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Ex-Torwarttrainer: Angebliche Homophobie-Aussagen waren verkürzt

Das Interview sei nicht korrekt übersetzt worden, so Petry

Hertha BSC
Ex-Torwarttrainer Zsolt Petry (Foto: Jan-Philipp Burmann/Hertha BSC via City-Press GmbH/dpa)

Der ehemalige Torwarttrainer von Hertha BSC hat sich erneut gegen den Vorwurf gewehrt, in einem Interview rassistische und homophobe Äusserungen getätigt zu haben. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Zsolt Petry am Montag, die ungarische Zeitung Magyar Nemzet habe das Interview nach der Autorisierung noch unzulässig gekürzt.

Dort war der Ungar Petry mit der Aussage zitiert worden, dass er nicht verstehe, was seinen Landsmann Peter Gulacsi von RB Leipzig dazu bewogen habe, «sich für Homosexuelle, Transvestiten und Menschen sonstiger geschlechtlicher Identität einzusetzen» (MANNSCHAFT berichtete).

«Ich habe mich bemüht klarzustellen, dass jeder, so wie Peter, seine Meinung frei äussern darf. Ich gab jedoch zu bedenken, dass junge Spieler mit Äusserungen zu politischen Themen häufig Anfeindungen ausgesetzt sind, die ihre Karriere schädigen oder beenden können», sagte Petry der FAZ. «Deshalb habe ich gesagt, ich weiss nicht, wie er das machen konnte. Nicht etwa, ich verstehe das nicht. Das war nicht korrekt übersetzt.»


Zudem sei der Satz, dass er sich «sehr gut vorstellen kann, dass ein Kind in einer homosexuellen Familie sehr glücklich aufwachsen kann», aus dem Interview gestrichen worden, so Petry.

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Diese Äusserungen des langjährigen Coaches würden «insgesamt nicht den Werten von Hertha BSC entsprechen», sagte Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung des Clubs nach der Freistellung (MANNSCHAFT berichtete), stellte aber auch klar: «Er hat zu keiner Zeit homophob oder fremdenfeindlich agiert.» Der Verein setze sich trotzdem «aktiv für Werte wie Vielfalt und Toleranz ein, weil uns diese Werte wichtig sind», hiess es in einer Mitteilung: «Dies findet sich in den Äusserungen von Zsolt Petry, die er als unser Mitarbeiter öffentlich getätigt hat, nicht wieder.»

Die Personalie hatte auch auf politischer Ebene für Spannungen gesorgt. Am Freitag hatte die Bundesregierung Äusserungen der ungarischen Regierung zur Freistellung des Torwarttrainers Zsolt Petry durch Fussball-Bundesligist Hertha BSC kritisiert. Sie seien «in keiner Weise nachvollziehbar», sagte der stellvertretende Sprecher des Auswärtigen Amts, Christopher Burger, am Freitag in Berlin. Das habe der Geschäftsträger der deutschen Botschaft in Budapest bei einem Gespräch im ungarischen Aussenministerium am Donnerstag auch deutlich gemacht. «Die Anspielung insbesondere auf den Nationalsozialismus weisen wir in aller Deutlichkeit zurück.»


Das ungarische Aussenministerium hatte das Vorgehen von Hertha BSC als Eingriff in die Meinungsfreiheit kritisiert (MANNSCHAFT berichtete). Deutschland und Ungarn hätten «direkte historische Erfahrungen mit dem grösstmöglichen Meinungsterror, (…) weswegen die Überwachung des Grundrechts der Redefreiheit unsere gemeinsame moralische Pflicht ist», hiess es in einer Stellungnahme. «Unabhängig von der weltanschaulichen Basis ist die Beschränkung der Meinungsäusserung für die Ungarn inakzeptabel, weil sie ein System heraufbeschwört, wogegen Tausende unserer Landsleute ihr Leben geopfert haben.»


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