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China: Lehrbuch nennt Homosexualität weiter «psychosexuelle Störung»

Eine lesbische Aktivistin verlor jetzt vor Gericht

Homosexualität China
Xixi konnte auf Grund der Corona-Pandemie beim Urteil nicht dabei sein. (Bild: Facebook)

Die lesbische Studentin Xixi forderte vor Gericht, dass ein Lehrbuch der South China Normal Universität Homosexualität nicht mehr als «psychosexuelle Störung» bezeichnet. Nach drei Jahren hat sie nun vor Gericht verloren.

Die Studentin, die sich als Anlehnung an Sisyphus aus der griechischen Mythologie Xixi nennt, hat ihren unermüdlichen Kampf mit dem Verlag Jinan University Press nach drei Jahren verloren. Xixi studiert Psychologie und hat sich beschwert, weil das Lehrbuch Homosexualität als eine «häufige psychosexuelle Störung» einstufte.

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Als die damals 20-Jährige das las, war ihr klar, dass sie das nicht so belassen kann. «Es ist ein sachlicher Fehler, Homosexualität als psychosexuelle Störung zu bezeichnen», erklärte Xixi gegenüber Radio Free Asia, RFA. Zuerst wollte sie den Herausgeber des Buches per E-Mail und Brief erreichen. Doch selbst ein Besuch in dessen Büro erzielte keine Ergebnisse – alle Anfragen zur Korrektur des Wortlauts wurden abgelehnt.

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Xixi entschloss sich daraufhin 2017, rechtlich gegen den Herausgeber Jinan University Press vorzugehen. Sie erhob Anklage wegen der Veröffentlichung von Büchern mit «fehlerhaften und irreführenden Inhalten» und klagte auch die Verkäufer des Buches, Jiangsu Yuanzhou E-Commerce, an.

Die Psychologiestudentin ist selber lesbisch und wurde nach ihrem Coming-out von ihren Kommilitonen*innen ausgelacht. Sie hatten ihr geraten, das Lehrbuch genauer zu studieren. «Durch das Lesen von solchen Dingen habe ich lange daran gezweifelt, ob ich psychisch krank war oder nicht», erzählte Xixi in einem Interview mit dem China Youth Network.

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Mit der Klage wollte die Studentin ein Bewusstsein schaffen und die öffentliche Diskussion anstossen. Sie forderte einen Rückruf des Buches «Mentel Healthcare for University Students», die Korrektur des Wortlauts und eine öffentliche Entschuldigung vom Verlag.

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Die Anhörung hatte sich aus verschiedenen Gründen um drei Jahre verzögert und kam erst am 28. Juli 2020 vor ein Bezirksgericht in China. Nachdem zuvor nicht klar war, wie das Gericht entschied, ist nun bekannt geworden, dass Xixi den Fall verloren hat. Als Grund gab das Gericht die grosse Menge an Beweisen an, die beide Seiten über den Fall lieferten. Dem Richter zufolge konnte das Argument von Xixi nicht explizit bewiesen werden.

Für ihren Kampf erhielt Xixi viel Unterstützung von der chinesischen LGBTIQ-Community, die sie auch mit der Finanzierung der Gerichtskosten halfen.

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