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Legendäre lesbische Piratinnen mit Statuen geehrt

Mary Read und Anne Bonny kleideten sich als Männer, um unerkannt zu bleiben

mary read anne bonny
Die Piratinnen Mary Read (links) und Anne Bonny waren angeblich ein Liebespaar. (Bilder: Public Domain)

Mary Read und Anne Bonny waren gefürchtete Piratinnen der Karibik – und angeblich ein Liebespaar. Dafür, dass die beiden Frauen Geschlechtergrenzen sprengten, würdigt Grossbritannien sie nun mit einer Statue.

Um 1720 waren Mary Read und Anne Bonny als Piratinnen in der Karibik unterwegs. Da Frauen auf vielen Schiffen verboten waren, verkleideten sich die beiden als Männer, um auf hoher See unerkannt zu bleiben. Read und Bonny sollen Liebhaberinnen gewesen sein und sind zwei der wenigen Piratinnen, über die heute noch etwas bekannt ist.

Jetzt, 300 Jahre später, lässt Grossbritannien zu Ehren von Read und Bonny eine Statue errichten. Damit soll jedoch nicht ihre Rolle als plündernde und mordende Piratinnen gewürdigt werden, wie Geschichtsprofessorin Kate Williams gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters erklärt.

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«Zu jener Zeit sprengten sie Geschlechtergrenzen und verblüfften andere Menschen», sagt sie. «Mary Read und Anne Bonny sind zwei der legendärsten Pirat*innen des 17. Jahrhunderts, jedoch steht in den Geschichtsbüchern nur wenig über sie geschrieben.»

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Beide Frauen wurden bereits als kleine Mädchen von ihren Eltern als Jungs gekleidet. Indem sie ihre Tochter als ihren verstorbenen Sohn aus einer früheren Beziehung ausgab, konnte sich Mary Reads Mutter finanzielle Unterstützung sichern. Anne Bonnys Vater gab die uneheliche Tochter als entfernten Neffen aus, um die Affäre vor seiner Ehefrau zu verbergen.

Mary Read kleidete sich auch als Erwachsene als Mann. Sie trat dem britischen Militär bei und heiratete einen flämischen Soldaten. Nach dessen frühen Tod heuerte sie als Mann auf einem nach den Westindischen Inseln segelnden Schiff an. Als dieses von Piraten gekapert wurde, schloss sie sich ihnen freiwillig an. Ein paar Jahre später traf sie auf Anne Bonny, die – ebenfalls als Mann gekleidet – sich zu ihr hingezogen fühlte. Darauf soll Read ihre wahre Identität preisgegeben haben.

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Die beiden Frauen waren nicht lange gemeinsam als Piratinnen unterwegs. Nach einigen Monaten auf hoher See wurden sie vom Piratenjäger Jonathan Barnet gefangen und zum Tod am Galgen verurteilt. Beide Frauen beriefen sich jedoch auf eine Schwangerschaft und konnten ihre Hinrichtung so um einige Monate verschieben. Read starb noch im Gefängnis an starkem Fieber, von Bonny verliert sich hingegen die Spur. Von einer möglichen Freilassung, Hinrichtung oder von ihrem Tod gibt es keine schriftlichen Überlieferungen. (Aus der ehemaligen Zelle des englischen Schriftstellers Oscar Wilde soll übrigens kein Museum, sondern eine Luxusloft entstehen, MANNSCHAFT berichtete).

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In Grossbritannien wird zurzeit über die Rolle von öffentlicher Kunst diskutiert und welche Persönlichkeiten gedenkt werden sollen und welche nicht. Einer Studie zufolge stellen nur ein Sechstel aller britischen Statuen Frauen dar. Im Juni stürzten Teilnehmer*innen einer «Black Lives Matter»–Demonstration in der Stadt Bristol das Abbild eines englischen Sklavenhändlers.

 

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Die Statuen von Read und Bonny wurden von der Künstlerin Amanda Cotton entworfen und von Audible finanziert.  Der Hörbuch-Anbieter will demnächst einen Podcast über das Leben der beiden Frauen veröffentlichen. Die Skulpturen der Piratinnen steht zurzeit beim Execution Dock am Ufer der Themse in London, das während rund 400 Jahren zur Hinrichtung von Piraten, Schmugglern und Meuterern genutzt wurde. Im Frühjahr 2021 sollen die Statuen in Devon an der Südwestküste Englands dauerhaft installiert werden und an die Geschichte der beiden Frauen erinnern.

«Da LGBTIQ-Menschen über tausende von Jahren verfolgt wurden, sind unsere Geschichten fragmentiert und verloren», sagt Paul Johnson, Leiter des Instituts für Soziologe an der Universität York. «Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass die Bemühungen fortgesetzt werden, unsere Vergangenheit zu entdecken und sie in der gesamten Gesellschaft zu repräsentieren. Öffentliche Kunst, die explizit dem Leben von LGBTIQ gewidmet ist, spiegelt die langjährige Vielfalt Grossbritanniens wider und trägt zur Schaffung einer integrativeren Zukunft bei.»

Im Juni nahm das Britische Museum eine Bronzemedaille des Chevaliers d’Éon auf (MANNSCHAFT berichtete). Der französische Soldat, Diplomat und Spion lebte zeitweise mit weiblicher Identität.

 

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