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Nach halbbatziger Entschuldigung: Alternativen?

Barilla
Im grossen Barilla-Sortiment von Coop gibt es auch De Cecco. (Bild: Mannschaft Magazin)

Guido Barilla will sich entschuldigen, falls seine Aussagen «Gefühle verletzt» haben.

Nur knapp einen Tag nach seinen homophoben Statements in der Radiosendung «La Zanzara» veröffentlicht Guido Barilla, Vorstandsvorsitzender der berühmten Teigwarenmarke Barilla, eine Entschuldigung auf der Facebook-Firmenseite: «Ich möchte mich entschuldigen, falls meine Aussagen Missverständnisse oder Kontroversen ausgelöst oder Gefühle verletzt haben». Es gehe nicht darum, dass er Homosexuelle und die Ehe für alle nicht respektiere, so Barilla.

Barilla werde keine Werbung mit Homosexuellen schalten, hatte er in der besagten Radiosendung am 25. September gesagt. Der Konzern unterstütze eben die klassische Familie, man könne es nicht immer allen Recht machen. Homosexuelle sollten «andere Nudeln essen», wenn ihnen diese Einstellung nicht passe.


«Nur die zentrale Rolle der Frau hervorheben.»
Die schnelle Reaktion von Guido Barilla zeugt von der grossen Macht des Internets. Und: Dass Schwule und Lesben als Minderheiten nicht so einfach links liegen gelassen werden können. Wohlgemerkt: Barilla zog seine Aussagen nicht zurück, sondern entschuldigte sich für den in den Medien verursachten Shitstorm. Von ihrer homophoben Haltung scheint die Firma Barilla wohl kaum wegzukommen. «In ihrer Werbung hat sich Barilla immer dafür entschieden, die Familie zu repräsentieren, da diese die Gastfreundschaft und Zuneigung gegenüber allen symbolisiert», schrieb Barilla in seiner Entschuldigung. Mit seiner Aussagen wollte er «nur die zentrale Rolle der Frau in der Familie hervorheben.» Unser Tipp für die neue Barilla-Werbung: Ein lesbisches Paar mit Kindern am Esstisch.

Wie wirksam ist ein Boykott?
Boykottieren wir nach russischem Wodka nun auch die italienische Pastamarke Barilla? Ob ein Boykott sich in den Portemonnaies der obersten Chefetagen spürbar macht ist höchst fraglich. Dennoch haben die globale Empörung und Boykottaufrufe der letzten Stunden schnelle Wirkung gezeigt. Guido Barilla hat seine Haltung zwar nicht geändert, wohl aber überdacht. Zudem vermittelt ein Boykott einen hohen symbolischen Wert: Wieso soll man die Teigwaren und Saucen einer Firma geniessen, die einem das Recht auf Ehe und Familie verwehren wollen? Schliesslich ist es nicht so, dass Barilla die einzige in der Schweiz erhältliche Teigwarenmarke ist.

In der Migros – übrigens eine Barilla-freie-Zone – gibt es beispielsweise nebst qualitativ sehr guten Eigenprodukten die Marken Garofolo und Agnesi. Im Coop, wo das wohl grösste Sortiment von Barilla-Produkten zu finden ist, sind Marken wie Bertolli und DeCecco eine gute Alternative. Und wer sich überhaupt nicht sicher ist, ob die italienische Konkurrenzfirmen ebenso homophob sind wie Barilla, macht seine Teigwaren am besten gleich selber.


Eine sympathisch deutsche Anleitung mit Vogelgezwitscher im Hintergrund gibts hier:


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