Nationale Strategie für die Schweiz: Psychische Gesundheit von Queers verbessern!
U.a. sollen queere Lebensrealitäten in Ausbildung, Weiterbildung und Praxis der Gesundheitsversorgung verankert werden
Queers in der Schweiz sind psychisch deutlich stärker belastet als die Gesamtbevölkerung. Darum legen die LGBTIQ-Dachverbände LOS, Pink Cross, TGNS und InterAction zusammen mit Expert*innen aus Forschung und Praxis eine Mental Health Strategie vor.
LGBTIQ in der Schweiz sind psychisch deutlich stärker belastet als die Gesamtbevölkerung, wie Studien vielfach zeigen. Es besteht dringender Handlungsbedarf – politisch, gesellschaftlich und in der Gesundheitsversorgung. Darum legen die LGBTIQ-Dachverbände LOS, Pink Cross, TGNS und InterAction nun zusammen mit diversen queeren Organisationen sowie Expert*innen aus Forschung und Praxis die LGBTIQ Mental Health Strategie vor.
Diese zeigt auf, welche Massnahmen nötig sind, damit LGBTIQ in der Schweiz sicher und gesund leben können – von der Verankerung in Präventionsprogrammen über diskriminierungsfreie Versorgung bis zur Stärkung bestehender Community-Strukturen. Dazu braucht es grundlegende Veränderungen: Die Strategie richtet sich deshalb insbesondere an politische Entscheidungstragende, Fachstellen und Gesundheitsinstitutionen. Die LGBTIQ-Dachverbände fordern insbesondere die nationale Politik auf, möglichst bald zu handeln.
LGBTIQ Menschen sind stärker von Depressionen, Angststörungen und Suizidalität betroffen als der Rest der Bevölkerung. Das zeigen diverse Studien und auch die Erfahrungen der 15 beteiligten zivilgesellschaftlichen Organisationen: «LGBTIQ Menschen stossen in der Gesundheitsversorgung noch immer auf Hürden, Unwissen oder Diskriminierung. Das muss sich ändern!» sagt Alessandra Widmer, Co-Geschäftsleiterin der Lesbenorganisation Schweiz (LOS). Und sie ergänzt: «Die psychischen Belastungen unterscheiden sich je nach Lebensrealität innerhalb der LGBTIQ Communities. Deshalb braucht es neben einer allgemeinen Sensibilisierung auch vertieftes, spezifisches Fachwissen.»
2022 hat der Bundesrat im Bericht zum Postulat 19.3064 von Nationalrätin Samira Marti Unterschiede in der gesundheitlichen Verfassung von LGBTIQ und der Allgemeinheit beschrieben. Jann Kraus, Vorstandsmitglied von TGNS, ordnet ein: «Der Bundesrat hat die gesundheitlichen Ungleichheiten anerkannt – doch konkrete Schritte fehlen noch. Währenddessen wird unsere Gesundheit vermehrt politisch instrumentalisiert, das ist verantwortungslos. Umso wichtiger, dass der Bund jetzt seinen Versprechungen nachkommt.»
«Die Gesundheit von LGBTIQ Personen ist eng mit gesellschaftlichen Haltungen und gesetzlicher Gleichstellung verknüpft. Wenn ganze Bevölkerungsgruppen systematisch stärker psychisch belastet sind, ist das kein Randthema – es ist ein gesellschaftliches und volkswirtschaftliches Problem», sagt Daniel Furter, Geschäftsleiter von Pink Cross. «Das Wohlergehen von LGBTIQ Personen ist darum auch Verantwortung der Politik: Wir fordern Entscheidungstragende auf, sich zeitnah diesem Thema anzunehmen.»
Als wichtiger Schutzfaktor für die psychische Gesundheit zeigt sich immer wieder die Aufgehobenheit in Communities, wie auch Urs Vanessa Sager von InterAction Schweiz betont: «Organisationen in der ganzen Schweiz leisten wichtige Arbeit für das Wohlergehen von LGBTIQ Menschen. Umso wichtiger ist es, dass ihre Expertise auch bei zukünftigen Massnahmen einfliesst.» Die beteiligten Organisationen erwarten vom Bund und den Kantonen nun konkrete Schritte und stehen bereit, ihre Expertise in die Umsetzung einzubringen.
Zu den zentralen Forderungen gehört, dass die psychische Gesundheit von LGBTIQ verbindlich in nationale, kantonale und kommunale Strategien, Programme und Förderungen aufgenommen werden muss. Es brauche diskriminierungsfreie, niederschwellige und sichere Gesundheitsangebote, dies seien Voraussetzung dafür, dass Menschen Hilfe in Anspruch nehmen. Queere Lebensrealitäten müssen zudem auch in Ausbildung, Weiterbildung und Praxis der Schweizer Gesundheitsversorgung verankert werden.
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