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Florida Keys und Key West: Hand in Hand in den Sonnen­untergang

Ein Sommermärchen für jede Jahreszeit

Florida Keys
Die Promenade am Isla Bella Beach Resort in Marathon lädt zum Bummeln ein (Bild: Coupleofmen.com - Karl Krause & Daan Colijn)

Bekannt als schwules Reiseblogger-Paar Couple of Men waren Karl und Daan auf den Florida Keys unterwegs und genossen eine abwechslungsreiche und sonnenverwöhnte Zeit.

Verliebt legte Daan seinen Arm um meine Schulter und drückte mir einen Kuss auf die Wange. Möwen segelten über unseren Köpfen und ein Katamaran fuhr langsam an uns vorbei dem golden glühenden Ball am Horizont entgegen. Wir sassen am Pier des Mallory Square im Norden von Key West und liessen entspannt die Beine über dem türkisfarbenen Wasser baumeln. Ein Schwarm kleiner, schwarz-weiss gestreifter Fische schwamm um unsere Füsse herum. Die milde Sommerbrise schmeckte salzig auf den Lippen und sorgte vor allem bei Daan für einen zerzausten Bart. Wir atmeten tief durch. Wir waren im Urlaub, auf den Florida Keys.

Florida Keys
Hand in Hand am Smathers Beach in Key West (Bild: Coupleofmen.com – Karl Krause & Daan Colijn)

Ich schmunzelte vor mich hin, als ich an unsere Autofahrt durch den Süden Floridas denken musste. Vor gut zehn Tagen befanden wir uns noch ganz aufgeregt auf dem Weg von Miami in Richtung Süden auf dem Florida Keys Overseas Highway. Mit heruntergelassenen Fenstern schienen wir das Urlaubsgefühl praktisch anfassen zu können und fühlten uns frei. Und heute? Heute mussten wir bei einem Sonnenuntergang, wie er so typisch für Key West ist, Goodbye und Auf Wiedersehen sagen. Dabei verwandelte sich der Himmel in ein wahres Feuerwerk an goldenen und roten Farbtönen, die selbst unsere gebräunten Gesichter warm erstrahlen liessen. Erholt, glücklich und zufrieden schauten wir einander an. Es war für uns Zeit aufzubrechen.

Florida Keys
Romantik pur: Sonnenuntergang auf der Old Seven Mile Bridge (Bild: Coupleofmen.com – Karl Krause & Daan Colijn)

Entspannung pur
Hand in Hand schlenderten wir den Pier entlang, vorbei an singenden Strassenkünstlern und begegneten hin und wieder einem Hahn, der mit stolzer Brust an uns vorbei stolzierte. «Zwick mich mal in meinen Arm.» Daan musste lachen. «Sind wir wirklich hier?» Er streichelte mir liebevoll über mein Gesicht und nickte. Die Atmosphäre war einfach nur bezaubernd, easy going, so anders, und strahlte gleichzeitig so viel Urlaubsgefühl aus. Wir waren zu einem Teil der «One Human Family»  geworden, wie der Leitgedanke der Florida Keys und von Key West lautet. Nur wenig später erreichten wir den historischen Seehafen der Altstadt. Wir hielten an der Uferpromenade zwischen mächtigen Motorbooten inne und beobachteten ein Manati, eine Rundschwanzseekuh, beim Spielen im Wasser. Es roch nach Meer, frischem Fisch und einer Brise Gegrilltem. Gut, dass wir eine Reservierung im urigen Hafenrestaurant Half Shell Raw Bar gemacht hatten.

Florida Keys
Die Lower Keys sind ein Paradies für herrliche Bootsausflüge (Bild: Andy Newman)

An Restaurants, mit köstlichen Fischspezialitäten auf der Speisekarte, mangelte es auf den Florida Keys wahrlich nicht. So hatten wir feinste italienische Küche im Restaurant Ciao Hound Italian Kitchen & Bar in Islamorada, köstliche hawaiianisch inspirierte Gerichte im Mahina in Marathon und erfrischende Desserts in der Key West Key Lime Pie Company. Doch nicht nur die Restaurants können sich sehen lassen. Auch die LGBTIQ-freundlichen  Strandhotels wie das Three Waters Resort in Islamorada, das The Perry auf der Insel Stock Island und Luxusresorts wie das Isla Bella in Marathon zeugen von einer Offenheit gegenüber queeren Reisenden, die wir auf unserer Reise schätzen gelernt hatten. Dazu zählt natürlich auch das berühmte Island House in Key West, dem wohl «besten Schwulenresort der Welt». Hier verbrachten wir super entspannte Tage nackt am Pool und lernten bei den Poolpartys einheimische sowie reisende Schwule näher kennen.

