Kuba: Symbolische Hochzeiten für Schwule und Lesben

Mit bunten öffentlichen Aufmärschen feiern Homosexuelle inzwischen selbstbewusst ihre Sexualität in dem sozialistischen Karibikstaat. Für die gewünschte Homo-Ehe reicht es aber noch nicht.

(dpa) Im kleinen Pavillon ist es ziemlich laut, daher muss der Priester zum Mikrofon greifen. Die Menschen feiern ihn; ein ungewöhnliches Bild. Reverend Roger LaRade nimmt in Kuba an einer Homosexuellen-Veranstaltung teil. Mit fröhlichen Sätzen erteilt er zwei Männern den göttlichen Segen.

France24.com zeigt in einem Video, wie sich zwei Männer das Jawort geben und anschliessend küssen.

«Wir nennen es ‚heilige Partnerschaften’», erklärt der Priester einer protestantischen Kirche aus Kanada später am Samstag, 9. Mai. LaRade ist nach Havanna eingeladen worden, weil sich Dutzende Homosexuellenpaare vor ihm symbolisch das Ja-Wort geben wollen. Im sozialistischen Kuba ist die Homo-Ehe eigentlich verboten.

Die «Hochzeiten» sind Teil der «Gay-Parade», die vom Nationalen Zentrum für Sexuelle Erziehung (Cenesex) unter der Leitung von Mariela Castro organisiert wird. Die Tochter von Staatschef Raúl Castro marschiert jedes Jahr an der Spitze des Marsches, der mehr Rechte für sexuelle Minderheiten fordert. Über Tausend Menschen nehmen diesmal am bunten Strassenzug teil.

Tochter des Staatspräsidenten ist LGBT-Aktivistin

Mariela Castro, Tochter von Raul Castro, setzt sich für LGBT-Rechte ein, hier 2010 in Hamburg. (Bild: CC BY-SA 3.0)
Mariela Castro, Tochter von Raul Castro, setzt sich für LGBT-Rechte ein, hier 2010 in Hamburg. (Bild: CC BY-SA 3.0)

Homosexuelle hatten es in den vergangenen Jahrzehnten nicht einfach auf der Karibikinsel. Sogenannte «Abweichler» wurden in den Jahren nach der Revolution von 1959 oft in Arbeitslager gesteckt. Unter anderem dank der Arbeit von Mariela Castro tritt die Regierung inzwischen aber offiziell gegen Diskriminierung ein.

Die Tochter von Raúl Castro ist zuversichtlich, dass ihr Land bald sogar die Homo-Ehe einführen könnte. Vielleicht sei sie mit ihrem letzten Vorschlag für ein neues Familiengesetz zu optimistisch gewesen, sagt sie. «Aber das ist nicht schlecht, denn so steckt man sich neue Ziele», gibt sie sich kämpferisch.

Viele Menschen wünschen ihr Erfolg. «Das Vorhaben für ein neues Familiengesetz muss endlich aus der Schublade», fordert etwa Luis Enrique Mederos. Der 47-jährige Grafikdesigner lässt sich am Samstag als einer der ersten von dem kanadischen Priester mit seinem neun Jahre jüngeren Lebensgefährten «trauen». 

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