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«Für LGBTIQ ist das Leben in Afghanistan zum Gefängnis geworden»

Zudem warnen die Vereinten Nationen vor einer steigenden Zahl Hungernder im Land

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Afghanistan: Ein Mitarbeiter eines Partners des Welternährungsprogramms WFP verteilt Nahrungsmittel am Stadtrand von Herat (Foto: Marco Di Lauro/World Food Programm WFP/dpa)

LGBTIQ sind seit der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan in Lebensgefahr (MANNSCHAFT berichtete). Lange Zeit fühlte sich die internationale Gemeinschaft hilflos, aber jetzt haben All Outs Partner bei ILGA Asia ein Soforthilfeprogramm gestartet, um LGBTIQ zu helfen.

Mit dem Soforthilfeprogramm soll gefährdeten Menschen geholfen werden, in Sicherheit zu bleiben, während sie auf ihre Umsiedlung warten. Weil die Krise so gewaltig sei, dass es schwierig sei, genügend Ressourcen zu finden, hat sich die All-Out-Bewegung für LGBTIQ-Menschenrechte mit ILGA Asia zusammengetan.

«Seit die Taliban die Macht in Afghanistan übernommen haben, ist das Leben für LGBTIQ-Afghan*innen zu einem Gefängnis geworden», erklärt Sarah Mitchell, Leiterin der Mitgliedermobilisierung bei All Out. Vor deren Verfolgung wird schon seit Monaten gewarnt (MANNSCHAFT berichtete).

Sie lebten in ständiger Angst, und ihr Leben sei in Gefahr. Unter der Herrschaft der Taliban werde Homosexualität mit dem Tod bestraft, und es würden «Ehrenmorde» praktiziert. «Als wir von dem Nothilfeprogramm von ILGA Asia erfuhren, war uns klar, dass dies möglicherweise die einzige Hoffnung für viele LGBT*-Menschen in Afghanistan sein könnte, und wir haben sofort gehandelt.»


«Die LGBTIQ-Menschen, mit denen ich in Afghanistan in Kontakt stehe, leben extrem isoliert, und viele haben Angst, ihr Zuhause zu verlassen», berichtet der Geschäftsführer von ILGA Asia, Henry Koh. Er habe persönlich von Menschen gehört, die sowohl von den Taliban als auch von ihren Familienmitgliedern körperlich misshandelt wurden.

«Ich habe von Menschen gehört, die unter kritischen physischen und psychischen Gesundheitsproblemen leiden. Und ich habe von Menschen gehört, denen es an Kleidung und Nahrung fehlt. Einige sind auf der Flucht, andere verstecken sich, und wieder andere haben versucht, sich das Leben zu nehmen. Was jedoch alle, mit denen wir in Kontakt stehen, eint, ist die pure, unverhohlene Angst, unter diesem Regime getötet zu werden, weil sie LGBTIQ sind. Unsere Aufgabe, LGBT*-Afghanen zu helfen, können wir nicht allein erfüllen. Wir brauchen die Hilfe aller, um die notwendigen Ressourcen zu finden», so Koh.

Zahl der Hungernden könnte auf 22,8 Millionen steigen
Derweil warnt die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen vor einer steigenden Zahl Hungernder in Afghanistan. 18,8 Millionen Menschen litten laut einer Prognose derzeit täglich Hunger, erklärte der FAO-Vertreter in der afghanischen Hauptstadt Kabul, Richard Trenchard, kürzlich. Er forderte ein sofortiges Handeln, um eine Katastrophe zu verhindern. Ihm zufolge könnte die Zahl der Hungernden bis Jahresende auf 22,8 Millionen steigen.


Die Dürre-Krise der vergangenen Monate habe sich durch den Zusammenbruch der Wirtschaft und das Ausbleiben internationaler Hilfe zu einer nationalen Krise entwickelt, erklärte Trenchard weiter. In Afghanistan sei Landwirtschaft ein Rückgrat der Ökonomie. Humanitäre Hilfe sei nun nötig, um Bauern, Tierhalter und Hirten zu unterstützen. (mit dpa)


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