Eine reiche LGBTIQ-Geschichte
Es hat schon eine lange Tradition, dass sich Schwule – beziehungsweise die LGBTIQ-Community generell – auf Key West wohlfühlen, was spätestens damit begann, als der Dramatiker Tennessee Williams 1941 hierherkam. Vieles ist seitdem geschehen. So verband vor 20 Jahren eine zwei Kilometer lange Regenbogenfahne auf Duval Street den Golf von Mexiko mit dem Atlantik. Immer wieder werden seitdem Teile dieser legendären Fahne auf Pride-Events in aller Welt gezeigt. Doch hat das Archipel der Florida Keys noch viel mehr zu bieten. Jede der bewohnten Inseln bietet jeweils ihre eigenen, natürlichen und vom Menschen gemachten Sehenswürdigkeiten sowie abwechslungsreiche Aktivitäten. Bei unserer Reise in die Keys lernten wir im Turtle Hospital auf Marathon viel Neues über den Schutz der Meeresschildkröten, wanderten auf der historischen Old Seven Mile Bridge auf den Mid Keys dem Sonnenuntergang entgegen und unternahmen eine abenteuerliche Paddeltour mit Big Pine Kayak Adventures durch die dichten Mangroven der Lower Keys.

Florida Keys
Die berühmte, rund zwei Kilometer lange Regenbogenfahne von Key West (Bild: Andy Newman)

Eines der schönsten Erlebnisse war für uns der Tag auf einem Katamaran mit dem queeren Unternehmen Blu Q in Key West. Das selbsternannte «Zuhause auf dem Wasser für schwule Männer“ bietet seit 1996 FKK-Segelausflüge an, samt Schnorcheln, Kajaken und wahlweise einer Tour zum Sonnenuntergang. Mit Gleichgesinnten, fruchtigen Snacks und einem Gläschen Prosecco lässt es sich auf dem Katamaran (und im Wasser) wahrlich gut aushalten. Die Sonne war unsere ständige Begleiterin, vom Sonnenaufgang über dem Atlantik bis zum Sonnenuntergang über dem Golf von Mexiko.

Zum Abschluss unserer Florida-Keys-Sommerreise stand nach dem Abendessen mit frischem Fisch für mich und spanischen, vegetarischen Köstlichkeiten für Daan, eine Drag-Cabaret-Show im berühmt-berüchtigten La Te Da auf dem Programm. Der Rückweg in unser Hotel führte uns durch die historische Altstadt und gab uns die Gelegenheit, uns von den Florida Keys zu verabschieden. Ohne Angst, entspannt und verliebt spazierten wir durch die engen Strassen, warfen den Blick in das ein oder andere Geschäft, gaben uns einen Kuss auf dem Regenbogen-Zebrastreifen und verschwanden in der Nacht …

Florida Keys
Typisch Key West: Zebrastreifen in den Regenbogenfarben (Bild: Rob O’Neal)

Mit ein paar Tagen in der wohl schwulsten Inselstadt der USA, ging unser Sommermärchen dem Ende entgegen. Doch ein unbestreitbares Gefühl in uns bleibt auch noch Tage nach unserer Rückkehr bestehen: Als schwules Männerpaar auf Reisen hatten wir eine nahezu perfekte, abwechslungsreiche und vor allem sonnenverwöhnte Zeit auf den Florida Keys verbracht. Und wir wollen unbedingt wiederkommen.

Weitere Infos zu den Florida Keys

Web: www.fla-keys.de, www.rainbowkeywest.de

Facebook: @floridakeysandkeywestDE
Instagram: @floridakeysgay
Youtube: FloridaKeysTV

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