Modemacher, Model, Skirennfahrer: Lucas Braathen holt historisches Gold

Abseits der Piste kämpft er gegen Stereotype

Lucas Braathen (Fotos: Angelika Warmuth/dpa & Screenshot/Instagram)
Lucas Braathen (Fotos: Angelika Warmuth/dpa & Screenshot/Instagram)

Lucas Pinheiro Braathen hat den Riesenslalom der Männer bei den Olympischen Winterspielen in Italien gewonnen und damit olympische Geschichte geschrieben.

Der Brasilianer ist der erste Wintersportler, der überhaupt eine Medaille für das südamerikanische Land gewinnt. Geboren wurde er in Olso, Norwegen, aber Braathens Mutter stammt aus Brasilien.

Braathen legte den Grundstein für seinen historischen Triumph am Samstag mit einem starken ersten Lauf. Über eine Sekunde hatte er dort auf die Konkurrenz herausgefahren. Das konnte auch Marco Odermatt nicht mehr aufholen. Der Schweizer wurde mit 0,58 Sekunden Rückstand Zweiter.

16 November 2025, Finland, Kittila: Brazil's Lucas Pinheiro Braathen feeds a reindeer on the podium as he celebrates after winning the men's slalom race of the FIS Ski World Cup at the Levi Ski Centre in Kittila.
Lucas Pinheiro Braathen mit Rentier, nach seinem Medaillengewinn beim FIS Ski World Cup im finnischen Kittila 2025 (Bild: Roni Rekomaa/Lehtikuva/dpa)

Mit seinen extravaganten Outfits, lackierten Fingernägeln und für einen Skirennfahrer untypischen Hobbys ist der Norweger Lucas Braathen die wohl schillerndste Figur in der Alpin-Szene (MANNSCHAFT berichtete). Als Modemacher, Model und Teilzeit-DJ will der 25-Jährige nicht nur seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen, sondern auch mit Stereotypen im Sport brechen.

«Ich weiss, dass mein Lebensstil in einem Umfeld, das oft traditionell und konservativ ist, verpönt ist. Doch das ist mir egal. Es ist ein einsamer Weg, aber ich liebe ihn», sagte der auffallende Technik-Spezialist anlässlich der alpinen Weltmeisterschaften in Frankreich im vergangenen Februar.

Neben seinen sportlichen Zielen – «ich will den Gesamtweltcup und Medaillen gewinnen» – will Braathen die junge Generation inspirieren. «Ich will mir selbst treu bleiben und Kinder ermutigen, ihre Persönlichkeit offen zu zeigen. Jeder soll sich kleiden und machen, was er will», sagte der Skandinavier.

Im Interview mit Red Bull erzählte er mal, auf Social Media bekäme er oft Kommentare wie «Bist du homosexuell!», «Das ist so schwul!» oder «Warum bist du so feminin?»

Aber das komme von Leuten, die ihn nicht persönlich kennen. «Sie haben keine Ahnung, wer ich wirklich bin, also können sie mich auch nicht beleidigen. Insgeheim geniesse ich sogar Reaktionen wie ihre. Sie sind der Beweis dafür, dass ich bei diesen Menschen etwas auslöse. Ich entzünde einen Funken.»

Erster offen schwuler Bob-Rennfahrer Simon Dunn im Alter von 35 Jahren verstorben: Er war Athlet und LGBTIQ-Aktivist (MANNSCHAFT berichtete).

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