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«Living Library»: Regenbogenvielfalt in St.Gallen

Queere Menschen erzählen aus ihrem Leben

Living Library (Fotocredit: Jugendinformation tipp)
Living Library in St.Gallen (Fotocredit: Jugendinformation tipp)

Es ist das erste Mal, dass eine «Living Library« im Zeichen des Regenbogens im talhof in St.Gallen stattfindet. Ein Anlass mit queeren Menschen, die als «lebendes Buch» aus ihrem Leben berichten, sich Fragen von Gästen stellen und mit Vorurteilen aufräumen. Gleichzeitig können sich Jugendliche einem vergünstigten Full-HIV-STI-Test unterziehen.

Den talhof kennen die jungen und jung gebliebenen Menschen in St.Gallen eher als einen Ort für Partys, Konzerte und Jugendveranstaltungen. Und weniger als «lebendige Bibliothek», die am Dienstagabend den St.Galler*innen die Regenbogenvielfalt näher bringt.

Die LGBTIQ Community hat viel erreicht, aber auch noch viel vor

Organisiert haben den Anlass die queeren Jugendgruppen «otherside» und «s bunte Grüppli» sowie die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen. Das Ziel dieser Veranstaltung: Wissen und Erfahrungen zu unterschiedlichen sexuellen Orientierungen sowie Geschlechtsidentitäten vermitteln. Damit sollen ein grösseres Verständnis und eine grössere Akzeptanz für die LGBTIQ- Community entstehen.

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Wenn lebendige Bücher reden
Non-binär? Trans? Pansexuell? Die queere Community ist sehr vielfältig. Darum hat sich das Organisationsteam der «Living Library» auch dafür entschieden, diese Vielfalt mit «lebenden Büchern» wiederzugeben. Ganz nach dem Motto «never jugde a book by its cover». Besser sei es, das Buch aufzuschlagen und darin zu lesen, als es bloss nach seinem Äusseren zu beurteilen.

Beim Einlass zum Event haben sich die Gäste durch Bibliothekar*innen beraten lassen und ihr «lebendes Buch» dann ausgewählt. Dort angelangt haben sie ihre Fragen oder Unsicherheiten platzieren können, wie zum Beispiel: «Was bedeutet non-binär? Was ist Pansexualität? Wie läuft eine Transition ab?»

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Living Library an Schulen gefordert
Neben queeren Menschen als «lebende Bücher» gibt es an der «Living Library» auch eine Person, die cis-hetero ist und über ihr Leben Auskunft gibt. Im Gespräch äussert sie die Forderung, dass es solche Anlässe vermehrt auch an den Schulen geben müsste: «Sowas würde die Gesellschaft weiterbringen und mehr zum gegenseitigen Verständnis und Respekt führen.»

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Gerade für Jugendliche seien solche Anlässe essentiell: «Veranstaltungen wie diese würden Jugendlichen helfen, eine gesunde Identität und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln.» Denn das Unwissen über die LGBTIQ-Community und der fehlende Austausch mit derselben seien der Grund für Vorurteile und Diskriminierungen.

Vergünstigte HIV- und STI-Tests für Jugendliche
Zur «Living Library» hat die Fachstelle für Aids- und Sexualfragen zusammen mit der Infektiologie des Kantonsspitals St.Gallen auch vergünstigte HIV- und STI-Tests im Angebot. Dieses Angebot richtet sich an Männer, die mit Männern Sex haben, sowie an trans Jugendliche bis 30 Jahren. Getestet werden neben HIV auch diese sexuell übertragbaren Infektionen (STI): Syphilis, Chlamydien und Tripper (Gonorrhö). Normalerweise kosten solche Test 180 Franken aufwärts.

«Mit dieser Test-Aktion wollen wir die Jugendlichen auf die Vorteile eines regelmässigen Testens aufmerksam machen», erklärt Adrian Knecht von der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen. Es sei nämlich immer noch so: Jugendliche unter 30 Jahren lassen sich zu selten testen, obwohl sie sexuell sehr aktiv sind.

Nur regelmässiges Testen bietet höchstmögliche Sicherheit
«Überdies meinen viele, dass Kondome einen Rundumschutz bieten», erläutert er weiter. Kondome schützen beim Anal- und Vaginalsex sowie bei Sextoys sicher vor HIV. Gegen andere sexuell übertragbaren Infektionen bieten sie zwar einen guten, nicht aber einen zuverlässigen Schutz. Zudem lassen sich andere Geschlechtskrankheiten bei anderen Sexpraktiken leicht übertragen: Wer Oralsex, Küssen oder Streicheln praktiziere, könne sich mit anderen sexuell übertragbaren Krankheiten anstecken.

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«Darum bietet nur ein regelmässiges Testen die höchstmögliche Sicherheit», fährt Knecht fort. Ein 100%-iger Schutz bestehe nur in der Enthaltsamkeit: Wer aber Sex hat, sollte sich mindestens einmal jährlich testen lassen. Und wer mehrere Partner*innen im Jahr zum Sex trifft, sollte sich mindestens zweimal pro Jahr testen lassen.

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