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Aktivist und «Red Ribbon»-Erfinder Patrick O’Connell ist tot

Der US-Amerikaner starb im Alter von 67 Jahren

Patrick O'Connell
Patrick O'Connell (Bild: Twitter)

Der US-amerikanische Aktivist Patrick O’Connell half mit, HIV/AIDS Anfang der 90er Jahre in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Nun starb er im Alter von 67 Jahren in seiner New Yorker Sozialwohnung.

Patrick O’Connell und seine Freund*innen des künstlerischen Projekts «Visual AIDS» suchten sich die Tony-Gala 1991 aus, um ihr Solidaritätssymbol bekannt zu machen. Auf jeden Sitz legten sie eine ihrer handgemachten roten Schleifen, über deren Bedeutung sie möglichst viele Teilnehmer*innen der Preisverleihung im Vorfeld informierten.

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HIV enttabuisiert
Auch wenn während der TV-Übertragung nicht über die Schleifen gesprochen wurde: Die Neugier bei Presse und Zuschauer*innen war geweckt. Man sprach erstmals über das Tabuthema HIV/AIDS, Patrick O’Connell und «Visual AIDS» hatten ihr Etappenziel erreicht.

Die Erfindung avancierte zum internationalen Symbol für Solidarität mit allen Menschen, die von HIV/AIDS betroffen sind. Dies geschah auch dank der Unterstützung von zahlreichen Stars. Elizabeth Taylor, Lady Diana, Liza Minnelli – sie alle haben sich mit einer «Red Ribbon» in der Öffentlichkeit gezeigt.


Kind einer Arbeiterfamilie
«Die Leute wollen etwas ausdrücken, aber nicht unbedingt immer mit Wut oder Aggression», sagte Patrick O’Connell 1992 in der New York Times. «Mit der Schleife ist das möglich. Selbst wenn es nur ein einfacher erster Schritt ist.»

Die rote Schlaufe also als Zeichen sanfter und stiller Solidarität. Dabei habe O’Connell selbst eine «wahnsinnige Wut» entwickelt, wie Journalist Jan Feddersen im Gespräch mit Deutschlandfunk Kultur sagt. Der Sohn einer Arbeiterfamilie sei ein «verzweifelter AIDS-Aktivist» gewesen.

Die Künstlergruppe «Visual AIDS» wollte nicht nur enttabuisieren, sondern auch bessere Bedingungen in den Krankenhäusern. Und dass man sich nicht mehr ekelt oder sich für eine HIV-Infektion schämt.


Kaum noch das Haus verlassen
Patrick O’Connell selbst lebte rund vier Jahrzehnte lang mit dem Virus im Körper, zuletzt gemäss New York Times mit einer Gehbehinderung in einer Sozialwohnung. Sein langjähriger Partner verstarb im Jahr 2000 an einer Krebserkrankung.

Viele Menschen aus seinem Umfeld, die mit ihm gegen das Virus kämpften, sind inzwischen verstorben. Er habe nur noch selten das Haus verlassen – doch fast nie ohne rote Schleife am T-Shirt oder Hemd.

Sein Bruder Barry sagte gegenüber den New York Times, dass Patrick bereits am 23. März im Alter von 67 an den Langzeitfolgen der Infektion gestorben sei. Die 1988 von ihm mitbegründete Organisation «Visual AIDS» ist noch heute aktiv. Sie macht weiterhin mithilfe visueller Kunst in der Gesellschaft auf AIDS aufmerksam.

Am Welt-AIDS-Tag 2020 zeigte ausgerechnet der damals frisch abgewählte US-Präsident Donald Trump eine grosse rote Schleife am Weissen Haus. Obwohl seine Sprecherin das Gegenteil behauptete, taten dies bereits Barack Obama und George W. Bush vor ihm (MANNSCHAFT berichtete).

 

 



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