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Macht Testosteron Athletinnen schneller? Studie war falsch!

Ein Papier von Wissenschaftlern führte zur Sperre von Caster Semenya

Olympia
Caster Semenya (Foto: Stefan Puchner/dpa)

Eine Studie, die einen kausalen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und sportlicher Leistung bei Athletinnen herstellte und zu einer Sperre von inter Sportler*innen führte, ist falsch, wie die verantwortlichen Wissenschaftler jetzt erklären.

Im Jahr 2017 veröffentlichten die Mitarbeiter von World Athletics (WA), der einstigen International Association of Athletics Federations (IAAF), Stéphane Bermon und Pierre Yves Garnier ein Papier, in dem sie argumentierten, es bestehe ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Testosteronspiegel und sportlicher Leistung bei Frauen. Jedoch nur für bestimmte Veranstaltungen, zu denen jene der südafrikanischen Läuferin Caster Semenya gehörten. In der Folge wurde Semenya, die als inter gilt und sich als Frau identifiziert, von der internationalen Leichtathletik-Organisation und damit auch für die Olympischen Spiele gesperrt.

In der jetzt veröffentlichten Korrektur räumte der WA nun ein, dass seine Behauptungen über einen kausalen Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und sportlicher Leistung bei Athletinnen bei den eingeschränkten Veranstaltungen falsch waren.

Es gebe keine bestätigenden Beweise für eine Kausalität in den beobachteten Beziehungen, heisst es in der Korrektur, die die Wissenschaftler nun im British Journal of Sports Medicine veröffentlichten.


Stéphane Bermon und Pierre-Yves Garnier, bei der IAAF leiteten sie die Gesundheits- und Wissenschaftsabteilung, hatten festgestellt, dass Frauen mit einem hohen Testosteronspiegel in einigen Laufwettbewerben deutlich besser abschneiden. Die von der IAAF in Auftrag gegebene Studie lieferte die Basis für eine Wiedereinführung der Testosterobergrenze. Diese wurde im Vergleich zu 2011 halbiert und liegt bei 5 Nanomol Testosteron pro Liter Blut.

Die Wissenschaftler Roger Pielke, Ross Tucker und Erik Boye hielten die Studie damals schon  für unzulässig. «Zwischen 18 und 37 Prozent der Daten, die wir für bestimmte Rennen reproduzieren konnten, waren fehlerhaft», erklärte Pielke laut Zeit online im Jahr 2018.

Er und seine Kollegen baten Stéphane Bermon um den kompletten Datensatz der Studie und erhielten nach langem Warten lediglich ein Viertel der Daten. «Interessanterweise hat Bermon in der E-Mail bereits geschrieben, dass diese Daten fehlerhaft sind», sagt Pielke. Die Wissenschaftler fanden in der Studie schliesslich grundlegende, handwerkliche Fehler. So wurden Athletinnen doppelt gezählt, manche Zeiten konnten wiederum keiner der Sportlerin zugeordnet werden.


Nach einem Urteil des Internationalen Sportgerichts CAS von Mai 2019 zum Testosteron-Limit für Mittelstreckenläuferinnen mit inter Anlagen darf die 800-Meter-Spezialistin Semenya nicht mehr bei Wettbewerben zwischen 400 Metern und einer Meile starten (MANNSCHAFT berichtete). Es sei denn, sie senkt ihren natürlichen Testosteron-Wert durch Medikamente, was Semenya ablehnt. Beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg hat die dreimalige Weltmeisterin eine Klage wegen Diskriminierung, herabwürdigender Behandlung sowie Missachtung ihres Privatlebens angestrengt.

Laurel Hubbard trat im Sommer als erste trans Athletin in Olympia an (MANNSCHAFT berichtete).


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