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Mein HIV-Test ist positiv – was jetzt?

Persönliche Erfahrungen und Tipps zum Umgang mit der Diagnose

Ein HIV-Test verspricht Klarheit – und manchmal ist er auch der Anfang einer neuen Lebenssituation. Vor allem dann, wenn der Test positiv ausfällt. So erging es auch Sebastian, der vor einigen Jahren erfuhr, dass er HIV-positiv ist.

Dass seine Diagnose positiv ausfällt, damit hat der heute 28-Jährige nicht gerechnet. «Es ging mir schon seit einiger Zeit gesundheitlich ziemlich schlecht» erzählt Sebastian. «Nachdem ich erfolglos verschiedenste Untersuchungen hinter mich gebracht hatte, habe ich schlussendlich beschlossen einen HIV-Test zu machen. Als ich dann das Ergebnis erfuhr, war ich erstmal total schockiert und dachte, mein Leben sei vorbei. Ich hatte ja keinem davon erzählt, dass ich einen HIV-Test mache».

Noch am gleichen Abend fasst er seinen Mut zusammen und erzählt seiner Mitbewohnerin von dem Ergebnis. «Dieses Gespräch hat mich unheimlich erleichtert» sagt Sebastian. Würde er heute nochmal zum Test gehen müssen, würde er jemanden einweihen oder sogar mit zum Test nehmen. «Je früher man mit jemandem darüber reden kann, desto besser» meint er rückblickend.

Kampf gegen HIV
Bild: AdobeStock

Kurz darauf beginnt Sebastian seine Therapie. «Ich habe Erfahrungsberichte von anderen HIV-Positiven gelesen und mich schlau gemacht, was eine HIV-Therapie bedeutet, aber man hat ja eigentlich keine Ahnung, was da auf einen zukommt. Und ich hatte so viele Fragen im Kopf».

Es empfiehlt sich zum Therapiebeginn einen Schwerpunktarzt zu suchen. Kontaktinfos und Empfehlungen gibt es bei den Aids-Hilfen oder den Teststellen. Sebastian meint: «Es lohnt sich, sich umzuhören, Empfehlungen einzuholen, Erfahrungen anderer HIV-Positiven zu sammeln».

Bevor es dann zum ersten Gespräch geht, sollte man sich überlegen, was man wissen möchte. Sebastians Tipp: «Sich Zeit nehmen, eine Liste mit Fragen machen und diese mit dem Arzt oder der Ärztin durchgehen bis alle Punkte darauf abgehakt sind. Auch in den Tagen nach dem Gespräch sollte man in sich reinhören, ob man alles wichtige klären konnte». Und man solle sich selber fragen, in wie fern man bei der Gestaltung der eigenen Therapie involviert sein möchte.

Mit seiner Ärztin hat Sebastian alle seine Fragen und Bedürfnisse besprechen können. So konnte er ganz auf ihre Erfahrung und Expertise vertrauen und mit der für ihn passenden Therapie starten. «Am Anfang kennt man sich ja nicht wirklich aus und hat auch keine Erfahrungswerte». Doch nach einer gewissen Zeit kann die Therapie angepasst werden. «Wir haben aufgrund der Nebenwirkungen Anpassungen in meiner Therapie gemacht. Zu Anfang war es auch so, dass ich drei Tabletten nehmen musste, heute ist eine Tablette am Tag der Standard» erklärt Sebastian. Dass man mit seinem Arzt oder seiner Ärztin offen reden kann, keine Scham empfindet oder sich scheut, dass man diskutieren kann und nicht einfach alles hinnehmen muss, das sei für ihn unglaublich wichtig. «Ich möchte ja möglichst lange und gesund leben – da muss man sich schon gut verstehen und die Therapie muss wirklich passen».

Was sich am meisten für Sebastian geändert hat? «Mein Leben ist für mich keine Selbstverständlichkeit mehr.» sagt er. «Ich sehe vieles anders, bin dankbarer und habe realisiert, dass mein Körper wertvoll ist und es sich lohnt ihn zu pflegen.» Sebastian ist fest entschlossen, das Beste aus seinem Leben zu machen. Er engagiert sich ehrenamtlich, möchte aufklären und anderen HIV-Positiven zur Seite stehen. «Ich habe so aus meiner HIV-Infektion nicht nur für mich das Beste gemacht, sondern kann durch meine Erfahrung auch anderen Menschen helfen.»

