Ole von Beust zur AfD: «Diese völkischen Hanseln – völlig indiskutabel»
Der ehemalige schwule CDU-Politiker konterte im ZDF Boris Palmers Ideen
Der frühere Hamburger Bürgermeister Ole von Beust kritisierte in der ZDF-Sendung «Markus Lanz» am Donnerstagabend die politische Rhetorik seiner eigenen Partei – und äusserte sich zur sogenannten Brandmauer-Frage.
Der offen schwule von Beust bemängelte, die CDU sei kommunikativ in den 1990er-Jahren stehen geblieben. Das sei ein «Grundproblem von CDU-Wahlkämpfen» und werblich eine «ziemliche Katastrophe». Zudem zeigte sich von Beust amüsiert über politische Floskeln: «Wenn Sie ein Problem haben, das langsam grösser wird, die Öffentlichkeit drängt und etwas passieren muss, Sie aber im Moment gar keine Lösung parat haben, kommt meistens die Forderung: ‹Das muss jetzt Chefsache werden.› Und der Chef sagt dann: ‹Ich mache das zur Chefsache.›»
Sein Fazit fiel nüchtern aus: «Passieren tut meistens überhaupt nichts, weil er gar nicht alleine entscheiden kann.»
Mit Blick auf die anstehenden Landtagswahlen in Rheinland-Pfalz am kommenden Wochenende wurde auch die Frage diskutiert, ob die CDU-Landesverbände die sogenannte Brandmauer zur AfD weiterhin aufrechterhalten wollen.
Von Beust äusserte sich dabei zu einem Vorschlag von Boris Palmer, dem Oberbürgermeister von Tübingen, der ebenfalls Talk-Gast war. Dieser hatte angeregt, die AfD in Regierungsverantwortung einzubinden: Man könne ausprobieren, wie sich die Partei verhalte, wenn sie tatsächlich mitregieren müsse. «Vielleicht kann man sie auf diese Weise erfolgreicher wieder kleiner machen – Regieren ist nämlich anstrengend –, als sie hinter der Brandmauer weiter wachsen zu lassen», sagte Palmer. (MANNSCHAFT berichtete über die zunehmende Beliebheit der AfD bei Schwulen.)
Darauf konterte von Beust deutlich: «Wenn Sie sich die AfD-Jugendorganisation anschauen oder das, was Höcke und andere sagen, dann ist das zutiefst völkisch durchtränkt und abstossend. (…) Sich mit diesen völkischen Hanseln einzulassen, ist völlig indiskutabel.»
Ein schockierender Verdacht: Ein ehemaliger Jugendtrainer, der auch beim 1. FC Köln tätig war, sitzt in München in Untersuchungshaft. Ihm werden zwei Übergriffe an Jungen vorgeworfen (MANNSCHAFT berichtete).