«Ausmass der Diskriminierung ist Belastungsprobe für unser Land»
Fast jede*r Vierte ist in Deutschland aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität betroffen
Ob beim Shopping, im Restaurant oder im Job: Millionen Menschen berichten von Alltagsdiskriminierung. Besonders betroffen sind u.a. queere-Personen.
Diskriminierung ist in Deutschland kein Ausnahmefall. Laut einer repräsentativen Untersuchung erleben Menschen Ungleichbehandlungen häufig auch dort, wo sie als Kund*innen unterwegs sind - etwa beim Einkaufen, in der Bank, im Restaurant oder am Eingang zum Club. Das zeigen Daten des Sozio-Ökonomischen Panels, einer beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angesiedelten repräsentativen Wiederholungsbefragung, an der sich jährlich etwa 30'000 Menschen bundesweit beteiligen.
Die Teilnehmenden der Befragung waren unter anderem gefragt worden, ob und wenn ja wo sie in den zurückliegenden zwölf Monaten diskriminiert worden seien. Ausserdem sollten sie selbst einschätzen, was wohl Hintergrund der Ungleichbehandlung war.
Die Autor*innen der Untersuchung weisen allerdings darauf hin, dass bei der Interpretation der Ergebnisse zu berücksichtigen sei, dass sich die berichteten Diskriminierungserfahrungen auf den Zeitraum zwischen Mai 2021 und Januar 2023 beziehen, als das Leben in Deutschlands stark durch die Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie geprägt war.
Den Angaben zufolge berichteten 13,1 Prozent der Menschen davon, in den zurückliegenden zwölf Monaten Diskriminierung erlebt zu haben. «Das Ausmass der Diskriminierung ist eine Belastungsprobe für unser Land», sagt die Unabhängige Bundesbeauftragte für Antidiskriminierung, Ferda Ataman.
Die eigene ethnische Herkunft beziehungsweise rassistische Gründe werden von den Menschen mit Diskriminierungserfahrungen am häufigsten (41,9 Prozent) als Diskriminierungsmerkmal genannt. Gut jede*r vierte Betroffene nennt das Aussehen (25,9 Prozent). Aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität fühlten sich 23,8 Prozent diskriminiert.
Ingesamt, heisst es in der Studie, haben Frauen und trans, inter und nicht-binäre Menschen im Vergleich zu Männern sowie bi- oder homosexuelle Menschen im Vergleich zu heterosexuellen Menschen jeweils eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit, Diskriminierung im Zugang zu Gütern und Dienstleistungen zu berichten.
Die Studie zeigt zudem deutlich die Folgen von Diskriminierung auf: Betroffene berichten von schlechterer Gesundheit, geringerer Lebenszufriedenheit, psychischer Belastung und einem sinkenden Vertrauen in den Staat. Gleichzeitig sieht die Mehrheit der Betroffenen (56 Prozent) offenbar keinen Sinn darin, gegen Benachteiligungen aktiv zu werden. Das deutet auf ein mangelndes Vertrauen in den gesetzlichen Diskriminierungsschutz hin.
Starke Betroffenheit muslimischer Frauen Von den befragten Muslim*innen berichteten 28,6 Prozent von Diskriminierung in den letzten zwölf Monaten. Damit ist der Anteil deutlich höher als unter den Nichtmuslim*innen (10,4 Prozent). Ein besonders hoher Anteil von Betroffenheit findet sich unter muslimischen Frauen, die Kopftuch tragen. Mehr als 38 Prozent der Teilnehmerinnen der Befragung, die dieser Gruppe angehören, wurden demnach nach eigener Einschätzung binnen eines Jahres diskriminiert.
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