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«Heute sagen wir nicht mehr schwul» – Die Reue der Comedystars

In der SWR-Sendung «Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen» zeigen sich einige Vertreter*innen reuevoll

Comedy
Was darf Comedy? Erkan und Stefan würden heute einiges anders machen (Foto: Screenshot/Die neue Welle)

Blackfacing und Witzchen auf Kosten von Schwulen – ohne ging es in der deutschen (und internationalen) Comedy früher nicht. Einige zeigen sich jetzt in der neuen SWR-Show «Walulis Woche» einsichtig.

Die Comedy-Held*innen von früher stehen am Social-Media-Pranger. Von Michael Bully Herbig bis Otto Waalkes. Denn in ihren Sketchen haben sie Minderheiten oft klischeehaft bis verletzend dargestellt. Worüber können und wollen wir noch lachen?

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Die neue SWR-Sendung reflektiert das Thema ausführlich zwischen den Extrempolen «Cancel Culture» (alles löschen und verbannen) und «Humor darf alles» (Verharmlosung) und erklärt zum Beispiel auch den oft vernachlässigten Unterschied zwischen Thema und Ziel eines Witzes – also ob Rassismus beispielsweise nur als Lacher dient oder aber entlarvt wird.

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«Natürlich war auch schon 2006 das Blackfacing nicht in Ordnung, deshalb ist es durchaus eine Frage, kann man sich diese Sachen von früher mit dem Wissen von heute völlig unbedarft ansehen», sagt beispielsweise Bernhard Hoëcker in der Show «Walulis Woche».

«Eine Möglichkeit wäre: Wir löschen das Ganze. Aber dann gibt es keinen Grund mehr, darüber nachzudenken. Aber genau das ist es, was Comedy, was Parodie, was Unterhaltung auch soll – das Gehirn anregen.»

Hoëcker bezieht sich auf eine Aktion in der ProSieben-Sendung «Switch reloaded» mit Michael Kessler als Florian Silbereisen und Hoëcker als Rapper 50 Cent – schwarz geschminkt. Darin fallen auch rassistische Begriffe. Von Blackfacing spricht man, wenn sich weiße Menschen schminken, um schwarze Menschen stereotyp darzustellen und die Hautfarbe zu einer Verkleidung degradieren.

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Auch das Duo Erkan und Stefan kritisiert sich rückblickend selbst. So sagen die beiden Comedians, die sich 2007 getrennt hatten und jetzt ein Comeback versuchen: «Wir haben damals mal öfter das Wörtchen schwul verwendet für Dinge, die uncool waren oder die uns nicht männlich genug waren. Das würden wir heutzutage natürlich nicht mehr so tun. Heute sagen wir nicht mehr schwul, sondern etwas viel Differenzierteres: nicht schwul, sondern vegan.»

Moderator Philipp Walulis, seit 2012 Grimme-Preisträger, nimmt «mit scharfem Blick Medien- und Gesellschaftstrends in den Fokus», wie der SWR in seiner Ankündigung schreibt. Und weiter: «Relevante Themen mit differenzierter Betrachtung: Kein Rumgemeckere, kein erhobener Zeigefinger, keine vorgekaute Meinung.»

Er erklärte gegenüber DWDL.de, er habe «festgestellt, dass wenn ich eine Diskussion über etwas anregen will, es nicht zielführend ist, den Leuten die eigene Meinung als einzig wahre entgegenzuschreien und dann im Zweifel alle Kritiker ans heilige Twitter-Kreuz der reinen Lehre zu nageln. Da machen die Leute innerlich sofort zu und es kommt kein Gespräch oder Nachdenken zustande.»

Auch der in Zürich wohnhafte Kaya Yanar sieht Sketche, in denen er sich schwarz oder dunkel geschminkt hat, heute kritisch. «Diese ganze Diskussion, die finde ich grossartig. Die zwingt uns Komiker dazu, zu reflektieren. Und 20 Jahre später zu sagen: Hey, was du damals gemacht hast, das geht nicht mehr», so der Komiker mit türkischen Wurzeln.

«Es ist Comedians wie Bernhard Hoëcker und Kaya Yanar hoch anzurechnen, dass sie (im Gegensatz zu Bully und natürlich Dieter Nuhr) nicht darauf bestehen, alles richtig gemacht zu haben», erklärt Nollendorfblogger Johannes Kram via Facebook der ebenfalls in der Sendung zu Wort kommt.

Die Sendung «Warum Comedy-Helden jetzt gelöscht werden sollen» aus der neuen Showreihe «Walulis Woche» mit Philipp Walulis zeigt auch frühere problematische Darstellungen von Oliver Kalkofe und Anke Engelke, in denen oft der einzige Witz der Akzent, das Aussehen oder eben das Anderssein ist – also kein*e weisse*r Deutsche*r zu sein.

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Engelke hatte kürzlich in einem Interview der Süddeutschen Zeitung gesagt: «Blackfacing, Yellowfacing – einige Parodien würde ich nicht mehr machen.» Heute würde sie diese Rollen anders angehen, immer abchecken, ob Menschen betroffen seien, die struktureller Ausgrenzung oder Rassismus ausgesetzt seien. «Ich finde es gut, wenn wir heute ein anderes Bewusstsein haben.»

Die neue SWR-Sendung reflektiert das Thema ausführlich zwischen den Extrempolen «Cancel Culture» (alles löschen und verbannen) und «Humor darf alles» (Verharmlosung) und erklärt zum Beispiel auch den oft vernachlässigten Unterschied zwischen Thema und Ziel eines Witzes – also ob Rassismus beispielsweise nur als Lacher dient oder aber entlarvt wird

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