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Liberace: Aufschlussreich, ohne moralisch zu werten

Matt Damon (links) und Michael Douglas in «Behind The Candelabra». (Bild: HBO Films)

Heute ist der Kinostart von «Liberace». Rückblickend ist es eigentlich erstaunlich, dass der Pianist Wladziu Valentino Liberace (1919–1987) nie zu seinem Schwulsein stehen konnte.

Denn verborgen hat er seine exaltierte Seite nie – und offenbar auch nicht seine Zuneigung zu deutlich jüngeren Männern. In seinem Bekanntenkreis war es natürlich kein Geheimnis; doch seine Fans, vorwiegend Damen über 60 Jahre, wären bei einem Coming-out ihres Idols wohl reihenweise vor Schreck weggestorben.

Liberace war bestbezahlter Entertainer der Welt
Spass beiseite: Nun widmete sich Steven Soderbergh dem weltweit bestbezahlten Entertainer der 50er- bis 70er-Jahre, und das war gar nicht so einfach: Seit 2000 versuchte er, eine Produktionsfirma für sein Projekt zu finden, doch kein Hollywood-Studio traute sich, das Geld bereitzustellen. Schliesslich finanzierte der Bezahl-TV-Sender HBO «Behind the Candelabra» (Originaltitel) mit $23 Mio. Im Mai feierte er dort Premiere, kurz nachdem er in Cannes uraufgeführt worden war. Ausserhalb der USA kommt die Biographie unter dem Titel «Liberace» doch noch ins Kino – so auch bei uns.

Und das ist gut so, denn Soderberghs Porträt schildert die Amour fou zwischen dem Kitschkönig der Unterhaltung und dem 40 Jahre jüngeren Scott Thorson unterhaltsam und schön pompös – wie es wohl ganz nach dem Gusto Liberaces gewesen wäre. Dabei brillieren die Hauptdarsteller: Michael Douglas als schwelgerischer Liberace, der Matt Damon als naiven Scott 1977 mit Charme und Grosszügigkeit um den Finger wickelt. Scotts Ergebenheit geht sogar so weit, dass er sich einer Schönheitsoperation unterzieht, damit sein Gesicht dem des jungen Liberace ähnlicher sieht.


Äusserst amüsante Sexszene
Nach einem fulminanten Start leidet «Liberace» im Mittelteil unter Längen. Doch sobald nach fünf Jahren das unvermeidliche Ende der Beziehung naht, zieht er wieder an: Scott verfällt Drogen und wird für Liberace zur Bürde. Schliesslich lässt der Star seinen Toyboy fallen, worauf es zum hässlichen Rosenkrieg kommt, bei dem Liberace natürlich am längeren Hebel sitzt. Dennoch gönnt Soderbergh beiden ein versöhnliches Ende: Aus der Abdankung für Liberace, der am 4. Februar 1987 seiner Aids-Erkrankung erlag, macht er dessen letzten grossen, unverhohlen schwulen Auftritt, den er nie hatte, und das quasi als Exklusiv-Vorstellung für Scott.

Alles in allem ist «Liberace» eine aufschlussreiche Biographie, die glücklicherweise davon absieht, seine Figuren moralisch zu werten. Zudem geht sie mit dem Thema Homosexualität locker um, inklusive einer äusserst amüsanten Sexszene. Und dass kein Hollywood-Studio den Film produzieren wollte, zeigt in erster Linie auf, dass ein unverkrampfter Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe trotz all den Quotenschwulen und –lesben der vergangenen Jahre in der Traumfabrik immer noch recht schwierig sein kann – vor allem, wenn es auch ans Eingemachte geht.

USA 2013. Regie: Steven Soderbergh. Verleih: DCM. Kinostart: 10. Oktober

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