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Pinky gloves? Die Periode ist kein Frauenthema!

Frauenthema Menstruation? Das können wir besser

Menstruation
Foto: VOX

Die Diskussion über die pinken Perioden-Handschuhe hat alle wütend gemacht. Was dabei oft vergessen geht: Die Menstruation ist kein Frauen-Thema. Weil es Frauen gibt, die nicht menstruieren. Und Menstruierende, die keine Frau sind. Eine Erklärung von Anna Rosenwasser in ihrem Samstagskommentar.*

Wir Feminist*innen haben uns ja alle schon aufgeregt über diese pinken Handschuhe. Mega fest. Ganz Insta war voll. (Facebook hoffentlich auch, aber dafür bin ich zu jung. TikTok hoffentlich auch, aber dafür bin ich zu alt.) Ich will trotzdem darüber schreiben. Trotz der Tatsache, dass diese pinken Handschuhe schon mehrere Tage die feministischen Bubbles dominiert haben.

Für die, die es geschafft haben, das Thema zu verpassen: Zwei cis Männer haben in einer TV-Show, in der es um Investitionen für Startups geht, ein Produkt für Menstruierende beworben: Handschuhe, damit man sich beim Entfernen des Tampons kein Blut ansehen oder gar berühren muss. Diese Wegwerf-Handschuhe seinen eine «diskrete Lösung für Frauen». Die beiden Dudes erhielten eine Investition von 30 000 Euro. Wenige Jahre vorher kriegten zwei Frauen, die nachhaltige Perioden-Unterwäsche bewarben, in der selben Sendung übrigens nichts.


So weit, so bäh. Der Aufschrei im Internetz war so gross, dass auch Medien das Thema aufgriffen. Und dabei passierte ein Fehler, der für uns Queers sehr wichtig ist. Dieser Fehler ist der Grund, warum ich diesen Text schreibe.

Wenn es um die Periode geht, sprechen Menschen meistens von Frauen. Die beiden Handschuh-Dudes sprechen von Frauen. Die Zeitungen sprechen von Frauen. Die Leute auf den sozialen Medien sprechen von Frauen. Das klingt, als gehöre die Periode zu jeder Frau – und sonst zu niemandem.

Dieser Denkfehler ist queer-feindlich. Und er zeigt, dass wir – in der Schule, in vielen Medien, in unserer Erziehung – oft etwas sehr Falsches lernen: Es gibt eine Art von Frauen. Die, die menstruieren. (Mega viel mehr lernen die meisten Leute auch gar nicht über die Periode. Wegen diesem Tabu regen wir uns ja auch alle so auf über diese elenden Handschuhe.)


Die Vorstellung, dass Menstruieren ein Frauen-Ding ist, ist aus zwei Gründen falsch. Erstens gibt es Frauen, die nicht menstruieren. Und zweitens gibt es Leute, die keine Frauen sind, die menstruieren.

Das klingt jetzt sehr anatomisch. Ist es einerseits auch: Manche Menschen, die eine Gebärmutter haben, menstruieren nicht. Dafür gibt es viele mögliche Gründe: Eine Essstörung zum Beispiel, oder eine Erkrankung wie Endometriose (google it!). Besonders wir queeren Menschen, die Geschlechterrollen durchbrechen und durchbrechen wollen, müssen aufhören, so zu tun, als wären alle Körper gleich. Körper sind mega unterschiedlich, und das ist fantastisch. Das bedeutet auch, dass nicht alle Frauen gleich sind. Und es keinen falschen Weg gibt, eine Frau zu sein.

Gender ist ein inneres Wissen, und dieses innere Wissen kann sich im Laufe des Lebens verändern.

Worauf ich aber hinauswill, ist nicht die Anatomie. Sondern trans Identitäten. Ein Mensch ist trans, wenn er sich mit einem anderen Geschlecht identifiziert, als ihm bei Geburt zugewiesen wurde. Eigentlich eine mega creepy Vorstellung, dieses Zuweisen: Fremde Ärzt*innen starren bei deiner Geburt auf deine Genitalien und bestimmen aufgrund dessen, was sie sehen, welches Geschlecht (genauer: Gender, als soziales Geschlecht) du dein ganzes Leben lang haben wirst? Was für ein Blödsinn. Gender ist ein inneres Wissen, und dieses innere Wissen kann sich im Laufe des Lebens verändern. Zum Glück.

Wenn dein Gender also nicht von deinen Genitalien abhängt, hängt das Frausein auch nicht davon ab, ob du alle paar Wochen menstruierst oder nicht. Ob du eine Gebärmutter hast oder nicht. Ob du eine Frau bist, hängt davon ab, ob du dich selbst als Frau identifizierst.

Und was schreiben und sagen wir dann, wenn es um die Periode geht?! Ganz einfach: Leute, die menstruieren. Menstruierende.

Ein pinker Wegwerf-Handschuh ist nervig genug. Machen wir die Diskussion nicht auch nur unnötig transfeindlich.

*Jeden Samstag veröffentlichen wir auf MANNSCHAFT.com einen Kommentar oder eine Glosse zu einem aktuellen Thema, das die LGBTIQ-Community bewegt. Die Meinung der Autor*innen spiegelt nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion wider.


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