bisexueller Fotografin. Nicht nominiert wurde – wie erwartet – das Paragraph 175-Drama «Grosse Freiheit» mit Franz Rogowski, das für Österreich ins Rennen um den Besten internationalen Film ging.

Keine Konkurrenz für Cruz ist übrigens Lady Gaga: Der Popstar ging unerwartet leer aus und wurde für die Hauptrolle im Kinohit «House of Gucci» übergangen. Immerhin: ihr schwuler Hairstylist Frederic Aspiras ist für den Film in der Kategorie Best Makeup & Hair nominiert. Zu den weiteren queeren Nominierten in diesem Jahr gehört auch der Kostümbildner Paul Tazewell («West Side Story»), der bislang vor allem am Broadway arbeitete. Und nicht unerwähnt bleiben darf – in der Kategorie Bester Animationsfilm – natürlich auch «The Mitchells vs. The Machines» (zu sehen bei Netflix), in dessen Zentrum mit grosser Selbstverständlichkeit ein queeres Mädchen steht (das im Original von der queeren Schauspielerin Abbi Jacobson gesprochen wird).


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