Nur für Männer? Liebe in der schwulen Sauna

Ein Roman über eine ungewöhnliche Begegnung

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Symbolbild (Bild: iStockphoto)

Der lesenswerte Roman «Sauna», ist ein Plädoyer dafür, dass trans Personen fester Bestandteil der queeren Community sind.

Der Besuch einer schwulen Sauna kann für trans Männer oft schwierig sein, wie der viel beachtete Roman «Sauna», des dänischen Autors Mads Ananda Lodahl zeigt. Der Schriftsteller hat unter anderem in Männersexklubs von Kopenhagen und Berlin als Aushilfe gearbeitet. Seine dort gemachten Erfahrungen ließ er in den Roman einfliessen. Das Buch wurde jüngst in deutscher Sprache vom Albino-Verlag veröffentlicht.

Die Handlung beginnt in der schwulen Sauna Adonis in Kopenhagen. Diese wird gerne von Männern, die Sex haben wollen, besucht. Jeder erhält nach Bezahlung des Eintrittsgelds einen Spindschlüssel, ein Handtuch und ein Kondom. Die Sauna hat viele Stammkunden. «Im Adonis war der Umgang mit Sex ein völlig unmittelbarer», schreibt der Autor. «Man ging einfach zu dem Typen, den man wollte, und wenn man ein Nein kassierte, ging man einfach zum nächsten», heisst es in dem Buch.

«Es war genug für alle da, also gab es keinen Grund, sauer oder verletzt zu sein.», Doch nicht alle Männer sind in der Sauna willkommen. Laut Anweisung des Besitzers, einem älteren Schwulen, können ausschliesslich cis-Männer die Räumlichkeiten betreten. Eine weitere Regelung ist, dass der Besuch nur ohne Kleidung möglich ist. Daher müssen alle Männer ihre persönlichen Sachen in einen Spind geben.

Einer der Hauptfiguren in dem Buch ist der 22-jährige Johan, der in der Kopenhagener Sauna arbeitet, weil er sich neben seinem Studium etwas dazu verdienen möchte. Der Job ist nicht allzu schwer. Er muss für Sauberkeit sorgen, Pornovideos auswechseln, frischen Kaffee machen, die Eintrittsgelder kassieren und «Sperma, Scheisse und manchmal Blut aus den benutzten Handtüchern», waschen. Als Johan einmal Dienst hat, kommt William in die Sauna. Beide finden sich auf Anhieb sympathisch. William fragt Johan, ob er in der Sauna eine Sportkleidung tragen darf. Johan meint, dass dies eigentlich nicht erlaubt sei. Doch dann erklärt er mit einem Zwinker, dass er ja nicht sehen könne, was unten im Keller passiere.

Als William später die Sauna verlässt, fragt ihn Johan nach der Telefonnummer. Wenige Tage später treffen sie sich wieder. Die Männer kommen sich körperlich nahe. Doch William ist bei den ersten Berührungen total angespannt und steif. Als Johan seine Brust berührt, steht William plötzlich auf, greift nach der Jacke und will gehen. «Stimmt etwas nicht? Hab ich etwas falsch gemacht?», fragt Johan verunsichert. «Ich muss dir was sagen», antwortet William zögernd. «Es ist nämlich so, dass ich ... Ftm bin.»

Die Abkürzung Ftm steht für female-to-male. Sie bezeichnet eine Person, der bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde, sich aber als Mann identifiziert und lebt. «Ich hab halt noch den Körper, mit dem ich geboren wurde. Mit Brüsten und ... na ja ... da unten», meint William. Für Johan ist das kein Problem. Er hält an der Zuneigung zu William fest.

«Ich finde dich schön, und du machst einen echt süssen Eindruck. Also nehmen wir die Dinge doch einfach, wie sie kommen", betont Johan. William entspannt sich. Beide Männer legen sich unter eine Decke, "und eine sehr körperliche Form von Vertrauen und Zuneigung» habe sich ausgebreitet, heisst es in dem Buch.

Völlig anderes reagiert der Besitzer der Sauna, ein älterer Schwuler. Er rügt Johan, weil er William in die Sauna gelassen hat. Für ihn ist William ein Mädchen, «das sich als Junge verkleidet. Die darf hier nicht rein. Adonis ist nur für Männer." Der Roman nimmt damit Bezug auf eine Diskussion in Teilen der queeren Community. Dabei geht es um die Frage, welche Personengruppen akzeptiert und welche ausgeschlossen werden. Das Buch nimmt hier einen klaren Standpunkt ein und grenzt sich von einem toxischen Verständnis von Männlichkeit in Teilen der schwulen Kultur ab. Der Autor macht unmissverständlich deutlich, dass trans Personen fester Bestandteil der queeren Community sind.

schwule Sauna Roman
(Bild: Promo)

Johan und William lieben sich leidenschaftlich, wobei ihre Beziehung von Williams Selbstzweifel überschattet wird. Das Buch thematisiert auch die Herausforderungen von trans Personen. Als William seine Brüste entfernen will, wird dies von den Ärzt*innen abgelehnt. «Jahrelang hatte er als Junge gelebt, aber diese Leute meinten, darüber entscheiden zu können, ob er wirklich trans war oder nicht», heisst es in dem Buch. Auch ein psychiatrisches Gutachten sei erforderlich. «Aber bin ich denn geisteskrank, oder was?!», schreit William.

Die stürmische Liebesgeschichte behandelt viele queere Themen und ist zu empfehlen.

Mads Ananda Lodahl: «Sauna». Albino-Verlag, Berlin 2025.

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