Seit 1988 wird der Welt-Aids-Tag jährlich am 1. Dezember begangen. Er bekräftigt die Rechte der HIV-positiven Menschen weltweit und ruft zu einem Miteinander ohne Vorurteile und Ausgrenzung auf. Ausserdem erinnert der Welt-Aids-Tag an die Menschen, die an den Folgen von HIV und AIDS verstorben sind.

Mehr Informationen zum WAT findest du bei der Aids-Hilfe Schweiz, beim BZgA und bei der Aids Hilfe Wien.

Der CHECKPOINT Zürich ist eines der grössten Gesundheitszentren für HIV und andere STI in der Schweiz. Benjamin Hampel, ärztlicher Co-Leiter, empfiehlt einen HIV-Test immer bei einem Spezialisten machen zu lassen. «Wenn du einen Test machst, überlege dir vorher, wie du mit einem eventuellen positiven Ergebnis umgehst» sagt Hampel. Wichtig sei es, sich zu fragen, ob der Zeitpunkt der Richtige sei. Habe man z.B. in zwei Tagen eine wichtige Prüfung oder Präsentation, wäre es eventuell besser, noch einige Tage zu warten. Zudem soll man sich Gedanken machen, welchen Personen aus dem eigenen Umfeld man das Ergebnis des Tests mitteilen möchte.

Bei einem positiven HIV-Test ist es wichtig, umgehend mit der Therapie zu beginnen. «Ausser die Person ist noch nicht bereit dazu» erklärt Hampel. Am Anfang stehe immer das Therapiegespräch. Um die richtige Therapie zu finden muss der Arzt oder die Ärztin genau wissen, wo der Patient steht. Darum kann es hilfreich sein, wenn man sich bereits im Vorfeld Gedanken macht:

» Wie sieht mein Alltag aus?
» Wie ist meine körperliche und mentale Verfassung?
» Was ist mir bei der Einnahme der Medikamente wichtig?
» Wurden bei mir andere Krankheiten festgestellt?
» Welche Medikamente oder anderen Präparate nehme ich regelmässig ein?
» Wie sieht es bei mir mit Zigaretten, Alkohol und Drogen aus?

CHECKPOINT

Der CHECKPOINT Zürich ist ein Gesundheitszentrum mit 30 Mitarbeitenden für Männer, die Sex mit Männern haben, trans Menschen und anderen queeren Personen.

Hampel sieht sich und seine Kolleg*innen in der Pflicht, eine offene und vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen. «Es ist völlig normal, das Patient*innen am Anfang überfordert sind, Angst vor der Therapie und Angst vor Stigmatisierung haben. Darum bietet der CHECKPOINT auch psychologische Beratung an. Patient*innen können sowohl vor dem HIV-Test, sowie vor und während der Therapie entsprechende Beratung in Anspruch nehmen.

Er weisst ebenfalls darauf hin, dass eine festgelegte Therapie nicht in Stein gemeisselt ist. Lebenssituationen ändern sich und dank neuer Medikamente gibt es viele Möglichkeiten bestehende Therapien zu optimieren. Menschen mit HIV sollen darum offen mit ihrem Arzt oder ihrer Ärztin über Ihre Bedürfnisse sprechen.

Fighting HIV Together

Wenn du mit HIV lebst, ist es wichtig, dass du weisst, wo du stehst, welche Möglichkeiten es gibt und wie du dein Leben nach deinen Vorstellungen leben kannst. Auf der Plattform LiVLife von ViiV Healthcare, findest du viele Informationen, die dir weiterhelfen können.

LiVLife wurde von und mit Menschen mit HIV entwickelt und stützt sich auf Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus der HIV-Community – unter anderem von Menschen, die gerne ihre Geschichte erzählen. Neben der Steigerung der Lebensqualität von Menschen mit HIV liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Kampf gegen Stigmatisierung.

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