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Jair Bolsonaro will Wahlniederlage womöglich nicht anerkennen

Im Oktober wird gewählt

Jair Bolsonaro
Jair Bolsonaro, Präsident von Brasilien, im Oktober 2021 (Foto: Alan Santos /Palacio Planalto /dpa)

Rund sechs Wochen vor der Präsidentenwahl in Brasilien hat der homophobe Staatschef Jair Bolsonaro die Politik seiner Regierung verteidigt.

«Ich habe das Land in einer schlechten wirtschaftlichen Lage übernommen, die durch die Corona-Pandemie, den Krieg in der Ukraine und eine grosse Trockenheit noch verstärkt wurde», sagte Bolsonaro in einem seiner seltenen Interviews dem Sender TV Globo am Montagabend (Ortszeit). Die «grosse Impfung» seien Wirtschaftsreformen gewesen. Strenge Ausgangsbeschränkungen während der Pandemie hatte Bolsonaro aus wirtschaftlichen Gründen abgelehnt, den Sinn von Impfungen zog er in Zweifel.

In Brasilien wird im Oktober ein neuer Präsident gewählt. Dabei kommt es im grössten Land Lateinamerikas zu einem Duell zwischen dem rechtspopulistischen Bolsonaro und dem linken Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva (MANNSCHAFT berichtete). Umfragen zufolge liegt Lula vor Bolsonaro.

Ich werde das Ergebnis der Wahlen akzeptieren – vorausgesetzt, sie sind sauber und transparent.

Er werde das Ergebnis der Wahlen akzeptieren, «vorausgesetzt, sie sind sauber und transparent», sagte Bolsonaro in dem TV-Interview, während in grossen Städten wie São Paulo «Bolsonaro raus!»-Rufe zu hören waren.


Bolsonaro hatte das brasilianische Wahlsystem immer wieder in Zweifel gezogen. Im Stile des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump deutete er an, das Ergebnis der Wahl womöglich nicht anerkennen zu wollen. Lula zeigte sich im Gespräch mit internationalen Journalisten in São Paulo am Montag überzeugt, dass Bolsonaro das Ergebnis im Falle einer Niederlage akzeptieren werde. Im Mai hatte das brasilianische Wahlsystem, das vollständig elektronisch ist, einen Sicherheitstest des Obersten Wahlgerichts bestanden.

Vor vier Jahren wurde Bolsonaro ins Amt gewählt (MANNSCHAFT berichtete). In einem Interview mit dem Playboy gab der 63-Jährige unumwunden zu: «Ich könnte keinen schwulen Sohn lieben. Ich hätte lieber, dass er bei einem Autounfall sterben würde.»

An anderer Stelle setzte er das Gerücht in die Welt, dass Drogenkonsum viele Männer schwul mache. Auch die Weltgesundheitsorganisation beschuldigte er schon, Kinder homosexuell machen zu wollen (MANNSCHAFT berichtete).



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