«Bowie - Der letzte Akt» – Weitere Doku würdigt den Superstar
David Bowie starb unmittelbar nach Veröffentlichung seines letzten Albums. Ein Dokumentarfilm zeigt, wie die bisexuelle Ikone sogar den eigenen Tod zu einer Performance machte.
Von Christof Bock, dpa
Am Ende seiner einzigartigen musikalischen Karriere schrieb David Bowie sein eigenes Requiem. Sein letztes Studioalbum, der finstere Geniestreich «Blackstar», erschien am 8. Januar 2016. Nur zwei Tage später starb Bowie mit 69 Jahren in New York an einer Krebserkrankung. «Blackstar» wurde ein Welterfolg, sein einziges Nummer-eins-Album in den USA.
Zehn Jahre danach zeichnet der britische Filmemacher Jonathan Stiasny in seinem Dokumentarfilm das letzte kreative Kapitel eines der innovativsten Künstler der Musikgeschichte nach. Die gut 90-minütige Doku «Bowie - Der letzte Akt» läuft am Freitag (16. Januar) um 21.45 Uhr auf Arte. Das ZDF hatte bereits vergangene Woche die Doku «David Bowie: Role Model und Popikone» gezeigt (MANNSCHAFT berichtete).
Er wusste nicht, wonach er suchte Der Film konzentriert sich nicht, wie der Titel vermuten lässt, auf die letzten Wochen des Jahrhundertkünstlers, sondern zeigt viele Einflüsse, Strömungen und frühe Erfolge Bowies, die sich in seinem letzten Werk widerspiegeln. Stiasny hält sich aber nicht sklavisch an die Abfolge der Jahrzehnte, sondern erschliesst behutsam Sinnzusammenhänge, um das Gesamtwerk zu verstehen.
Die Dokumentation setzt im Jahr 1983 ein. Bowie ist Mitte der 80er mit dem Ohrwurm «Let's Dance» auf dem Höhepunkt - und zugleich frustriert. Er fühlt sich nach eigenen Worten entwurzelt: «Ich fühlte mich in eine Schublade gesteckt.» Er habe nicht gewusst nicht, wonach er suchte. Gitarrist Earl Slick spricht im Rückblick von einer Art Über-Begabung: «Er war wie ein Kind mit einem Zimmer voller Spielsachen. Und das Kind hat sie ziemlich schnell satt.»
Bandmitglied Reeves Gabrels erinnert sich: «In den 1980ern ging ihm ein bisschen die Puste aus. Er hatte das Gefühl, man würde ihn mit Künstlern wie Phil Collins in einen Topf werfen.» Der Mann, der mit Songs wie «Under Pressure» oder «Space Oddity» die Welt zum Tanzen und Träumen gebracht hat, will eine radikale Veränderung und nicht immer die alten Hits spielen. Er gründet die Hardrock-Band Tin Machine - der grösste Flop seiner Karriere.
Comeback vor 250'000 Zuhörer*innen Von der Kritik belächelt, von den Fans ignoriert, braucht der leise Brite mehrere Jahre, bis er mit einem Konzert auf dem Glastonbury-Festival im Jahr 2000 ein grandioses Comeback feiert. Der Auftritt gilt bis heute als eines der besten Konzerte in der langen Geschichte des Festivals. «Die Menschenmenge hörte gar nicht mehr auf. Es müssen an die 250'000 Leute gewesen sein», erinnert sich einer seiner Weggefährten. Bowie weint nach dem Auftritt überwältigt.
Eineinhalb Jahrzehnte später eröffnet der Weltstar den musikalischen Begleitern seines neuen Projektes in New York seine Krebserkrankung. Er zieht eine Mütze vom Kopf, sein Schädel ist kahl von der Chemotherapie. «David hat uns am Anfang gesagt: Ich weiß noch nicht, was daraus wird. Lasst uns einfach tolle Musik machen», erinnert sich Pianist Jason Lindner an das Gespräch.
Er ahnte, dass das Ende naht Produzent Tony Visconti, fast seit Teenager-Zeiten ein Freund und Mitstreiter Bowies, denkt: «Ich glaube, in Anbetracht seiner Situation wollte er das beste Album seines Lebens machen.» In dem Song «I Can't Give Everything Away» spricht der Sänger das Thema sogar sehr unumwunden an.
Visconti: «Er singt über seine Krankheit.» Dennoch wäre für ihn nichts schlimmer gewesen, als den Leuten von der Erkrankung zu erzählen. «Elvis hätte das nicht getan. Die Beatles hätten das nicht getan. Und er ist eine dieser Ikonen.» Visconti glaubt, Bowie habe vermutlich den Drang gehabt, so viel wie möglich zu schreiben und aufzunehmen. «Weil er wusste, dass das Ende nahte. Ich wusste es nicht.»
In dem Song «Blackstar» und insbesondere dem Video dazu greift Bowie Motive auf, die ihn schon Ende der 60er ausgemacht hatten: der Sänger als Raumfahrer und Weltentdecker. Nur dass der Abenteurer im Video leblos am Boden liegt.
Astronaut Chris Hadfield erläutert: «Man sieht, wie wichtig das wiederkehrende Thema Weltall für ihn war. Doch selbst ein schwarzer Stern verliert letzten Endes seine Energie und fällt der Ewigkeit des Nichts anheim, die alles erwartet.» Bowie-Freund Reeves Gabrels hört das Album nach eigenen Worten vor dem Zubettgehen und träumt in der Nacht, der Sänger sei gestorben. Stunden später erreicht ihn die Todesnachricht. Die Welt trauert um David Bowie.
Ein Jahr nach dem Tod hat die britische Royal Mail eine Sonderausgabe von Briefmarken in Gedenken an Bowie veröffentlicht (MANNSCHAFT berichtete).
«Heroes» aus dem Jahr 1977 verzeichnete laut Rolling Stone in den letzten fünf Monaten durchschnittlich rund 94'000 digitale Streams am Tag. Nach Silvester – als der Song in der finalen Folge von «Stranger Things» lief (MANNSCHAFT berichtete) – gab es Aufwind für den Song: Am 1. Januar wurden 342'000 Streams erreicht, am Tag drauf waren es 456'000 und am 3. Januar sogar 470'000.
Irischer Hurling-Star gibt Verlobung mit langjährigem Partner bekannt: Dónal Óg Cusack und Nathan Adams wagen den nächsten Schritt (MANNSCHAFT berichtete).