Kuba aus schwuler Perspektive – Land im Umbruch
«Das Haus in Habana» von Marko Martin ist eine Mischung aus Reisereportage, Tagebuch und literarischer Spurensuche
Queere Reiselektüre gefällig? Roland Müller-Flashar vom Berliner Buchladen Eisenherz hat für uns Marko Martins «Das Haus in Habana» gelesen.
Der erste Satz «Seltsam: Gerade dort, auf jener Insel der angeblich angehaltenen Zeit schien es keine Langsamkeit und Verweilen zu geben – weder für deinen Blick noch für die Geschehnisse, denen er folgte. (Oder es zumindest versuchte.)»
Deine MANNSCHAFT-Sommerlektüre ist da!
Das Genre Ein Reisebericht eines Schriftstellers, der aufgewachsen in der DDR das heutige Cuba sicherlich mit seinem Castro Kult sicherlich nicht verherrlicht, aber auch nicht auf den Retrocharme á la Buena Vista Social Club hereinfällt. Eine Mischung aus Reisereportage, Tagebuch, literarischer Spurensuche im Cuba, einem Land im Umbruch aus schwuler Perspektive.
Die Handlung Es ist nicht die erste Reise Marko Martins nach Cuba, aber diesmal ist er über die gesellschaftlichen Umbrüche mehr als enttäuscht. Es ist eine Reise mit vielen Aspekten, er sucht kubanische Schriftsteller auf und diskutiert mit ihnen. Er bereist das Land. Es ist auch eine Art Zwiesprache mit sich selbst, Unsicherheiten, was man in einem sozialistischen Land sagen darf, und was nicht, Erinnerungen an die eigene Sozialisation in der DDR und umso grössere Wut auf die bestehenden repressiven Verhältnisse auf der Insel, aber auch Hitze, Museen, Meer. Er beobachtet auch andere (Sex)Touristen, versucht sich moralisch abzusetzen. Tropische Lebensfreude wechselt sich mit politischer Existenzangst ab.
Vor allem aber vielfältige sexuelle Begegnungen mit gutaussehenden Kubanern werden beschrieben, die sich, wie es scheint um den gutaussehenden deutschen Schriftsteller reissen. Das könnte nerven, allerdings spart er auch eigene Fehlbarkeiten und Kompromitierungen nicht aus, und bewahrt so den Text davor zu selbstverliebt daherzukommen. Dass man den Autoren aber mit gutem Gewissen einen Chauvi nennen kann, wird nach der Lektüre dieses unterhaltsamen Buches auch klar.
Vor allem aber vielfältige sexuelle Begegnungen mit gutaussehenden Kubanern werden beschrieben, die sich, wie es scheint um den gutaussehenden deutschen Schriftsteller reissen. Das könnte nerven, allerdings spart er auch eigene Fehlbarkeiten und Kompromitierungen nicht aus, und bewahrt so den Text davor zu selbstverliebt daherzukommen. Dass man den Autoren aber mit gutem Gewissen einen Chauvi nennen kann, wird nach der Lektüre dieses unterhaltsamen Buches auch klar.
Kuba sagt Eheöffnung per Verfassung ab
Das Urteil Alle die sich für Kuba interessieren, sowohl für die gesellschaftlichen Umbrüche, als auch einen queeren Blick auf die Insel werfen wollen, werden Freude an diesem informativen, gut geschriebenen Buch haben. Es eignet sich zur Vor- und Nachbereitung einer Reise, aber auch wenn man nur ein bisschen über den einheimischen Tellerrand hinwegsehen möchte, ist das Buch anregend und kurzweilig und macht Spass.
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