Zwischen Kitsch und Klatschblatt: «Bridgerton» geht weiter

Jonathan Bailey (l.) mit Regé-Jean Page in der Erfolgsserie «Bridgergton» (Foto: Liam Daniel/Netflix)
«Bridgerton» geht weiter

«Bridgerton» hat Hunderte Millionen Abrufe. Nun startet die vierte Staffel der Historienromanze bei Netflix. Ein wichtiges Geheimnis ist schon gelüftet. Droht dem Serienhit jetzt Ermüdung?

Von Sabrina Szameitat, dpa

Serienhits wie «Bridgerton» haben es nicht leicht. Je beliebter die alten Folgen, desto höher liegen die Erwartungen an das, was noch kommt. Im Fall der Historienromanze bei Netflix ist damit die neue vierte Staffel gemeint, die jetzt anläuft (29. Januar).

«Bridgerton» zählt zu den Aushängeschildern des Streamingdienstes und zu einer der meistgestreamten englischsprachigen Serien. Schauspieler Jonathan Bailey, der aktuelle «Sexiest Man Alive» (MANNSCHAFT berichtete), gelang mit der zweiten Staffel der internationale Durchbruch.

Spannend nun: Das Geheimnis rund um die Klatschkolumnistin Lady Whistledown ist gelüftet, eine zentrale Geschichte also auserzählt - oder doch nicht? Die neuen Folgen dürften Licht ins Dunkel bringen.

Worum geht es in «Bridgerton»? Die Story - inspiriert von den Romanen von Julia Quinn - dreht sich um Liebeswirren, prunkvolle Bälle, arrangierte Ehen, opulente Kostüme und Machtspiele in einem fiktiven London des 19. Jahrhunderts.

Jede Staffel der von Chris Van Dusen geschaffenen und von Shonda Rhimes produzierten Serie steht ein neues Mitglied der wohlhabenden Bridgerton-Familie im Fokus - zuletzt die Romanze von Penelope Featherington und Colin Bridgerton.

Damit aber nicht genug: Denn das Leben in der britischen High Society kommentiert stets die (anfangs noch) mysteriöse Lady Whistledown in ihren Tratschblättchen, die sogar die Queen erreichen.

Wie der Spiegel mal treffend bemerkte, ist an diesem Setting natürlich alles künstlich: «Immer ist Frühling, immer steht ein Ball an. Der Flieder blüht so auffallend lila, dass es in den Augen sticht». Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - hat sich eine riesige Fangemeinde rund um «Bridgerton» gebildet.

Wann ist die gesamte vierte Staffel zu sehen?

Wie mittlerweile bei anderen Serien üblich, etwa «Stranger Things» oder «Squid Game», erscheinen die neuen «Bridgerton»-Folgen in zwei Teilen. Die ersten vier Episoden sind ab Donnerstag abrufbar, Teil 2 folgt dann rund einen Monat später am 26. Februar.

Wer also die gesamte vierte Staffel in einem Rutsch sehen will, müsste sich noch bis Ende Februar gedulden (und versuchen, Spoilern in den sozialen Medien aus dem Weg zu gehen).

Wovon handelt die vierte Staffel? Die vierte Staffel nimmt den zweitältesten Bridgerton-Sprössling Benedict (Luke Thompson) ins Visier. Schon in der dritten Staffel deutet sich an, dass er seine Sexualität offen erforscht. Nun wird er als pansexuelle Figur inszeniert. Benedict gilt als Lebemann und als Freigeist in der Bridgerton-Familie.

Der Plot rund um seine Lovestory klingt nach «Aschenputtel». Benedict verliebt sich auf einem Maskenball Hals über Kopf in die geheimnisvolle Sophie Baek (Yerin Ha), die eigentlich als Magd arbeitet, sich aber heimlich auf die Veranstaltung geschlichen hat. Ohne ihre richtige Identität preiszugeben, verlässt Sophie den Ball - und Benedict begibt sich auf die Suche nach ihr.

Was macht den Hype der Serie aus? Trotz der vorhersehbaren Handlung und der oft seichten Dialoge dürften auch bei den neuen Folgen wieder Millionen Zuschauer*innen einschalten. Das liegt aus Sicht von Publikum und Kritik mitunter an der unkonventionellen Mischung aus Historienserie und Gegenwartsgefühl.

«Bridgerton» ist eines der prominentesten Beispiele für die Praxis des sogenannten Colorblind Castings (der farbenblinden Besetzung). Sprich: Nicht-weisse Schauspieler*innen spielen hier Rollen, die früher wohl wegen vermeintlich historischer Korrektheit mit Weissen besetzt worden wären. Auch die Queen ist schwarz.

Der britische Guardian lobte nach der ersten Staffel zudem die Darstellung von Sexualität. Die Serie habe es geschafft, «den Blick des Publikums auf den männlichen und weiblichen Körper gleichermassen auszubalancieren. Es ist selten, dass man auf der Leinwand Sexszenen sieht, in denen die Männer genauso unbekleidet sind wie die Frauen».

Droht der Serie Ermüdung durch ihr Erfolgsrezept? Tatsächlich ist das Erfolgsrezept von «Bridgerton» inzwischen vertraut: Es steht immer ein Liebespaar im Vordergrund, das Hindernissen begegnet, bevor es final zusammenkommt. Mit der endgültigen Entlarvung von Lady Whistledown am Ende der dritten Staffel fällt zudem ein Spannungsmoment weg.

Dennoch dürfte es interessant sein, wie sich der Ton ihrer Tratschblätter verändert, nachdem alle ihre Identität kennen - auch die Queen. Wird sie Druck ausüben, Forderungen stellen?

Showrunnerin Jess Brownell sagte dem Branchenblatt Variety: «Ich glaube nicht, dass wir mit Lady Whistledown fertig sind». Es gebe noch mehr zu erzählen, weil sie nun eine öffentliche Klatschkolumnistin sei, von der die Leute wissen werden, dass sie die Autorin ist, wenn sie über sie schreibt. Es könnte also spannend werden.

Wie Bronski Beat Wolfgang Tillmans beim Coming-out half. Diesen Samstag stellt er seine eigene Musik in Wuppertal vor (MANNSCHAFT berichtete).

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