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Deadnaming im Bundestag: Beatrix von Storch sorgt für Eklat

Die stellvertretende AfD-Bundessprecherin greift Tessa Ganserer (Grüne) an

Beatrix von Storch
Berlin: Beatrix von Storch (Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Am Mittwoch wurde im Deutschen Bundestag über den internationalen Frauentag debattiert. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch schimpfte über «Gendergaga» und «Frauenabschaffer» und nannte mehrfach den Deadname von Tessa Ganserer.

Im Laufe der Debatte zum bevorstehenden Internationalen Frauentag am 8. März ging es im Parlament hoch her. Die AfD-Politikerin Beatrix von Storch trat ans Rednerpult und versuchte ihre Partei einmal mehr als die einzige Stimme der Vernunft zu inszenieren. (Letztes Jahr rückten ihre Partei und der homofeindliche Präsident Brasiliens, Jair Bolsonaro, demonstrativ zusammen, um für «christlich-konservative Werte einzustehen – MANNSCHAFT berichtete).

Unter anderem zitierte sie die jüngste Emma-Publikation und die Initiative «Geschlecht zählt», die Einspruch gegen die Wahl Ganserers eingelegt hat. Der LSVD hatte das Magazin mit den Worten kritisiert: «Tessa Ganserer wird durchgehend mit ihrem männlichen Deadname genannt, sie wird als physischer und juristischer Mann bezeichnet und ihr wird vorgeworfen, dass sie keine Personenstandsänderung und keine geschlechtsangleichende Operation hat vornehmen lassen». (MANNSCHAFT berichtete).

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Von Storch schoss sich in ihrer Rede vor allem auf eine Person ein: Tessa Ganserer. Die grüne Bundestagsabgeordnete ist neben Nyke Slawik eine der beiden ersten trans Frauen im Parlament (MANNSCHAFT berichtete).


Dass sie als Frau im Bundestag sitzt, kritisiert von Storch. Sie nannte Ganserer in ihrer Rede einen Mann und erwähnte auch mehrfach Ganserers abgelegten Deadname.(Die AfD-Politikerin schlug sich im vergangenen Jahr auch in der Debatte um das ungarische Anti-LGBTIQ-Gesetz auf die Seite von Premier Orbán und ätzte gegen «links-grünen Agitprop»  MANNSCHAFT berichtete).

Ganserer selbst hielt später ihre erste Rede im Bundestag zum Thema nachhaltige Entwicklung, ohne auf die vorangegangenen Äusserungen einzugehen.

Frau von Storch hat von sexueller Identität und geschlechtlicher Vielfalt keine Ahnung.

Der Sprecher für LGBTI der FDP-Bundestagsfraktion, Jürgen Lenders zeigt sich am Tag danach irritiert und erklärt: «Frau von Storch hat von sexueller Identität und geschlechtlicher Vielfalt keine Ahnung.»


Von Storch bezeichnet das Parlament als «Theater», in dem über dem über das Selbstbestimmungsgesetz beraten werden soll. «Das ist ein Affront gegen unsere freiheitlichen und demokratischen Werte. Die Abschaffung des Transsexuellengesetzes ist längst überfällig. Es soll durch das Selbstbestimmungsgesetz ersetzt werden. Änderungen des Geschlechtseintrags im Personenstand müssen ohne diskriminierende Hürden grundsätzlich per Selbstauskunft möglich sein.»

Die Beleidigung gegenüber der Kollegin der Grünen, Ganserer, findet Lenders unerträglich und verurteilt den transfeindlichen Angriff. Diskriminierung gegen LGBTIQ habe in einer freiheitlichen Gesellschaft keinen Platz.

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Auf die Rede von Storchs reagierte auch die Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion Britta Haßelmann mit Bestürzung. Sie nannte die Äusserungen von Storchs «bodenlos» und «homophob». Sie sei erschüttert, dass jemand über eine Kollegin «so abscheulich und niederträchtig» rede.

Auch Mecklenburg-Vorpommern macht den 8. März arbeitsfrei. Der Tag war bisher nur in Berlin ein Feiertag.


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